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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

06. Februar 2013

Azubi-Streit: Wiesbadener darf nicht in Mainz lernen

 Von Peter Hanack

Hessens Schulverwaltung lässt einen Auszubildenden nicht über den Rhein ziehen: Der Wiesbadener hat eine Ausbildungsstelle in Mainz, da er aber in Hessen wohnt, er auch eine hessische Berufsschule besuchen. Das wollen aber weder er noch sein Arbeitgeber.

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Eros Serravalle will Anlagenmechaniker werden. Der junge Mann aus Mainz-Kostheim hat auch eine Lehrstelle gefunden, bei Infraserv in Wiesbaden. Man hat ihn dort gerne genommen, denn Serravalle ist fleißig, interessiert und zuverlässig. Zudem ist Anlagenmechaniker bei Jugendlichen nicht gerade ein Renner unter den Ausbildungsberufen, Nachwuchs wird also gesucht.

Doch nun könnte Serravalle seinen Ausbildungsplatz verlieren. Denn der 18-Jährige ist in die Mühlen der Schulverwaltung geraten. Und das ist für den Berufsschüler eine alles andere als angenehme Situation. Serravalle soll in Offenbach zur Berufsschule gehen, das aber wollen weder er noch sein Arbeitgeber. Das Staatliche Schulamt für Offenbach allerdings besteht darauf, und deshalb trafen sich die Parteien nun vor Gericht.

Mainz-Kostheim, wo Serravalle mit seinen Eltern wohnt, ist ein Stadtteil von Wiesbaden. Wiesbaden gehört zu Hessen. Deshalb muss Serravalle eine hessische Berufsschule besuchen – so will es das hessische Schulgesetz. Die für angehende Anlagenmechaniker zuständige Berufsschule ist die Gewerblich-Technische Schule (GTS) in Offenbach. Das ist weit entfernt – das ist das erste Problem für Serravalle.

Das andere Problem ist: Serravalles einziger Mit-Azubi, der in Ingelheim wohnt, besucht die Berufsschule im rheinland-pfälzischen Mainz. Dort aber gelten andere Berufsschultage als in Offenbach. Deshalb sind Serravalle und sein Mit-Azubi fast nie gemeinsam im Infraserv-Betrieb. „Und das geht nicht“, sagt Ausbildungsleiter Walter Schmidt. „Ich kann nicht alles doppelt erklären, weil immer nur einer der beiden da ist.“ Das leuchtet auch Richter Jürgen Gasper ein, der den Anhörungstermin vor dem Verwaltungsgericht in Darmstadt leitet.

Warum aber schaltet das Staatliche Schulamt auf stur, zumal der Mit-Azubi von dort eine Genehmigung zum Besuch der Mainzer Berufsschule erhalten hat? Antwort darauf gibt Regierungsdirektor Bernhard Mott, der die hessische Schulverwaltung vor Gericht vertritt. Kurz gesagt: Es geht um Geld und Lehrerstellen.

Es geht um Lehrerstellen

Die Anlagenmechaniker-Klasse an der GTS hat – Serravalle mitgezählt – 15 Schüler. 15 ist die Mindestzahl, damit die Schule die volle Stellenzuweisung erhält. Ginge Serravalle nach Mainz, bekäme die GTS weniger Lehrer. Außerdem müsste die Stadt Offenbach als Schulträger einen sogenannten Gastschulbeitrag an Mainz zahlen – 250 Euro im Jahr.

Richter Gasper lässt erkennen, dass er zwar die Sorgen und Nöte der Offenbacher Berufsschule und der Stadtverwaltung verstehen kann – dass er aber das Interesse an einer guten Ausbildung Serravalles und dessen Mit-Azubi für ungleich wichtiger hält. Er würde, daran lässt er kaum Zweifel, zugunsten Serravalles entscheiden. Dass Regierungsdirektor Mott anmerkt, man könne ja die Ausnahmegenehmigung für den Mit-Azubi widerrufen, dann könnten beide nach Offenbach zur Berufsschule gehen, findet der Richter wenig amüsant. „Unter einem solchen erzwungenen Schulwechsel während der Ausbildung“, sagt er, „würde die Qualität leiden.“ Das würde er ganz bestimmt nicht zulassen.

Eine Woche hat Regierungsdirektor Mott sich ausgebeten, die Angelegenheit noch einmal zu prüfen. Eros Serravalle hofft nun, dass er in Ruhe weiter Anlagenmechaniker lernen darf. Und Ausbilder Walter Schmidt hofft, dass er seinen Azubi behalten kann.

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