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Baumeister im Äther

Zwei Studenten der TU Darmstadt machen Radio über Architektur

Ganz locker wirkt er und entspannt. Als würde er bei einem Kaffee mit Freunden plaudern. Max Bächer, der große Architektur-Theoretiker, erzählt von seinem Jugendtraum. Musik wollte er studieren, 15 Jahre lang spielte er Violine. Doch der Krieg zerstörte vieles, auch Bächers Berufswunsch. "Mit einem zerschossenen linken Arm kann man nicht Musik machen." Aber gezeichnet habe er immer gerne, und das ging ja mit der rechten Hand. Arsalan Damghani und Kiumars Kazerani sind noch immer begeistert: Die iranischen Studenten haben das Interview mit dem unterdessen über 80-jährigen Bächer geführt. "Dreimal waren wir bei ihm zuhause. Er war total nett."

Damghani und Kazerani studieren Architektur an der TU Darmstadt. Ihre Leidenschaft für das Bauen geht weit über das Studium hinaus. Seit zwei Jahren moderieren sie ehrenamtlich eine Sendung beim örtlichen "Radio Radar". "Stimme der Architektur" haben sie ihre Sendung genannt. Einmal im Monat interviewen sie mehrere Stunden lang Architekten, porträtieren Städteplaner, stellen Projekte im In- und Ausland vor und berichten von Tagungen oder Ausstellungen. Zum derzeit laufenden Neubau der Landes- und Unibibliothek der TUD etwa haben sie die Leiter der Uni-Bauabteilung und der Bibliothek als Gesprächspartner an einen Runden Tisch geholt.

Stundenlang können er und sein Freund Arsalan über Bauen, Architekturgeschichte und ihre Protagonisten sprechen. Beide haben eine Mission und die heißt Architekturvermittlung. "Unsere Sendung ist nicht nur für Studenten", betont Kazerani. "Jeder soll Zugang haben. Architektur beeinflusst schließlich die ganze Gesellschaft." Zeitgleich landen die Beiträge daher auch auf ihrer gleichnamigen Homepage. Die Studenten haben Ehrgeiz. Sie holen international bekannte, prominente Architekten als Interviewpartner ins Studio. Am 17. Mai sprechen sie mit Albert Speer, auch der Erbauer des Münchener Olympiastadions, Frei Otto, hat für ein Gespräch zugesagt.

Aktuellen Themen nähern sie sich aus ungewöhnlichen Blickwinkeln. Während es bei Berichten über Afghanistan meist um Taliban und Krieg geht, beleuchten Damghani und Kazerani die Baugeschichte des Landes. Dafür haben sie eine Reihe "Architektur in Entwicklungsländern" kreiert und führen auch schon mal Telefoninterviews mit Architekten vor Ort. Von Hintergrund-Recherche, persönlicher Neugierde und spontanen Ideen lassen sie sich leiten. "Da öffnet sich stets ein neues Feld", erzählt Damghani, der vor zehn Jahren aus Teheran zum Studium nach Darmstadt kam.

Sie wünschen sich eine weitere Verbreitung für ihre "Stimme der Architektur". Das Internet ist da ideal. "Wir können viel mit wenig Geld erreichen", sagt Kazerani. Um ein breiteres Publikum zu erreichen, haben sie begonnen ihre Interviews auch auf Englisch zu führen, sind verlinkt mit Facebook und Youtube, "Letztens haben wir sogar eine Mail aus England bekommen." Damghani hat Kontakte zu einer iranischen Architekturzeitschrift geknüpft, die Teile des Bächer-Interviews nachdruckt.

Für Damghani und Kazerani steht fest: Bei ihren Sendungen lernen sie fast mehr als in so mancher Vorlesung. "Wir können stundenlang einen Professor nach Herzenslust ausfragen." Und dann auch noch so prominente wie eben Speer und Otto.

Ideen für weitere Projekte haben sie viele - nur fehlen bisher Sponsoren. Eine audiovisuelle Ausstellung über die Architekten der ersten Nachkriegsgeneration schwebt ihnen vor. "Und unser absoluter Traum wäre ein Buch." Ein Buch mit Interviews berühmter Architekten. Kazerani weiß auch schon den Titel: "Fragen zur Architektur und Baukultur".

Autor:  Astrid Ludwig
Datum:  14 | 5 | 2010
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