Es ist ein kurzes Gespräch. Nach wenigen Sekunden entspannen sich die Gesichtszüge von Wolfgang Schierbrand, er lächelt. ICE 872 nach Wolfsburg fährt pünktlich um 9.13 Uhr, teilt ihm der Service-Mitarbeiter der Bahn am Hauptbahnhof mit. Schierbrand, 67, Rentner, wird seinen neuen Golf im VW-Werk abholen können. Trotz der Warnstreiks bei der Bahngewerkschaften Transnet und GDBA.
Die Stimmung am Frankfurter Hauptbahnhof ist an diesem Donnerstag kaum hektischer als an jedem anderen Morgen, an dem die Regionalzüge und ICEs die Pendler an den Gleisen abliefern. Gelassenheit und Verständnis für den Streik allenthalben - wohl auch deshalb, weil die Rhein-Main-Region zumindest am Donnerstag nicht zur Streikzone gehörte. "Problemlos" sei der Betrieb in Frankfurt gewesen, bestätigt ein Bahn-Sprecher.
Tatsächlich fahren die meisten Züge pünktlich ein und verlassen Frankfurt ohne Verspätungen. An Gleis 7 werden um kurz vor neun Uhr aus fünf Minuten dann doch 10 Minuten Verspätung für den ICE aus Dortmund. Der muss aber auch noch weiter nach Nürnberg und München. In beiden Städten wird gestreikt. "Zehn Minuten Verspätung? Das ist doch super", meint Christoph Wegner dazu. Mit einem Kollegen wartet er an Gleis 7, ist bester Laune. "Selbst wenn wir eine halbe Stunde Verspätung haben, sind wir noch schneller als mit dem Auto", springt ihm sein Kollege zur Seite.
Stolz sagen die DB-Mitarbeiter "pünktliche" Abfahrt
Lange warten muss an diesem Morgen auch am Info-Schalter der Bahn niemand. Und der bärtige Service-Mitarbeiter, der mit einer Liste der aktuellen Abfahrtszeiten zwischen den Gleisen hin und her läuft ist, kann die wenigen besorgten Fragen der Reisenden, ob ihr Zug denn auch fahre, meist mit einem stolzen "Pünktlich!" beantworten.
Um kurz nach neun, als die meisten Pendler längst an ihren Arbeitsplätzen sitzen, hat er sogar so wenig zu tun, dass er eine Dame persönlich bis ans Gleis bringt. Um Verständnis für den Streik muss er am Donnerstag nicht werben.
Auch Wolfgang Schierbrand zeigt Verständnis, aber nur, wenn alles in einer "ordentlichen Reihenfolge" abläuft. Will heißen: Lohnforderung, Lohnangebot, gescheiterte Verhandlungen, Streik. Die Rückfahrt aus Wolfsburg tritt er in seinem neuen Golf an, der Bahnstreik kann ihm dann egal sein. "Aber dann ist wahrscheinlich die Straße verstopft."

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