Mit einem Mal geschieht Seltsames auf der Homepage des Deutsch-Afrikanischen Jugendwerkes, dessen Vorsitzende Odette Maniema Krempin in den vergangenen Tagen arg in die Bredouille geraten ist. Der Button, der zu den Sponsoren des Vereins führt, ist am Donnerstag von einem Moment auf den anderen verschwunden. Aus gutem Grund? Wer sich die Liste der angeblichen Förderer des Jugendwerks rechtzeitig angeschaut hat, stieß unter anderem auf den Buchverlag Carlsen. Dessen Sprecherin Nina Horn aber sagt: "Wir haben den Verein meines Wissens nach nicht unterstützt."
Der Fall Odette Krempin, Prinzessin, Frankfurter High-Society-Lady, Modedesignerin und Honorarkonsulin ihrer Heimat Kongo, ist durch diese Wendung um eine Facette reicher. Denn Carlsen ist nicht das einzige Unternehmen, das vom Deutsch-Afrikanischen Jugendwerk offenbar fälschlicherweise als Unterstützer genannt wird. In der ZDF-Sendung "Frontal 21" hatten sich Audi und der Fußball-Bundesligist Schalke 04 darüber beklagt, dass ihre Logos bei einer Gala des Vereins in der Villa Kennedy auf einer Sponsorentafel auftauchten. Sie seien mitnichten Unterstützer des Jugendwerks, teilten sie mit.
Es geht um viel für Odette Krempin, die 33-Jährige, die seit 2007 in Frankfurt lebt. Denn die Vorwürfe, die "Frontal 21" in dieser Woche veröffentlichte, hören nicht mit ein paar Sponsoren auf, die mit dem Verein nichts zu tun haben wollen. So behauptete Krempin stets, ihr Verein betreibe ein Krankenhaus im kongolesischen Kamituga. Schlichtweg gelogen, teilt die Hilfsorganisation Cap Anamur mit. Cap Anamur kümmere sich selbst um das Krankenhaus, das Jugendwerk habe mit dem Hospital nichts zu tun.
Derartige Berichte haben nun die Frankfurter Staatsanwaltschaft hellhörig werden lassen. Derzeit prüfe die Behörde, ob Krempin als Konsulin Immunität genießt, sagt Behördensprecherin Doris Möller-Scheu am Donnerstag: "Sollte das nicht der Fall sein, können wir Ermittlungen wegen Betrugs und Untreue aufnehmen - sofern sich jemand bei uns meldet, der Frau Krempin oder ihrem Verein Geld gespendet hat." An Spendern sollte es nicht mangeln. Bei der Gala in der Villa Kennedy kamen mehr als 80000 Euro zusammen. In dem Programm zu der Veranstaltung war Oberbürgermeisterin Petra Roth als Rednerin angekündigt, obwohl diese schon Wochen vorher abgesagt hatte. Und als wäre das alles nicht genug, teilt auch noch die Unesco mit, Krempin nenne sich fälschlicherweise Unesco-Botschafterin.
Dabei war die stets lächelnde Prinzessin in den vergangenen zwei Jahren doch Frankfurts Vorzeige-VIP. Mit der tüchtigen Geschäftsfrau, die sich für ihre Heimat engagiert, umgaben sich andere Promis gerne. Zur Gala ihres Vereins kamen Entertainer Roberto Blanco und Komiker Mario Barth. Auch die Kommunalpolitiker wussten, was sie an Krempin hatten. Erst kürzlich dankte ihr Stadträtin Elisabeth Haindl (CDU), Erbin des Südzucker-Imperiums, für ihre Arbeit in Afrika.
Unterdessen ist die Prinzessin abgetaucht. Der Bild-Zeitung, deren Klatschspalte sie regelmäßig füllt, gab sie noch ein wachsweiches Interview. Ansonsten ist sie nicht erreichbar - weder über ihren Modevertrieb noch über das Jugendwerk. Dafür ruft am Donnerstagabend der Projektleiter des Vereins, Heiko H. Carranza, die Journalisten an. Mit dem Krankenhaus in Kamituga habe das Jugendwerk einen Vertrag, auch die übrigen Vorwürfe ließen sich aus der Welt schaffen, sagt er. Für die kommende Woche kündigt er eine Pressekonferenz an - mit der Prinzessin.

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