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06. Januar 2016

Bad Arolsen: Suchdienst stellt KZ-Gegenstände online

Die ersten 50 000 Gegenstände sind nun online abrufbar.  Foto: dpa

Millionen Dokumente und Gegenstände aus den Konzentrationslagern der Nazis lagern beim Internationalen Suchdienst in Bad Arolsen. Die ersten 50 000 davon sind nun digital abrufbar, um die Suche für Angehörige und Überlebende zu erleichtern.

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Das Leid der Nazi-Opfer in Konzentrationslagern ist bis heute unvorstellbar. Stumme Zeugen davon sind die Akten, die über die Gefangenen angefertigt wurden, und die Habseligkeiten, die ihnen abgenommen wurden. Über das Internet sind beim Internationalen Suchdienst (ITS) im nordhessischen Bad Arolsen die ersten dieser Gegenstände und Akten nun recherchierbar. Das soll vor allem Angehörigen die Suche erleichtern.

Gesucht werden kann sowohl nach Namen oder Geburtsdatum, als auch nach Häftlingsnummern oder bestimmten Konzentrationslagern. «Wir betreiben einen hohen technischen Aufwand», sagt ITS-Archivleiter Christian Groh.

Eine Kette oder Ohrringe - die Gegenstände repräsentieren das Schicksal von Millionen. Ziel ist die Rückgabe dieser sogenannten Effekten an die Angehörigen. «Wir hatten die leise Hoffnung, dass sich auch heute noch Familien melden. Das ist gelungen. Wir konnten vier Effekten zurückgeben und ein weiterer Termin ist bereits vereinbart. Bei sechs weiteren läuft die Bearbeitung», sagt er. Jede Datei kann kommentiert werden. Bisher gab es keine antisemitischen Kommentare - auch darüber freut sich Groh.

Seit der Onlinestellung Anfang Oktober haben sich bereits mehr als 36 000 Menschen das Archiv angeschaut. Vor allem aus Deutschland, aber auch aus den Niederlanden wurde die Seite des ITS abgerufen. Weitere Abrufe gab es aus Israel, den USA und Polen. «Ein Archivbesuch kann durch das Portal natürlich nicht ersetzt werden», sagt Groh.

Christian Groh ist Archivleiter beim Internationalen Suchdienst (ITS).  Foto: dpa

Drei Bestände mit insgesamt 50 000 Bildern hat der ITS online gestellt. Damit wird das Archiv auch für historisch interessierte Menschen und Wissenschaftler leichter zugänglich. «In zwei Jahren sollen drei weitere Bestände hinzukommen», sagt Groh. Jedes einzelne Dokument wurde mit Vorder- und Rückseite digitalisiert - auch wenn manchmal gar nichts daraufstand. «So ist sichergestellt, dass wir nichts vergessen haben», sagt Groh.

«Wir müssen die Erinnerung wachhalten, denn das Archiv ist der Zeuge, wozu es führen kann, wenn wir nicht intervenieren», sagt Floriane Hohenberg, die von 2016 an den ITS leitet. Das Online-Archiv soll weiter ausgebaut werden, gleichwohl bleiben die ursprünglichen Dokumente die Basis des ITS: «Die Erfahrung, dass diese Menschen real waren, ist sehr wichtig», sagt Hohenberg.

Der Internationale Suchdienst ist eine der wichtigsten Aufklärungsstellen für die Familien von Nazi-Opfern. Auch wenn es mittlerweile kaum noch Überlebende gibt, werden pro Monat immer noch bis zu 1000 Anfragen von Angehörigen und Überlebenden gestellt.

Beim ITS lagern rund 30 Millionen Dokumente aus Konzentrationslagern, Ghettos und Gestapo-Gefängnissen sowie Unterlagen über die Zwangsarbeit und die Migration infolge des Zweiten Weltkrieges, darunter Informationen über Anne Frank, Willy Brandt oder eine Kopie von «Schindlers Liste».

1998 wurde mit der Digitalisierung begonnen, um die Dokumente besser zu schützen. Seit 2007 haben Historiker Zugang. Die Originaldokumente und die Zentrale Namenkartei des ITS gehören zum Unesco-Weltdokumentenerbe. (dpa)

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