Nein, er habe keine Horrornachrichten zu bieten, sagt Hans-Joachim Tonnellier mit ein wenig Genugtuung in der Stimme. Nein, er habe keine Millionen-Verluste zu melden. Im Gegenteil: Die Frankfurter Volksbank hat im vergangenen Jahr trotz Finanzkrise das operative Ergebnis nahezu halten können: Mehr als 53 Millionen Euro Gewinn stehen unterm Strich der Bilanz.
Zwar sei das Jahr 2008 mit seinen Turbulenzen "das schwierigste" in seiner 28-jährigen Vorstandstätigkeit gewesen, sagt Tonnellier. "Ohne zu übertreiben, darf ich sagen, dass unsere Geschäftspolitik noch nie einer härteren Prüfung unterzogen wurde." Dennoch sei Deutschlands zweitgrößte Volksbank "von der Krise unberührt" geblieben. Das Haus stehe da "wie ein Fels in der Brandung", so der Vorstandschef.
Deutschlands zweitgrößte Volksbank betreut das Geld von rund 390.000 Privat- und Firmenkunden. 1117 Beschäftigte kümmern sich in mehr als 80 Filialen um den Service.
Die Bilanzsumme kletterte im vergangenen Jahr um zwei Prozent auf 5,84 Milliarden Euro. Und sie wird mit der Übernahme der Volksbank Main-Taunus im März weiter steigen - um etwa 900 Millionen Euro.
Konservative Geschäftspolitik
Die Volksbank habe wie im Vorjahr von ihrer konservativen Geschäftspolitik profitiert, meint Tonnellier. Das Institut sei keine unkalkulierbaren Risiken eingegangen. So habe das Haus weder in komplizierte Anleihen oder Derivate investiert, noch habe das Management Lehman-Zertifikate oder Island-Papiere in den Eigenbestand genommen. Auch stehe man mit keinem Geldinstitut in Geschäftsverbindung, das von einer Insolvenz betroffen war oder ist.
Laut Tonnellier hat die Volksbank Frankfurt im Zuge der Lehman-Pleite viele neue Kunden gewinnen können. Denn im Gegensatz zu anderen Banken und Sparkassen habe sein Haus keine Zertifikate der US-Investmentbank an seine Kunden verkauft. Zum Jahresende betreute das Haus das Geld von rund 390.000 Privat- und Geschäftsleuten - das sind 4000 Kunden mehr als noch ein Jahr zuvor.
Die Darlehenswünsche mittelständischer Betriebe könnten nach wie vor erfüllt werden, versichert Tonnellier. "Wir kennen keine Kreditklemme." Auch seien die Vergabebedingungen nicht verschärft worden. Kreditfähigen und kreditwürdigen Unternehmen sowie Privatkunden werde auch weiterhin ausreichend Kapital zur Verfügung gestellt.
Um ihre Marktposition auszubauen, treibt die Frankfurter Volksbank die 13. Fusion in der Unternehmensgeschichte voran. Im Frühjahr soll die Übernahme der Volksbank Main-Taunus unter Dach und Fach sein. Das Schwesterinstitut betreue mit 240 Mitarbeitern rund 60 000 Kunden "in einem der wirtschaftsstärksten Landkreise Deutschlands". Betriebsbedingte Kündigungen im Zuge der Fusion werde es nicht geben, verspricht Tonnellier.
Weitere Fusionen schließt der Bankchef nicht aus. Er sehe "noch viele Möglichkeiten" für ein Zusammengehen. Seit 1997 hat die Frankfurter Volksbank zwölf Volks- und Raiffeisenbanken übernommen. Eigenständige Volksbanken gibt es in der Region noch in Griesheim und Höchst.
In die Zukunft blickt Tonnellier mit "verhaltener Zuversicht", wie er sagt. Sorge bereiten dem Volksbanker etwa mögliche Entwicklungen im Sparkassenlager. Denn wie die Fraspa könnten bald auch die Nassauische Sparkasse (Naspa) mit Sitz in Wiesbaden, die Bad Homburger Taunussparkasse sowie die Sparkasse Offenbach unter das Dach der Hessischen Landesbank Helaba schlüpfen. Ein solcher Verbund brächte erhebliche Synergien, sagte Tonnellier. Und das würde die Volksbank vor enorme Herausforderungen stellen.

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