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Attac-Gründung vor zehn Jahren: Ankläger der Banken

Ein Jahrzehnt ist es her, dass sich im Bürgertreff Bockenheim rund 140 Aktivisten trafen, um sich zu einem globalisierungskritischen Netzwerk zusammenzuschließen. Von Sebastian Amaral Anders

An Nachwuchs mangelt es den Aktivisten nicht.
An Nachwuchs mangelt es den Aktivisten nicht.
Foto: dpa

Sie könnten sich zufrieden zurücklehnen, zum zehnten Geburtstag. Ein Jahrzehnt, nachdem sich im Bürgertreff Bockenheim rund 140 Aktivisten trafen, um sich zu einem globalisierungskritischen Netzwerk zusammenzuschließen, scheint ihre Gründungsforderung Realität zu werden. Als "Netzwerk zur demokratischen Kontrolle der Finanzmärkte", zehn Monate später dann unter dem Namen Attac, forderten die Aktivisten im Jahr 2000 die Einführung einer Finanztransaktionssteuer. Im Jahr 2010 hört man dieselbe Forderung aus dem Mund der Bundeskanzlerin. Job erledigt? Mitnichten.

Nach zehn Jahren haben sich für die Attac-Aktivisten nur die Schwerpunkte verschoben. Die Idee einer Finanztransaktionssteuer wurde zu Anfang des Jahrtausends noch belächelt, heute haben sie alle im Bundestag vertretenen Parteien außer der FDP auf die Agenda gesetzt. "Jetzt geht es darum, dass aus der Rhetorik auch Realität wird", sagt Roland Süß vom Attac-Koordinierungskreis, dem wichtigsten Gremium der Organisation.

Zehn Jahre

Der Name Attac geht zurück auf die französische Vorgängerorganisation "Association pour la Taxation des Transactions financières pour l´Aide aux Citoyens" (Vereinigung für die Besteuerung von Finanztransaktionen zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger).

Mit spektakulären Aktionen wie dem Anbringen eines Banners über der Dax-Tafel in der Börse oder einen Plagiat der "Zeit" sorgte Attac für Aufsehen.

Das Zehnjährige feiert Attac am morgigen Samstag von 14 Uhr an in der Brotfabrik, Bachmannstraße 2-4. Der Eintritt ist frei. ral

Roland Süß war dabei, als sich auf den Tag genau vor zehn Jahren in Bockenheim Vertreter von rund 50 Nichtregierungsorganisationen und etwa 80 Einzelpersonen entschlossen, dem "neoliberalen Mainstream" den Kampf anzusagen. Zwei Jahre nachdem Attac in Frankreich die politische Bühne betreten hatte. Süß spricht heute von einem "Gefühl des Aufbruchs". Nur ein paar Wochen waren "seit Seattle" vergangen. Süß sagt einfach Seattle, ohne weitere Erklärung. Die Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation WTO in Seattle im Herbst 1999, die Globalisierungskritiker mit ihren Protesten zum Scheitern brachten, ist zum Gründungsmythos des deutschen Attac-Ablegers geworden.

Nach Seattle kam Genua, und wenn Seattle die Initialzündung war, dann bedeutete das von heftigen Protesten begleitete G8-Treffen 2001 den Durchbruch für globalisierungskritische Bewegungen, allen voran Attac. "Themen wie die ökonomische Neuordnung der Welt, die zuvor hinter verschlossenen Türen verhandelt wurden, erreichten plötzlich eine breite Öffentlichkeit", blickt Roland Süß zurück. Nicht weniger als die "ökonomische Alphabetisierung" der Bevölkerung schreiben sich die Attac-Aktivisten auf die Fahnen.

In Frankfurt, wo Attac Ende 2002 das Bundesbüro eröffnete, machte sich die öffentliche Aufmerksamkeit schnell an den Mitgliederzahlen bemerkbar. Aus wenigen hundert wurden in zehn Jahren mehr als 22000 Mitstreiter. "Wir hatten immer steigende Mitgliederzahlen", betont Sprecherin Frauke Distelrath. Das vermeintliche Problem einer unpolitischen Jugend überlässt sie gerne den etablierten Parteien. Allein seit Beginn der Finanzkrise haben sich mehr als 2500 Menschen Attac angeschlossen.

Tribunal geplant

"Wir haben jetzt die Aufgabe, darauf zu achten, dass die Ankündigungen zur Entwaffnung der Finanzmärkte auch umgesetzt werden", gibt Roland Süß die Marschrichtung vor. An weiteren Themen, für die Attac in den nächsten Jahren die Öffentlichkeit sensibilisieren will, mangelt es laut Frauke Distelrath nicht. Mit den Themen Kinderarmut, Klimagerechtigkeit und der "Umverteilung von Reich nach Arm" seien bereits "viele Sprengsätze gelegt". Mit der Rückkehr zur großzügigen Auszahlung von Boni habe zudem die "Vorbereitung der nächsten Krise" bereits begonnen. Das nächste große Attac-Projekt ist folgerichtig ein "Bankentribunal", bei dem Attac die Verantwortlichen für die Finanzkrise in der Berliner Volksbühne zur Rechenschaft ziehen will. Die Anklageschriften sind bereits unterwegs.

Autor:  Sebastian Amaral Anders
Datum:  22 | 1 | 2010
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