kalaydo.de Anzeigen

Biker-Spielplätze: Kühne Kerle

"Freerider" bringen den Sport in Verruf. Mit wilden Rampen und anderen künstlichen Hindernissen bauen sich sich spektakuläre Parcours ins Unterholz - Kollateralschäden sind dabei zweitrangig.

Da schlägt nicht nur das Biker-Herz schneller.
Da schlägt nicht nur das Biker-Herz schneller.
Foto: ap

Sie haben gehaust wie die sprichwörtliche Axt im Walde - und für Forst- und Kreisverwaltung ist jetzt Schluss mit lustig: Eine sehr kleine Zahl von Mountainbikern hat mit ihrer sehr speziellen Interpretation des Geländeradelns für eine nachhaltig vergiftete Atmosphäre rund um den Feldberg gesorgt. Mit wilden Rampen und anderen künstlichen Hindernissen haben sich die Protagonisten spektakuläre Parcours ins Unterholz gezimmert.

Ziel dieser als "Freeride" bekannten Spielart des Mountainbikens sind hohe Geschwindigkeiten und weite Sprünge bei der Hatz bergab. "Kollateralschäden" in Flora und Fauna, bei Wanderern und Radlern, sind im Rausch der Geschwindigkeit eher zweitrangig. Das Thema ist seit vielen Jahren bekannt.

Downhill-Radfahren

Die Bergabfahrt der Mountainbiker ist eine körperlich und mental anspruchsvolle Sportdisziplin. Es gilt, eine mit Rampen versehende Abfahrt so schnell wie möglich zu fahren. Dabei werden auch im Wald Geschwindigkeiten bis zu 80 Stundenkilometern erreicht. Der internationale Radsportverband UCI organisiert Weltmeisterschaften.

Das Downhill-Fahrrad ist rund 20 Kilo schwer, stabil und vielfältig einstellbar. Es hat starke Federn, Scheibenbremsen und 26-Zoll-Räder mit großvolumigen Reifen. Der Schwerpunkt liegt weit hinten - deshalb ist ein Bergauf-Radeln nicht möglich. Die Spezialräder kosten ab 2000 Euro.

Holzstege und Schanzen

Wer mit offenen Augen durch den Wald geht, entdeckt immer mal wieder kleine Bauten mit Holzplanken, zurecht geschnittenen Stämmen oder durchgeformte Erdwälle. Das beschränkt sich beileibe nicht auf den Hochtaunus. In den Wäldern hinter der Darmstädter TU Lichtwiese gibt es reichlich solcher Biker-Spielplätze. Nördlich von Hanau tummeln sich nahe der Autobahn Zweiradartisten auf Holzstegen und Schanzen. Bei Querfeldein-Radlern beliebt sind auch die Schneisen am Winterstein oberhalb von Friedberg oder bei Diedenbergen.

Meist liegen die Parcours so abseits von Wander- und Spazierwegen, dass wenige davon etwas mitkriegen. Außer Förstern, Jägern und Grundbesitzern natürlich. Für die sind einerseits die direkten Schäden am Grün ein Problem, und andererseits das rebellisch gemachte Wild. Vor allem wenn es sich bei den Arealen um Rückzugsgebiete handelt, wohin sich die Tiere vor Menschen aber auch freilaufenden Hunden flüchten.

Unter Mountainbikern wird das Thema "Freeride" sehr zwiespältig diskutiert. Zuletzt beispielsweise beim Monatstreffen der regionalen Interessengruppe des Vereins Deutsche Initiative Mountainbike (DIMB). Einerseits will man die Gruppe nicht stigmatisieren. Andererseits ist vielen, gerade etwas älteren, klar, so geht es nicht. Sie befürchten, dass alle Mountainbiker in einen Topf geworfen und ohne Unterschied als gewissenlose Rowdies eines Tages "Waldverbot" erhalten. Dabei betreibt der Großteil das Radeln in Wald, Feld, Wiese behutsam und bleibt - im Gegensatz zu vielen Spaziergängern - auf den Wegen.

Ganz deutlich tritt die DIMB mit ihren Statuten für ein natur- und sozialverträgliches Freizeitverhalten und Sport zum Zwecke der Erholung ein. Ihre Gründung war auch eine Reaktion auf eine ähnliche Situation Ende der 80er Jahre. Schon damals sorgte der aggressive Teil der Zweiradfans dafür, dass sich die Boom-Sportart einen negativen Ruf einhandelte.

Der Grund: Sozialverträglicher Ausdauersport allein reicht einer überschaubaren Zahl an Bikern nicht für den "Kick". Die Fraktion, um die es da geht, ist am besten mit Attributen umschrieben wie jung, männlich, Hormonüberschuss. Forciert wird das durch reißerische Bilder und - über die Jahre - zunehmend skrupellose Artikel in den einschlägigen Bike-Magazinen. Auch die Fahrradhersteller tun das ihre dazu. Mit hochgezüchteten Bikes und Federwegen fast auf Motorrad-Niveau animieren sie die Käufer, die teure Technik auch zu nutzen; Räder für 5000 Euro sind keine Seltenheit. Das ist wie beim Auto: Ein Porsche-Fahrer steuert den Schlitten nicht, um brav mit 120 über die Autobahn zu rollen.

