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Ben-Gurion-Ring: Die übliche Randale

Alte Bekannte. Abdul K. und die Frankfurter Justiz. Keine guten Freunde, aber alte Bekannte. Abdul K. ist einer aus der Jugendgang vom Ben-Gurion-Ring, die eine gewisse traurige Berühmtheit erlangt hat. Abdul K. ist 22 Jahre alt, er sitzt derzeit wegen gemeinsamer gefährlicher Körperverletzung im Knast. Er steht am Beginn einer klassischen kriminellen Karriere. Jede Menge Vorstrafen, die zur Bewährung ausgesetzt wurden. Bis es nicht mehr ging.

Heute steht Abdul K. wegen eines für seine Verhältnisse eher geringen Delikts vor Gericht. Er hat an der U-Bahn-Station Bonames- Mitte Steine auf eine U-Bahn geschmissen. Türen und Scheiben gingen kaputt, Menschen wurden diesmal nicht verletzt. Anschließend demolierte er, wie üblich im Vollrausch, noch den Bonameser Polizeiposten, eine Sparkassenfiliale und eine Döner-Bude. Der Schaden beträgt etliche tausend Euro. Nach der Tat rief Abdul K. die Polizei. Mit seinem Handy. "Ich habe alles kaputtgemacht", sagte er, die "Schwulis", die "Hurensöhne" von der Polizei sollten ihn bitte an der Bahnstation abholen. Dort empfing er sie promilleselig und mit den Worten "ihr könnt mir sowieso nichts". Diesmal irrte er.

Abdul K. ist kein Idiot. Er stand schon einmal kurz vor Erlangung des Fachabiturs. Seine Anwältin vertritt ihn schon seit Jahren. "Er war mal ein ganz kleiner Auswurf der sogenannten U-Bahn-Schläger", sagt sie. Doch mit der medialen Präsenz wuchs offenbar auch das Ansehen im Kiez, und Abdul K., nicht blöd, wurde schnell "einer der führenden Köpfe" der Gang.

Vor der Justiz zerfällt diese Gang in zwei verschiedene Typen: Solche, die aus ihrer Verachtung gegenüber dem Staat und seinen Organen keinen Hehl machen. Und jene, die diese Verachtung immerhin kaschieren. Abdul K. gehört zu letzteren. Er erzählt, dass er sein Leben jetzt im Griff habe, es ändern wolle, Abitur nachmachen, BWL studieren, das zumindest habe er "in meinem Kopf gedacht".

Die als Zeugen geladenen Polizisten sehen ihren alten Bekannten vor dem Amtsgericht erstmals nüchtern. Das immerhin ist mal was Neues. Eher zum Alltag gehören nächtens demolierte Türen des Bonameser Polizeipostens. Die auch gerne mal mit Fäkalien beschmiert werden. Der Kiez spricht eine deutliche Sprache.

Und die Tatnacht, irgendwann im September 2009? "Eigentlich nichts Besonderes, wir haben uns getroffen und dann angefangen zu trinken, die übliche Randale halt."

Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr kassiert Abdul K. elf Monate. Ohne Bewährung. Gericht und Staatsanwaltschaft verlieren langsam die Lust am Letzte-Chancen-Geben. Abdul K. findet das Urteil zu hoch, er verliert langsam die Lust an der Frankfurter Justiz. Seine Anwältin wird vermutlich in die Berufung gehen.

Eigentlich nichts Besonderes, die übliche Randale halt.

Autor:  Stefan Behr
Datum:  12 | 7 | 2010
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