Wenn man sich die aktuellen Bauwerke der Mineralölindustrie anschaut, ist es kein Wunder, dass Tankstellen "bis heute kaum Beachtung in der Architekturgeschichte gefunden" haben, wie es in der Ausstellung "Agip - die Tankstelle des Wirtschaftswunders" im Deutschen Architekturmuseum heißt. In den fünfziger Jahren war das anders. Der Architekt Mario Bacciocchi entwarf für Agip eine Standard-Tankstelle, die mit ihrem vorspringenden Dach und ihrer kühnen Linienführung Maßstäbe setzte. Wie es in der Fünfziger-Jahre-Architektur häufig anzutreffen war, kündete der schlanke Baukörper von Fortschritt, Aufbruch und Optimismus. Da das Produkt Benzin war, kann man dieser Liste den Begriff Mobilität hinzufügen. Die Agip-Tankstelle prägte sich ins kollektive Gedächtnis ein und brachte auch andere Mineralölkonzerne dazu, ihre Verkaufsstellen neu zu designen. Häufig verwendeten auch sie dynamisch geschwungene Dächer.
Die Schau macht mit vielen Fotos deutlich, wie ein Nutzbau zum Benzinverkauf zum architektonischen Signal des Aufbruchs in die Nachkriegsmoderne wurde. (vo)
Agip - die Tankstelle des Wirtschaftswunders, Deutsches Architekturmuseum, Frankfurt, Schaumainkai 43, bis 14.3.

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