Im Übrigen sind die Wilden im Wald genau diejenigen, die auch andernorts auffällt: beim Schneesport als Pistenrowdies, als Skater oder BMX-Fahrer in den Betonwüsten der Citys, auf den Ausfallstraßen nächtens durch illegale Autorennen, aber auch in den Fankurven der Fußballstadien.

Den Imageschaden, das beklagt auch die DIMB, tragen alle Biker. Ein Wanderer oder Spaziergänger wird in den seltensten Fällen zwischen einem gepanzerten Freerider auf fett gefederter Abfahrtsmaschine und einem Tourenbiker unterschieden können. Konflikte bleiben nicht aus. Doch rücksichtslos kann aber auch die andere Seite sein: So haben übermotivierte Fußgänger schon mitten im Taunus beliebte Bikerpfade mit Glasscherben "geimpft".

Autor:  ALEXANDER KRAFT
Datum:  6 | 8 | 2008
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Twitter im Landtag
 

Nachrichten aus Frankfurt und Rhein-Main

Anzeige

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Frage des Tages: Sollte man härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen?

Frankfurts Fassaden sind voll von Graffiti. Die Verursacher sind meistens nicht festzustellen. Die Polizei will nun härter gegen Graffiti-Sprayer vorgehen. Was halten Sie davon?

 

OB-Stichwahl in Frankfurt
Wahlergebnis Sehen Sie auch die Ergebnisse nach Stadtteilen als Grafik-Fotostrecke. Außerdem zeigen wir die Top- und Flop-Ergebnisse von Peter Feldmann und Boris Rhein nach Stadtteilen und noch detaillierter nach Wahlbezirken. Alles Weitere im Wahl-Spezial.
Frage des Tages: Welches Thema sollte der neue OB Peter Feldmann zuerst angehen?

Peter Feldmann wird Frankfurts neuer Oberbürgermeister. Welches Thema sollte der Sozialdemokrat in seinem neuen Amt als erstes angehen?

OB-Wahl in Frankfurt
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Machtkampf nach OB-Wahl in Frankfurt 
        

Zählt die Tage bis zum Amtsantritt: Peter Feldmann.
Neuer Oberbürgermeister Frankfurt 
Der neue Oberbürgermeister Peter Feldmann bringt ein neues Team mit.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Prinz Asfa-Wossen Asserate.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
So freuen sich Oberbürgermeister: Petra Roth (CDU) und Peter Feldmann (SPD), letzterer mit der Hand in der Hosentasche, ein Fauxpas.
Nach der OB-Wahl in Frankfurt 
Spezial: Frankfurt Flughafen

Frankfurt Flughafen - Rhein-Main leidet und profitiert von dem Verkehrsknoten gleichermaßen: kurze Wege, aber viel Lärm für die Anwohner. Der Ausbau ist seit Jahrzehnten umstritten. Das Spezial.


Spezial: Der Flughafen wächst weiter
Manche Menschen freuen sich über den Klang von Glocken, andere fühlen sich gestört. (Symbolbild)
Fluglärm in Frankfurt 
        

Für diejenigen Menschen, die unter dem Fluglärm leiden, ist Frankfurt bei weitem nicht „grün“ genug.
Fluglärm in Frankfurt 
        

Wohnen in der Region: Lärm, aber noch kein Schallschutz.
Schleppende Antragsbearbeitung 
        

Nach Sonnenuntergang sollen auch die Flieger unten bleiben.
Nachtflugverbot 

Anzeige

Staumelder

Staumelder 92 Staus mit einer Gesamtlänge von 457km
Zu den Staumeldungen
Spezial

Auch dieses Jahr dürfte beim Schulwechsel der Sturm auf die Gymnasien ungebrochen anhalten. Doch welche Schulen passen eigentlich zu welchen Kindern? Die FR bietet einen Überblick.

Glosse
        

Da steht sie auf ihrem Brunnen in der Klappergasse.

Jeden Tag gibt's nun eine kurze Glosse zu unglaublichen Geschichten aus dem Frankfurter Alltag zu lesen.

 

Anzeige

 
Frankfurter Stadtteil-Porträts
Fragt man in Frankfurt die Leute, was denn die Hauptwache sei, bekommt man viele Antworten. Die einen haben einen Platz vor Augen, andere verwechseln die Hauptwache mit der Zeil. Wieder andere gehen davon aus, mit der Verabredung sei das Café Hauptwache gemeint. Oder auch die Standuhr dahinter.
Frankfurter Innenstadt 
..die Villa Meister. Das prachtvolle und heute denkmalgeschützte Gebäude hatte Herbert von Meister,der  Sohn von Carl Friedrich Wilhelm Meister, einem der Begründer der Farbwerke Hoechst, im Jahr 1902 erworben.
Frankfurt-Sindlingen 
        

Schon schön: Ein Blick in     die Grillparzerstraße im Dichterviertel.
Frankfurt-Dornbusch 
Auf den fruchtbaren Äckern im Frankfurter Norden wird immer noch Landwirtschaft betrieben. Und manch ein Erzeuger vermarktet seine Produkte immer noch selbst.
Frankfurt-Nieder-Eschbach 
Weblog

Seit vielen, vielen Jahren ist "kit" Eishockey-Berichterstatter. Im Blog berichtet er über die Löwen Frankfurt - "in your face".