Die Geschichte heißt: Kali+Salz, die Werra und wohin mit den Salzabwässern. Aktuell klagt die nordhessische Gemeinde Gerstungen gegen das Land Hessen. Mit dem Gang vors Verwaltungsgericht Kassel soll verhindert werden, dass im Gebiet der Kommune weitere Produktionsabwässer durch K+S in den Untergrund verpresst werden. Einen Monat davor hatte nach knapp zwei Jahren intensiver Diskussion, 16 Sitzungen und 22 Experten-Gutachten der Runde Tisch "Werra/Weser und die Kaliproduktion" eine abschließende Erklärung vorgelegt.
Die Empfehlungen des Expertengremiums: Halbierung der anfallenden Salzabwassermengen durch Vermeidung und Verwertung vor Ort, Bau einer Fernleitung an die Nordsee, kontinuierliche Beobachtung der Entwicklung. Alles in Hinblick darauf, ab dem Jahre 2020 eine nachhaltige Verbesserung der Wasserqualität des Flusses zu erreichen.
Ökologischer Nutzen fraglich
Rainer Gerling ist ein besonnener Mann. Dabei sorgt das Thema, das der promovierte Bergbau-Ingenieur und Leiter des Kaliwerkes Werra im osthessischen Philippsthal derzeit in vorderster Linie zu behandeln hat, für mächtig viel Unruhe. Im K+S-Konzern ebenso wie im Kali-Revier in der Werra-Region zwischen Hessen und Thüringen.
Es geht neben Umwelt- und Arbeitsplatzängsten um Rohrleitungen, eine, die K+S gerne bauen möchte, vom osthessischen Neuhof nach Philippsthal, und eine andere, die Naturschützern und anderen Experten vorschwebt - von Philippsthal bis zur Nordsee. Bei dieser wiederum möchte K+S nicht mitmachen, weil sie teuer ist und ihr ökologischer Nutzen noch gar nicht bewiesen sei, wie man im Konzern meint.
Was die geplante Salzabwasserleitung aus Neuhof betreffe, sei deren Installation eine Notwendigkeit, so K+S. "Wir entsorgen derzeit das Haldenwasser mit Tankwagen", sagt Gerling. Das sei eine Zwischenlösung, "ökonomisch und ökologisch" nicht auf Dauer vertretbar. An die 80 Fahrten fielen täglich an, dazu kämen Lärm und Abgase.
Klagen über dadurch entstehende Umweltschäden gibt es seit Jahren, aber an der Kaliförderung hängen in Osthessen, Nordhessen und Westthüringen auch rund 5700 Arbeitsplätze. Die vom runden Tisch geforderte Nordseeleitung soll ein Kompromiss sein. Für die Realisierung des Projektes müssen sich die betroffenen Bundesländer Hessen, Niedersachsen, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen allerdings erst einigen. Und Kali+Salz muss auch mitmachen.
Zentraler Streitpunkt ist die Versalzung der Werra durch Einleitung der K+S-Abwässer, aber auch durch die Auswirkungen der sogenannten Versenkung. Das ist ein Verfahren, bei dem Salzabwasser in eine im ganzen Abbaugebiet vorhandene Gesteinsschicht, den Plattendolomit, versenkt wird. Dieser Plattendolomit wirkt wie ein Schwamm, kann Salze aufnehmen, zum Teil binden und weniger belastetes Wasser an die Oberfläche abgeben. Ein Teil gelangt natürlich auf diese Weise auch in die Werra.
Naturschützer und Anrainergemeinden bezweifeln allerdings, dass es K+S wirklich ernst ist mit einer nachhaltigen Verbesserung dieser Situation. Die Untersuchungen des Untergrundes, die K+S derzeit im Werratal durchführe, würden von K+S als "Monitoring" verharmlost, wird die Fuldaer Grünen-Landtagsabgeordnete Margareta Hölldobler-Heumüller in einer Pressemitteilung zitiert.
K+S-Mann Gerling sieht das anders: "1992 gab es zwischen den betroffenen Bundesländern und der Bundesrepublik Deutschland ein Abkommen über Maßnahmen zur Reduzierung der Werraversalzung". Darin sei, so Gerling, das Ziel erklärt worden, am Pegel Gerstungen in der Werra einen Grenzwert von 2500 Milligramm Chlorid pro Liter zu erreichen. Und das sei nach der Umsetzung vieler Schritte im Jahr 2000 erreicht worden. "Und ist noch heute so". Das Salzlaststeuerungsprogramm habe durchaus Erfolge gezeitigt.

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