Berlin/Wiesbaden. Hessen hat es beim Pisa-Test 2006 erneut nur ins Mittelfeld geschafft. Beim Untersuchungsschwerpunkt Naturwissenschaften erreichten die 15-jährigen Schüler den 12. von 16 Rängen, wie aus der Untersuchung hervorgeht, die am Dienstag in Berlin offiziell vorgestellt werden sollte. In Mathematik kamen die Schüler zwischen Odenwald und Kasseler Bergen auf Platz 8. Am besten schnitten sie beim Lese- und Textverständnis mit Platz 7 ab.
Gemessen am Punkt-Vergleich liegt Hessen in allen drei Disziplinen im Durchschnitt der OECD-Staaten. Sachsen schneidet überall vor Bayern am besten ab, Bremen bildete dreimal das Schlusslicht.
Das gute Abschneiden Sachsens führt der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung Hessen (VBE), Helmut Deckert, auf "die bessere Schulstruktur" des Bundeslandes zurück. Die Schüler lernten länger zusammen als in Hessen, und der Übergang von einer Schulform zur anderen sei einfacher. "Wenn wir nichts verändern, werden wir beim nächsten Mal wieder schlecht abschneiden", sagte Deckert in Frankfurt.
Der Gesamtbildungsplan vom Kindergarten bis zum Abitur sei in Hessen zwar angedacht, aber noch nicht richtig umgesetzt, kritisierte der Lehrer. Das Land habe beispielsweise die Erzieherinnen in den Kindergärten noch nicht fortgebildet. Den Schulen würden längst nicht alle eigentlich vorgesehenen Förderstunden zugeteilt, und die Klassen seien zu groß.
"Miserables Zeugnis für Roland Koch"
GEW-Landeschef Jochen Nagel nannte das Abschneiden Hessens "ein miserables Zeugnis für Roland Koch". Vor sechs Jahren habe Koch versprochen, Hessen zum Bildungsland Nummer 1 zu machen "und jetzt dümpeln wir nach wie vor im Mittelfeld und darunter". In Sachsen lernten weniger Schüler in einer Klasse als in Hessen, es werde später selektiert, und es gebe zusätzliches Personal für die individuelle Förderung der Kinder. "Da sind wir bei den Knackpunkten", sagte der Vorsitzende der größten Bildungsgewerkschaft des Landes. Hessen habe bundesweit die größten Lerngruppen und die schlechtesten Arbeitsbedingungen für Lehrer.
Die bildungspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Barbara Cárdenas, kritisierte, statt einer Spitzenposition habe Hessen unter Koch nur Mittelmaß erreicht. "Nach einem Jahrzehnt innovationsfeindlicher konservativer Schulpolitik ist vor allem eines an den Schulen vorherrschend: ein Klima aus Angst und Leistungsdruck, sozialer Auslese und gravierender Unterfinanzierung." (dpa)

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