Du stehst im Kreis der schwarzen Sonne, du bist einer von uns. Du stehst im Kreis der schwarzen Sonne, es war dein innigster Wunsch. (...) Trägst du den Ring, der das Symbol des Todes trägt...
So geht der Refrain des Songs "Im Kreis der schwarzen Sonne". Interpretin ist die Band "Hauptkampflinie". Beim Sonnen-Kreisspiel handelt es sich um eine Art Initiationsritus, wie ihn die SS im Dritten Reich im ehemaligen "Obergruppenführersaal" der Wewelsburg in Westfalen vollführt haben soll, dessen Boden mit einem großen Mosaik in Form einer schwarze Sonne versehen war.
"Hauptkampflinie " kommen aus Kassel, ihre teils indizierten Alben tragen Titel wie "Völkermordzentrale" und "Traum vom Reich". Meist treten sie allerdings nicht in Nordhessen, sondern im Osten Deutschlands auf. Ihre Konzerte werden kurzfristig bekannt gegeben, mal auch als Geburtstagsfeier getarnt. Perfekte Logistik ist vonnöten. Wer über den Nationalsozialismus singen will, braucht also fleißige Helfer. Helfer wie Olaf G und Thomas H.
Schlechte Laune
Olaf G. - schütteres Haar, dünner Oberlippenbart, Skorpion-Tattoo am Unterarm - sitzt nicht zum ersten Mal dort, wo er jetzt sitzt: auf der Anklagebank eines Landgerichts. Von seinen 36 Lebensjahren hat er siebeneinhalb im Knast verbracht, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung. Der gebürtige Frankfurter soll ein Rädelsführer der "Sektion Hessen Süd" des in Deutschland verbotenen internationalen Neonazi-Netzwerks "Blood and Honour" sein.
Der Sohn einer brasilianischen Mutter hat, so sieht es die Staatsanwaltschaft, zwischen 2003 und 2007 Kleidungsstücke mit verbotenen Symbolen vertrieben und Konzerte für Bands aus der Neonazi-Szene organisiert haben, darunter "Hauptkampflinie".
"Rädelsführerschaft einer verbotenen Organisation" und "Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung" sind laut Strafgesetzbuch die Vorwürfe an Olaf G. und den 31-jährigen Thomas H. Beide tragen Kapuzenpullis und sind offenkundig schlecht gelaunt. Sehr schlecht gelaunt. Das kann man verstehen. Wenig anders geht es allerdings sichtlich den beiden Verteidigern.
Falscher Ernst
Die Geschichte des Prozessauftakts gegen Olaf G. und Thomas H. ist daher auch eine über zwei Anwälte, die durchaus rührender für ihre Schützlinge in die Bresche springen, als es in der Regel der Fall ist. "Wir fühlen uns vom Presseauflauf gestört", sagt zum Beispiel G.s Strafverteidiger.
Er sagt "wir" und nicht "mein Mandant". Was denn überhaupt das Problem sei, platzt es kurz darauf aus H.s Anwalt heraus. Nur weil "Blood and Honour" verboten sei, dürfe man nicht mehr über Themen singen, die das Netzwerk vertrete? "Wenn jetzt die Evangelische Kirche verboten würde, dürfte man ja wohl auch weiter ,Eine feste Burg ist unser Gott´ singen", sagt er allen Ernstes.
Der erste Verhandlungstag endet vorerst mit der richterlichen Verlesung der Wikipedia-Einträge zu "Blood and Honour", "Endstufe (Band)" und "Hauptkampflinie". Das kann man aus verschiedenen Gründen seltsam finden. Es gelingt Thomas H.s Verteidiger allerdings nicht, die Lesung aus dem Internet-Lexikon ausgerechnet mit dem Hinweis zu verhindern, die Artikel seien lediglich mit den zweifelhaften Quellen "antifaschistischer Publikationen" versehen.

Die Stadt und Region auf einen Blick: unsere neue Übersichtsseite für Frankfurt und Rhein-Main - das Pflicht-Lesezeichen für alle Hessen.
Berichte aus Bad Homburg, Hochtaunus | Bad Vilbel, Wetterau | Darmstadt | Frankfurt | Kreis Groß Gerau | Hanau, Main-Kinzig | Main-Taunus | Mainz | Offenbach | Kreis Offenbach | Wiesbaden.
Facebook | Twitter überregional | Google+
Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.