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Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

04. November 2013

Betreuung von Alzheimer-Kranken: Demenz-Dorf als Treffpunkt

 Von 
Viele alte Menschen leben zunehmend isoliert.  Foto: Alex Kraus

Das geplante Dorfprojekt in Alzey löst Diskussionen über die richtige Betreuung für Demente aus. Forscher sind sich einig, dass diese Schutz brauchen, aber keine Scheinwelten.

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Es soll einen Friseur geben, ein Café, ein Geschäft, eine Praxis für Physiotherapie und auch eine Tagespflegeinrichtung: Platz für 120 Menschen wäre in dem Demenzdorf am Rand von Alzey, das im Frühjahr 2015 eröffnen soll. Ein Projekt, das nicht unumstritten ist. Kritiker sprechen von einem „Getto“.

Jan Bennewitz versteht den Vorwurf nicht. Der Unternehmensberater für die Sozialbranche will mit seiner Partnerin Yvonne Georgi das neue Quartier bauen und die Vermietung übernehmen. „In einem Getto bricht soziales Leben zusammen“, sagt er. Das Demenzdorf-Konzept hingegen sehe eine „umgekehrte Integration“ vor. „Weil die Leute nicht rausgehen können, kommen möglichst viele hinein.“

Nach seinen Vorstellungen soll sich das Quartier am Rande der Stadt zum Treffpunkt für die Alzeyer entwickeln. Geplant sind zwei Zugänge. Die Bewohner werden in zwölf Wohngemeinschaften betreut und nachts technisch bewacht. Wie genau, sei noch in der Diskussion. „Aber Babyfons wird es in den Zimmern nicht geben.“ Ganz bei Null anfangen müssen die beiden in ihren Überlegungen nicht. In den Niederlanden gibt es die Modellsiedlung De Hogeweyk, die Pate für das geplante Projekt in Alzey steht.

Bis zum Jahresende hat der Investor eine Kaufoption auf das Gelände, das fünf Minuten außerhalb der Stadt liegt. Noch fehlt die Zustimmung der Prüfbehörde für Deutschlands erstes Demenzdorf, dem ein zweites in Nordrhein-Westfalen folgen soll. Als potenzielle Kunden hat Bennewitz auch Bewohner des Rhein-Main-Gebiets im Blick. Die Verkehrsanbindung ist gut, der Ballungsraum nah.

Das Quartier soll Menschen mit fortgeschrittener Demenz ab Pflegestufe 1 ermöglichen, so weit wie möglich ihren alltäglichen Verrichtungen nachgehen zu können. „Das hat einen positiven Einfluss auf die Stimmung“, sagt der Unternehmensberater. Die Jacke von der Garderobe nehmen, einkaufen, Wäsche waschen – all dies seien Tätigkeiten, die den Bewohnern klassischer Pflegeheime abgenommen würde. Stattdessen würden „künstliche Beschäftigungen“ geschaffen, werde mit großflächigen Wandtapeten eine Welt vorgegaukelt, die nicht existiert: „Ich halte das für fragwürdig. Das ist doch nicht echt.“

Ein weiterer Vorteil sei, dass die Bewohner des Demenzdorfes selbst den ambulanten Pflegedienst auswählen, der sie versorgt. „Sind sie mit der Qualität unzufrieden, können sie den Dienstleister wechseln.“ Mitbestimmung werde auch beim Wohnen groß geschrieben: „Der Bewohner, sein Betreuer oder die Angehörigen entscheiden, was in der Wohngemeinschaft passiert.“

Für Bennewitz ist das Demenzdorf eine „Alternative zur stationären Pflege, die möglichst hohe Lebensqualität und Selbstbestimmtheit bietet“. Bei der Landesregierung ist man nicht ganz so überzeugt. Auf Anfrage verweist eine Sprecherin auf eine Rede des rheinland-pfälzischen Sozialministers Alexander Schweitzer (SPD), in der er in Aussicht stellt, das neue Stadtquartier wissenschaftlich begleiten zu lassen.
Es ist laut Schweitzer nicht leicht, eine „klare und eindeutige Haltung zu entwickeln“, ob das Modell De Hogeweyk tatsächlich ein zukunftsweisendes ist.

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