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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

02. September 2009

Austausch-Programm: Deutsche Hilfe für Blinde in Südafrika

 Von Vivienne Matz
Kooperationspartner: Dieter Bretz, Leiter der Johann-Peter-Schäfer-Schule in Friedberg.  Foto: Boeckheler/FR

Zwischen Hessen und einer Sehbehindertenschule in Kliprivier ist ein ungewöhnliches Projekt entstanden. Von Vivienne Matz

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Kooperation für Sehbehinderte

In Hessen gibt es insgesamt neun Blinden- und Sehbehindertenschulen: Integrative Schule und Hermann-Herzog-Schule (beide Frankfurt), Helen-Keller-Schule (Wiesbaden), Johann-Peter-Schäfer-Schule (Friedberg), Wilhelm-Lückert-Schule (Kassel), Hermann-Schafft-Schule (Homberg/ Efze), Karl-Preising-Schule (Bad Arolsen), Carl-Strehl-Schule/ Deutsche Blindenstudienanstalt und Carl-Strehl-Schule/ Schule für Blinde (beide Marburg).

Ein Austausch-Projekt dieser Art zwischen einer Blindenschule in Deutschland und Südafrika ist in Hessen bislang einzigartig.Die Sibonile School in Südafrika unterrichtet über 160 blinde und sehbehinderte Kinder, wovon mehr als 30 schwerst-mehrfachbehindert sind.

Die Initiative Löwenmut der Interessengemeinschaft für Behinderte, deren Leiter Wolfgang Groh ist, betreut ebenfalls die südafrikanische Blinden-Schule.

Inmitten eines Townships, in der Nähe von Johannesburg, steht die Sibonile School, eine Schule für Blinde, direkt neben einem Heim für Schwerbehinderte. Hier in Kliprivier in der südafrikanischen Provinz Gauteng regiert, wie in vielen Teilen Südafrikas die Armut. Den Lehrerinnen der Sibonile School fehlt die umfassende Ausbildung, um die blinden und sehbehinderten Kinder ausreichend sozial- und heilpädagogisch zu betreuen. Außerdem fehlen den Schülern Hilfsmittel, die ihnen das Lesen erleichtern können, zum Beispiel Vergrößerungslupen oder Bildschirmlesegeräte.

Und genau mit diesen Erkenntnissen im Gepäck reiste Wolfgang Groh, Geschäftsführer der Wiesbadener Interessengemeinschaft für Behinderte, nach Deutschland zurück und wandte sich direkt an das Hessische Kultusministerium. Dort nannte man ihm als ersten Ansprechpartner Dieter Bretz, Schulleiter der Johann-Peter-Schäfer-Schule in Friedberg, als Groh nach einer fachkompetenten Hilfe für die südafrikanische Blindenschule suchte. Das war der Anfang eines in Hessen bislang in dieser Form einzigartigen Austausch-Hilfsprojektes zwischen einer Blindenschule in Südafrika und Deutschland.

Spontan mitgeflogen

Völlig überrumpelt von Grohs plötzlichem Anruf und der Nachfrage, ob er sich denn eine Partnerschaft mit einer südafrikanischen Blindenschule vorstellen könnte, lud Bretz den Wiesbadener Geschäftsführer zu einem ausführlichen Gespräch in seine Schule für Blinde und Sehbehinderte nach Friedberg ein. "Ich wollte erst einmal Hintergründe hören", erinnert sich der Schulleiter. "Ich war ja vollkommen perplex", fügt er hinzu. Groh erzählte ihm, was er in Südafrika gesehen hatte. "Er sagte, die Umstände dort wären menschenunwürdig und fast noch mittelalterlich. Sie bräuchten unbedingt Hilfe", berichtet Bretz.

Während Groh direkt Nägel mit Köpfen machen wollte, war Bretz noch unsicher. Er kannte Land und Leute nicht, wusste nichts von den Gegebenheiten in Kliprivier. Groh schlug direkte Abhilfe vor: "Komm mit, ich fliege nächste Woche runter."

Er reichte einen Antrag beim Hessischen Kultusministerium ein, und der Friedberger Schulleiter konnte den Wiesbadener Geschäftsführer im vergangenen Frühjahr auf seiner einwöchigen Reise in das Township in Südafrika begleiten.

Jeden Tag verbrachte Bretz in der Blindenschule, lernte alle Klassen und Lehrer kennen: "Ich habe gesehen, wo es fehlt." Dabei waren die Gegebenheiten und Methoden so fern von deutschen Standards, dass Bretz das Hilfsprojekt sofort in Angriff nahm.

Die Suche nach Sponsoren gestaltete sich jedoch als schwierig. Viele Geldinstitute zogen es vor, die ansässigen Vereine zu unterstützen und nicht das Projekt von Groh und Bretz. Doch ein großer Stuttgarter Autobauer und der Förderverein der Johann-Peter-Schäfer-Schule finanzierten der Schulleiterin und zwei Lehrerinnen der südafrikanischen Schule die Flüge nach Deutschland.

Zehn Tage lang begleiteten sie dort die Arbeit von Bretz und seinem Kollegium. "Sie waren begeistert, fragten uns Löcher in den Bauch und sogen alles auf", berichtet Bretz. Die Lehrerinnen machten Fotos und bekamen ins Englische übersetzte Konzepte mit, um nachlesen zu können.

Der Plan sieht vor, dass jedes Jahr im Frühjahr Lehrerinnen aus der südafrikanischen Schule kommen und im Herbst Lehrer aus Deutschland nach Südafrika fliegen. Nach drei Jahren soll dann das Angebot des Entwicklungsministeriums angenommen werden, Gerätschaften für die südafrikanische Schule zu besorgen, da diese unter den momentanen Umständen noch nicht sinnvoll eingesetzt werden können.

Und auch die Klassen sollen sich untereinander austauschen können: Via E-Mail können die deutschen und südafrikanischen Schüler Kontakt halten.

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