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Arbeitskampf in Frankfurt: Der ruhige Streik

Erzieherinnen, Krankenschwestern, Müllmänner, Schleusenwärter und Bühnentechniker sind am Freitag durch Frankfurt gezogen. Ein dicker Warnstreik, den die Stadt mit Bravour gemeistert hat. Von Friederike Tinnappel

Am Freitag werden die Busse der VGF auch wieder stillstehen - weil ihre Fahrer im Arbeitskampf sind.
Am Freitag werden die Busse der VGF auch wieder stillstehen - weil ihre Fahrer im Arbeitskampf sind.
Foto: FR/Boeckheler

Roland Hergt konnte an diesem Freitagmorgen nicht streiken. Während sich Erzieherinnen, Krankenschwestern, Müllmänner, Schleusenwärter und Bühnentechniker auf der Straße versammeln, räumt Hergt den Abfall weg: Plastikflaschen, Bananenschalen, Brötchenreste.

Dann ist der große Saal, in dem vor wenigen Minuten noch großes Gedränge herrschte, wie leer gefegt. Auch Alfred Friedrich von den Verdi-Senioren, der gleich am Eingang um neue Mitglieder geworben hat, kann einpacken. "Es läuft recht gut", beantwortet er die Frage, wie viele neue Mitglieder schon in die Dienstleistungsgewerkschaft eingetreten sind.

Der Streik in Hessen

7300 Beschäftigte haben sich am Freitag nach Angaben der Gewerkschaft Verdi am Warnstreik im öffentlichen Dienst beteiligt.

In Gießen, Hanau und Frankfurt wurde der öffentliche Personennahverkehr fast vollständig lahmgelegt.

Bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 10. Februar wird es in Hessen keine weiteren Warnstreiks geben.

Jürgen Fischer vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Aschaffenburg ist schon länger dabei. Nicht nur der öffentliche Personennahverkehr und Teile des Kulturlebens werden in Frankfurt durch den Warnstreik im öffentlichen Dienst lahmgelegt, auch die Main-Schifffahrt muss dran glauben: Zwischen Mainz und Lengfurt sind die Schleusen geschlossen. "Die Binnenschifffahrt ruht", gibt Fischer durch.

Margarete Wiemer, die Personalratsvorsitzende der städtischen Kliniken in Höchst, winkt mit gleich zwei rot-weißen Verdi-Fahnen. Zusammen mit den Müllmännern aus Höchst ist sie mit rund 100 Krankenschwestern und Pflegern ins Gewerkschaftshaus gekommen - darunter auch viele Nicht-Mitglieder. Wenn ihnen der Arbeitgeber die Zeit, in der gestreikt wurde, vom Lohn abziehen sollte, dann "schmeißen wir zusammen."

Es geht locker und diszipliniert zugleich zu. Schnell ist der Demonstrationszug aufgebaut. Um 10.55 Uhr ertönt eine Stimme aus dem Lautsprecherwagen: "So, es geht los." Die Trommler diesmal nicht am Beginn sondern in der Mitte, was deutlich für mehr Schwung sorgt. Die Route führt über die Mainlust- und Weserstraße, zur Kaiserstraße und über die Gallusanlage zum Willy-Brandt-Platz. Sie soll eine "Fünf" symbolisieren. "Fünf Prozent mehr Kohle , lautet die Parole", wird immer wieder gerufen. Außerdem geht es bei den Tarifauseinandersetzungen im öffentlichen Dienst um eine Verlängerung der Altersteilzeit-Regelung, für die Auszubildenden werden 100 Euro mehr im Monat gefordert und eine Übernahmegarantie.

"Wir haben extra einen kurzen Weg gewählt", erklärt Thomas Wissgott, Verdi-Geschäftsführer für Frankfurt und die Region. "Wir dachten, es würde noch Schnee liegen." Doch bis auf ein paar wenige weiße Flecken sind die Flocken weggetaut.

Bei den Verhandlungen mit den Arbeitgebern ist allerdings noch lange kein Tauwetter in Sicht. Das wird auf der Kundgebung auf dem Willy-Brandt-Platz deutlich. Die stellvertretende Verdi-Landesvorsitzende, Sibylle Lust, spricht von "zwei Verhandlungsrunden ohne jede Annäherung" und einer "Blockadehaltung der Arbeitgeber". Sie befürchtet einen Teufelskreis: "Sinkende Einkommen, sinkende Nachfrage. Wirtschaftliche Stagnation, höhere Arbeitslosigkeit." Und Lust verrät auch, wo das Geld bleibt: 40 Milliarden Euro würden dem Staat jährlich durch Steuerhinterziehung entgehen.

Auch Angela Härtel, die in der Bundestarifkommission sitzt und von den Verhandlungen in Potsdam berichtet, schlägt kämpferische Töne an: "Ohne uns geht im Bund und in den Kommunen das Licht aus. Bringt alles auf die Straße, was Beine hat. Wir nehmen die Herausforderung an."

Harald Fiedler vom Deutschen Gewerkschaftsbund erinnert an die Zusage des Frankfurter Personal- und Wirtschaftsdezernenten Markus Frank (CDU) vom DGB-Neujahrsempfang. Damals habe Frank gesagt, die Beschäftigten der Stadt sollten gut arbeiten und gut verdienen. Die Deutsche Bank habe 2009 trotz Finanzkrise fünf Milliarden Euro eingestrichen. "Wir wollen, dass das Geld in unsere Taschen fließt und nicht in Spekulationsgewinne."

"Jetzt seid ihr dran", fordert der Chef der Frankfurter IG Metall, Michael Erhardt, die rund 1500 Demonstranten auf. In seiner Branche sehe es "finster" aus. "Wir zählen auf Euch." Verdi-Mann Wissgott versichert mit Blick auf die kleine Delegation der Flughafen-Beschäftigten: "Das war heute erst der Anfang. Wir können mehr." Das Pendlerblog wird Sie von Freitagfrüh an auf dem Laufenden halten, welche Linien fahren und welche nicht. Gleichzeitig laden wir Sie dazu ein, Ihre Erfahrungen hier im Blog zu schildern.

Autor:  Friederike Tinnappel
Datum:  4 | 2 | 2010
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