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02. August 2012

Betäubungsloses Schächten: Halal bedeutet erlaubt

 Von Timur Tinç
In Döner-Restaurants wird Fleisch von geschächteten Tieren verwendet.  Foto: dpa

Die Praxis, Tiere ohne Betäubung zu schlachten, geht bereits auf den Propheten Muhammad zurück. Schächten gehört für Muslime zur Pflege der eigenen Identität, sagt der Theologe Selçuk Doğruer.

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Wer vor türkischen, marokkanischen oder von Muslimen gleich welcher Nation betriebenen Restaurants steht, wird das Wort „Halal“ bemerken. Zunächst in arabischer Schrift und dann in Lautschrift. Halal bedeutet auf Arabisch erlaubt und kennzeichnet, dass das Fleisch nach islamischem Ritus geschächtet ist. (Das bedeutet, dass dem lebenden Tier nach dem Aussprechen der Formel „Im Namen Gottes“ die Halsschlagader durchschnitten wird und das Tier ausblutet). In den vergangenen Jahren haben die Halal-Kennzeichnungen an Restaurants und Lebensmittelverpackungen rasant zugenommen – vor allem in europäischen und nordamerikanischen Ländern.

„Es geht in erster Linie um die Pflege der eigenen Identität“, erklärt Theologe Selçuk Doğruer, weshalb viele Muslime nur geschächtetes Fleisch essen. Einen theologischen Diskurs habe es darüber in Europa nicht gegeben. Den müsste es aber unbedingt geben, da der eigentliche Sinn der göttlichen Offenbarung im Koran sonst verloren geht. „Verboten ist euch das Verendete, Blut, Schweinefleisch und das, worüber ein anderer Name als der Allahs angerufen worden ist“, steht im dritten Vers der fünften Sure im Koran.

Der Grund für diese Offenbarung sei gewesen, dass die heidnische arabische Bevölkerung Mekkas zu Beginn des siebten Jahrhunderts Tiere im Namen von Götzen und Personen geschlachtet hat, sagt Doğruer. Deshalb sei den Muslimen dieses Fleisch verboten worden. „Es gibt aber eine Überlieferung des Propheten Muhammad, in denen seine Gefährten zu ihm mit Fleisch gekommen sind, von dem sie nicht gewusst haben, ob der Name Gottes darüber ausgesprochen worden ist oder nicht“, berichtet Doğruer. „Wenn ihr den Namen Gottes darüber sprecht, ist es euch erlaubt, hat der Prophet seinen Gefährten den Verzehr erlaubt.“

Eine Gewissensfrage

Ein wichtiger Aspekt, den Doğruer bei den Muslimen vermisst, ist die Behandlung der Tiere. „Jedes Geschöpf Gottes muss mit Achtung betrachtet werden und dementsprechend mit Rücksicht und Sensibilität behandelt werden“, sagt der Theologe. So habe der Prophet bei der Schächtung von Schafen den anderen Tieren die Augen verbunden, damit sie nicht das Blut sehen und verängstigt werden. Das werde heutzutage sehr oft missachtet. In muslimischen Ländern stehen die Menschen am Tage des Opferfests, dem wichtigsten islamischen Feiertag, mit ihren Tieren in langen Schlangen und lassen sie der Reihe nach schächten. „Das ist überhaupt nicht im Sinne des Islams und somit des Tierwohls“, beklagt Doğruer.

Nicht ganz geklärt ist aus Sicht von Doğruer, wie das Tier vor der Schächtung betäubt werden sollte. Denn es könne durchaus vorkommen, dass die Tiere schon durch bestimmte Betäubungsformen wie durch Elektroschock sterben. Dann wäre der Verzehr des Fleisches für Muslime verboten. Eine Betäubung sei aber in jedem Falle mit dem Islam konform, da es immer darum gehe, den Schmerz für die Tiere so gering wie möglich zu halten.

Was dennoch Muslime davon abhält, Fleisch aus deutschen Metzgereien zu kaufen? „Es kommt mit Schweinefleisch in Berührung. Das ist für viele eine Gewissensfrage“, sagt Doğruer.

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