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Belastungsstudie im Rhein-Main-Gebiet: Dicke Luft

Das Hessische Landesamt legt die seit Monaten von Bürgerinitiativen geforderte Belastungsstudie für das Rhein-Main-Gebiet vor. Mit der geringsten Feinstaub-Belastung könnte Hanau wegkommen. Von Pitt von Bebenburg

Hier im Industriepark Höchst soll eins der neuen Großvorhaben verwirklicht werden.
Hier im Industriepark Höchst soll eins der neuen Großvorhaben verwirklicht werden.
Foto: Oeser

Die Luft im Rhein-Main-Gebiet würde durch den Bau neuer industrieller Großvorhaben stärker mit gesundheitsschädlichen Substanzen wie Stickstoffdioxid oder Feinstaub belastet. Frankfurt würde davon am stärksten getroffen. Hanau hingegen könnte mit geringerer Feinstaub-Belastung rechnen, wenn alte Staudinger-Blöcke durch den neuen Block 6 ersetzt würden. Das geht aus der 105-seitigen Belastungsstudie für Frankfurt hervor, die das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie im Auftrag des Umweltministeriums erarbeitet hat.

Seit Monaten war die Studie von Bürgerinitiativen, aber auch von SPD, Grünen und Linken, im Landtag gefordert worden. Am Dienstag hakte die SPD-Abgeordnete Judith Pauly-Bender erneut nach und erhielt überraschend die Antwort von Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU), dass die Studie fertig und im Internet nachzulesen sei. Lautenschläger sagte aber nichts zu den Ergebnissen. Manche Abgeordnete, die das Gutachten anschließend suchten, fanden es nicht, da es ziemlich versteckt auf der Homepage steht (siehe Kasten).

Die Studie

"Ausbreitungsrechnungen für den Ballungsraum Rhein-Main als Beitrag zur Ursachenanalyse für den Luftreinhalteplan Rhein-Main" (PDF-Dokument).

In der Studie nennt das Landesamt Daten für 30 Straßen in Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Wiesbaden, Hanau, Neu-Isenburg und Mörfelden-Walldorf. Untersucht wird, wie sich die Verwirklichung von vier Großprojekten im Rhein-Main-Gebiet auf die Belastung auswirken würde. Dabei werden jedoch keine Folgen einzelner Projekte benannt. Zudem werden viele Schadstoffe, etwa Quecksilber, nicht erfasst.

Selbst auf die Angabe der berücksichtigten Großprojekte verzichtet die Studie. Dem Vernehmen nach handelt es sich um die Kraftwerke Staudinger (Großkrotzenburg), Ingelheimer Aue (Mainz/Wiesbaden) sowie im Industriepark Höchst und um den Ausbau des Frankfurter Flughafens. Die Belastung würde nach Angaben des Landesamtes durch die Projekte an den meisten Orten zunehmen, aber nicht sehr deutlich.

Am deutlichsten wäre der Frankfurter Westen betroffen. An der Königsteiner Straße und der Sindlinger Bahnstraße würde die Stickstoffdioxid-Belastung um 1,4 Prozent steigen. Außerdem gebe es gut 0,6 Prozent mehr Feinstaub in der Luft. An nächster Stelle wäre Wiesbaden betroffen, mit bis zu 0,8 Prozent mehr Stickstoffdioxid und bis zu 0,6 Prozent mehr Feinstaub.

Die Feinstaub-Belastung gehe an einem Ort sogar zurück, heißt es weiter - nämlich in Hanau. Das hänge damit zusammen, dass bodennahe Feinstaub-Quellen abgeschaltet würden, heißt es in dem Bericht. Gemeint sind offenbar die bisherigen Staudinger-Blöcke 1 bis 3, die durch den riesigen Block 6 ersetzt werden sollen.

Deutlich wird aus der Studie, dass der Verkehr fast die Hälfte der Belastungen mit den beiden untersuchten Stoffen ausmacht. Industrie-Emissionen haben je nach Standort sehr unterschiedliche Anteile. Im Rhein-Main-Durchschnitt machen sie 29 Prozent der Stickstoffdioxide und 12 Prozent der Feinstäube aus. Im Bereich Hanau/Großkrotzenburg allerdings, dem Standort von Staudinger, seien 58 Prozent der Feinstäube auf die Industrie zurückzuführen.

Autor:  Pitt von Bebenburg
Datum:  3 | 3 | 2010
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