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Berauschend

Die Nähe von Kiffer-Freunden namens Grüne Hilfe zu den Linken ärgert die Grünen-Partei

Die Grünen sind eine Marke, würden die Werbefritzen sagen. Seit drei Jahrzehnten eingeführt, für Jedermann unverwechselbar. Begriffe wie Bündnis 90/Die Grünen, Grüne Jugend, Grüner Aufbruch oder die Frankfurter Wortschöpfungen Grüner Tisch oder Grüner Salon werden ohne Weiteres der Partei zugeordnet. Bei der Grünen Hilfe dürfte das nicht viel anders sein. Das aber ist ein Irrtum, und deshalb ist man bei den Grünen gar nicht glücklich über die Grünen Helfer.

Globaler Marihuana-Marsch

Grüne und Drogen

Der Grüne Hilfe Netzwerk e.V. ist laut Eigenwerbung ein Organ bundesweiter Pro-Hanf-Gruppen, welches 1994 auf Initiative der Cannabis- Bundeskonferenz entstanden ist. Der Verein versteht sich als Kontakt- und Informationsbörse und gibt Tipps zu den Themen Cannabis und Recht, Cannabis als Medizin und Gefangenenbetreuung. Die Grünen befürworten die Legalisierung weicher Drogen, betonen aber ebenso die Bedeutung der Drogenprävention. Im Landtags- wahlprogramm 2008 heißt es: "Wir setzen uns für die konsequente Umsetzung des geltenden Jugendschutzes ein. Bei der Auslegung der so genannten geringen Menge orientieren wir uns an anderen Bundesländern und nicht an der restriktiven Auslegung in Hessen."

Obwohl die politische Forderung der Grünen Hilfe mit denen der Partei durchaus übereinstimmt. Sie lässt sich in zwei Worten zusammenfassen: Legalize it! Am 9. Mai (15 Uhr) ruft die Gruppe gemeinsam mit der Hanf-Initiative Frankfurt zu einer Kundgebung auf dem Opernplatz auf. Konkrete Forderung: Wieder-Freigabe des Hanf-Anbaus zum Eigenbedarf. Unter dem Motto "give five" verlangen die Initiatoren die legale Anbaumöglichkeit von fünf Hanf-Pflanzen für Konsumenten. Freiheit für Kiffer also.

Das Ganze ist eingebunden in eine weltweite Kampagne, den "Global Marijuana March" am 5. Mai. An diesem Tag informieren die Freunde des Kiffens an der Hauptwache über die Marihuana-Pflanze und ihre Wirkung. " Bei gutem Wetter", so heißt es in der Ankündigung, "wird dann später am Main gechillt." Das kann heiter werden.

Bei den Grünen ist man über die Aktivitäten der Grünen-Kiffer nicht entzückt. "Der Name ist natürlich unglücklich", befindet die Frankfurter Landtagsabgeordnete Sarah Sorge. Die Gefahr der Verwechslung mit Parteigremien der Grünen sei groß. Dennoch werde man gegen die Grüne Hilfe nicht gerichtlich vorgehen. "Rechtlich ist das nicht angreifbar", glaubt Sorge. Da befinde man sich in der gleichen Lage wie die CDU, der ebenfalls Gruppen mit der Bezeichnung Union im Namen zugeordnet würden.

Noch mehr als mögliche Verwechslungen mit Parteigremien ärgert die Grünen aber die Nähe der Grünen Hilfe zur Linken. Bei der Demo am 9. Mai treten neben Sprechern der Hanf-Initiative ausnahmslos Funktionäre der PDS/WASG-Nachfolgepartei auf. Unter anderem der Landesvorsitzende Ulrich Wilken.

Obwohl der die Grüne Hilfe nach eigenem Bekunden gar nicht kennt. "Das Grün bezieht sich wohl eher auf die Farbe der Pflanze", mutmaßt der Landtagsabgeordnete. Als Bindeglied firmiert ein Mensch namens Jo Biermanski. Der ist zugleich Pressesprecher der Grünen Hilfe und Mitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Drogenpolitik der Linken. Offiziell bezeichnet sich die Grüne Hilfe als "Organ bundesweiter Pro-Hanf-Gruppen".

Aktionsform Guerilla-growing

Da fällt es der Grünen-Frau Sorge fast schwer, die Übereinstimmung der politischen Forderung einzuräumen. Immerhin aber macht die Grüne auch Unterschiede aus: "Die Initiativen tun so, als sei Cannabis eine Gesundheitsdroge. Wir sagen auch, dass es nicht ungefährlich ist."

Dagegen klingen die Ankündigungen der Kiffer-Initiativen eher nach ur-grüner Sponti-Kultur. Man plane "Demonstrationen, Smoke-Ins, Raves, Konzerte, Festivals, Infostände, Podiumsdiskussionen und noch viel mehr", lassen sie verlauten. Auch denke man an "Guerilla-growing" als Aktionsform in öffentlichen Parks - wenn das Frankfurts Saubermann Peter Postleb spitzkriegt.

Weltweit machen 218 Städte auf allen Kontinenten bei dem Marihuana Marsch mit, in Deutschland Berlin, Potsdam und Frankfurt. Nur die Grünen nicht.

Autor:  MARTIN MÜLLER-BIALON
Datum:  21 | 4 | 2009
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