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Atomkraft: Brisante Studie zu Biblis

Ist das Atomkraftwerk Biblis genügend geschützt? Die hessische Opposition bezweifelt das und fordert Konsequenzen. Von Petra Mies

Biblis als Terrorziel - darin sind sich SPD und Grüne einig.
Biblis als Terrorziel - darin sind sich SPD und Grüne einig.
Foto: dpa

Wiesbaden. Die Laufzeit der Reaktorblöcke Biblis A und Biblis B zu verlängern, ist für Ursula Hammann "ein Skandal". Die umweltpolitische Sprecherin der hessischen Landtagsfraktion der Grünen und Norbert Schmitt, atompolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, haben gemeinsam gefordert, dass das Atomkraftwerk Biblis nicht wieder ans Netz dürfe.

Die Sprecher werfen der Landesregierung Hessens vor, jahrelang verheimlicht zu haben, wie gefährlich Atomenergie tatsächlich sei. Dabei stützen sie sich unter anderem auf eine von der Regierung selbst "bei einer eigentlich atomfreundlichen Kommission in Auftrag gegebenen Studie", sagte Hammann. Diese Studie der Internationalen Länderkommission Kerntechnik (ILK) aus dem Jahr 2003 werde unter Verschluss gehalten und müsse endlich veröffentlicht werden. Sie bestätige, dass die Reaktoren nicht ausreichend gegen Anschläge mit Flugzeugen und gegen Flugzeugabstürze geschützt seien.

Biblis als Terrorziel - darin sehen sich SPD und Grüne auch aufgrund von Analysen des Bundeskriminalamtes (BKA) bestätigt. In einem BKA-Papier von 2007 heißt es: "Die Wahrscheinlichkeit terroristischer Anschläge auf kerntechnische Einrichtungen (ist) zwar als gering anzusehen, muss aber letztendlich in Betracht gezogen werden."

In der vergangenen Woche sind Hammann zufolge erste brisante Inhalte des von den Ländern Bayern, Baden-Württemberg und Hessen in Auftrag gegebenen ILK-Berichts zum gezielten Absturz von Flugzeugen in der ZDF-Fernsehsendung Frontal 21 an die Öffentlichkeit gelangt. Die Landesregierung müsse die Karten auf den Tisch legen.

In einem internen Vermerk des hessischen Umweltministeriums heiße es, "dass es bei einem gezielten Flugzeugabsturz auf Biblis A oder B zu Zerstörungen an dem betroffenen Reaktorgebäude und damit zu sehr hohen Freisetzungen von Radioaktivität in die Umgebung kommen würde", zitierten die Sprecher der Grünen- und der SPD-Fraktion.

Das Umweltministerium hatte nach ersten Berichten über die Studie angekündigt, am Donnerstag im Landtags-Umweltausschuss Stellung zu nehmen. CDU und FDP warfen der Opposition schon am Montag vor, sie bewerte einen Bericht, den sie noch nicht kenne.

Christian Küppers, Fachmann für Nukleartechnik des Öko-Instituts in Darmstadt, beruft sich auf eine eigene Studie aus dem Jahr 2007. Falls Radioaktivität austrete, seien Menschen in einem Gebiet von bis zu 10 000 Quadratkilometern zu evakuieren und umzusiedeln.

Autor:  PETRA MIES
Datum:  24 | 6 | 2009
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