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Arbeitsmarkt in Hessen: Akademiker sind fein raus

Akademiker und Facharbeiter sind die Gewinner der Krise, Verlierer sind Menschen mit schlechter Ausbildung. Betriebesuchen händeringend Fachkräfte. Von Peter Dietz

Akademiker und Facharbeiter sind die Gewinner der Krise, Verlierer sind Menschen mit schlechter Ausbildung.
Akademiker und Facharbeiter sind die Gewinner der Krise, Verlierer sind Menschen mit schlechter Ausbildung.
Foto: dpa

Akademiker und Facharbeiter sind Gewinner der Krise, Verlierer sind Menschen mit schlechter Ausbildung. Das ist Ergebnis einer Studie des Instituts für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) an der Frankfurter Goethe-Uni, bei der 1300 Betriebe aus der Region befragt wurden.

Informatiker, Ingenieure und Naturwissenschaftler sind begehrt; sie sollten weniger Probleme haben, einen Job zu finden. Zwar wird die Zahl der Arbeitsplätze in den kommenden zehn Monaten im Rhein-Main-Gebiet unterm Strich leicht sinken. Das aber wird vor allem Hilfsarbeiter in der Industrie treffen.

Jobmarkt

Der Winter trieb zuletzt die Arbeitslosenzahlen hoch. In Hessen waren im Januar 215650 Menschen ohne festen Job. Das waren neun Prozent mehr als im Dezember. Vor einem Jahr waren fast genauso viele Menschen arbeitslos.

Die Quote lag im Januar bei sieben Prozent. Die Zahl der ungeförderten Stellen im Bestand der Arbeitsagenturen in Hessen nimmt ab: im Januar befanden sich 22810 offene Arbeitsplätze im Pool, 1000 weniger als im Vormonat und 700 weniger als vor einem Jahr. (pdi)

Ein Fünftel der befragten Firmen gab an, sie wollten in der Fertigung Stellen für Personen mit geringer Qualifikation streichen. Schwierig indes wird es für die Betriebe, geeignete Fachkräfte in den Bereichen Fertigung, Technik und Datenverarbeitung zu finden. Trotz der Flaute bleibe der Mangel an Facharbeitern ein Problem.

Für Frauen sei das eine Chance, sagte Wolfgang Forell, Chef der hessischen Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit. Es gebe eine große Zahl an gut ausgebildeten Frauen, die derzeit lediglich in Teilzeit beschäftigt seien. Dieses Potenzial gelte es auszuschöpfen, um den Bedarf an Fach- und Führungskräften decken zu können.

Immer mehr Teilzeitjobs

"Trotz Fachkräftebedarf arbeiten mittlerweile weniger als 50 Prozent aller Frauen in einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung", moniert Forell. Sie stellten damit den größten Teil der Teilzeitbeschäftigten und Minijobber. Und ihre Zahl nimmt weiter zu. Seit zehn Jahren steige Teilzeitbeschäftigung in Hessen stetig an, sagte Forell. Bei Frauen in weit größerem Maß (von 30 auf 35 Prozent) als bei Männern (von vier auf sechs Prozent). Rund 2,2 Millionen sozialversicherungspflichtige Jobs zählte Hessens Arbeitsverwaltung im November. Das seien zwar fast so viele wie im Vorjahreszeitraum. Die Bilanz sei aber nur deshalb neutral, da den 17 000 gestrichenen Vollzeitjobs rund 16 600 neu geschaffene Teilzeitjobs gegenüber stünden. Nach Köpfen gerechnet sei der Schwund zwar minimal, gemessen am Arbeitsvolumen aber deutlich.

Die Lage wäre weit düsterer, hätten nicht viele Firmen in der Krise die Kurzarbeit genutzt. Im vergangenen Jahr hätten im Schnitt rund 65 000 Beschäftigte reduziert gearbeitet; etwa ein Drittel dieser Stellen wäre ohne Kurzarbeit wohl gekappt worden, schätzt Forell. "Die Betriebe nutzen verstärkt flexible Arbeitszeiten, um Entlassungen zu vermeiden", lobt der Agentur-Chef. In eigenem Interesse: Viele Facharbeiter seien so gehalten worden.

Autor:  Peter Dietz
Datum:  10 | 2 | 2010
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