Es sind drei nette junge Menschen, die sich hier treffen. Arthur K., 30 Jahre alt, selbstständiger IT-Dienstleister aus Karlsruhe. Er hat seine Frau mitgebracht. Yvonne D., 28, Vertriebsleiterin in der Holzbranche, derzeit sichtlich werdende Mutter.
Und Alexandra M., 38, seit zwei Jahren wieder junge Mutter und derzeit "in Erziehungsurlaub". Es könnte gut laufen zwischen den Dreien, aber der Ort, an dem sie sich treffen, ist das Frankfurter Amtsgericht, und der Grund des Treffens liegt sechs Jahre zurück und stand unter keinem allzu guten Stern. Zumindest was Arthur anbelangt.
Am Abend des 15. September 2003 besucht Arthur in der Elbestraße eine Lokalität, die die Staatsanwaltschaft "Laufhaus" nennt, obwohl dort kaum gelaufen wird. Alexandra und Yvonne arbeiten damals noch in einem anderen Milieu, und an dem hat Arthur an jenem Abend starkes Interesse, denn er ist jung, hat Geburtstag und 2500 Euro in der Tasche.
Unter 60 Euro läuft gar nichts
Um es jugendfrei zu sagen: Er möchte gerne mit den Damen laufen. Unter 60 Euro laufe gar nichts, sagen ihm die Damen, aber schnell treiben die Verkaufsverhandlungen den Preis in die Höhe, auf 150 Euro, wofür Arthur dann aber auch, so sagt der Staatsanwalt, eine mitreißende "Lesben-Show" erwartet.
Während "die eine an mir rumfummelt", erinnert sich Arthur, habe die andere "an meiner Hose rumgefummelt" - das Beinkleid hängt zu diesem Zeitpunkt bereits über einem Stuhl, da es beim Laufen hinderlich wäre. Als die Hosenfummlerin Arthurs prall gefüllte Börse entdeckt, treiben diverse Extras, über deren Details der Mantel christlicher Nächstenliebe gebettet werden soll, den Preis in beinahe unanständige Dimensionen. Bei 2500 Euro angekommen wird es Arthur zuviel mit den Extras, und eigentlich hat er auch ein wenig die Lust am Laufen verloren und will sein Geld zurück.
Die beiden Damen drücken daraufhin einen Alarmknopf, worauf zwei sportliche Herren in schwarzem Tuch erscheinen, die Arthur recht einprägsam erläutern, dass der Begriff "Laufhaus" manchmal auch bedeuten könne, dass man besser ganz schnell laufen solle, und zwar weg. Das leuchtet Arthur ein, er gibt Fersengeld, und er findet sich alsbald auf der Elbestraße wieder, um 2500 Euro ärmer. Und gelaufen ist auch nichts. Scheiß-Geburtstag.
Aber das war nicht nur vor sechs Jahren, - so lange brauchten die Ermittler, um Alexandras neue Adresse rauszufinden - das war in einem anderen Leben. Alexandra und Yvonne laufen heute nicht mehr, haben aber die Figur dennoch gehalten und machen einen rundum gutbürgerlichen Eindruck. Arthur hat sich die Hörner abgestoßen. Niemand kam ernsthaft zu Schaden, und irgendwie ist es, als sei das alles nie oder wenigstens ganz anderen passiert.
Yvonne wird freigesprochen, ihr kann eine Tatbeteiligung nicht nachgewiesen werden, und Arthur erinnert sich nicht mehr an sie. Im Gegensatz zu Alexandra, der das alles "insgesamt sehr leid tut", wie ihr Anwalt sagt, und die auch einräumt, dass damals etwas krumm gelaufen sei im Laufhaus in der Elbestraße. Wegen Diebstahls wird sie zu 140 Tagessätzen à zehn Euro verurteil. Damit können alle leben, und insgesamt schließt der Verhandlungstag mit dem frohgemut stimmenden Fazit: Ende gut, alles gut gelaufen.

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