Rhein-Main und Hessen
Hessische Landespolitik und Berichte aus dem Rhein-Main-Gebiet.

12. Mai 2009

Bioenergie in Hessen: Nordhessen will am Wald verdienen

 Von Ralf Pasch
Hackschnitzel sind Rohstoff für Energie. Foto: Wegst/FR

Der Zweckverband Knüll fördert mit Bioenergie die regionale Wirtschaft und schafft Arbeitsplätze. Von Ralf Pasch

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Holz in Hessen

Der Zweckverband Knüllwar 2003 die erste Bioregion Holz in Hessen. Jetzt gehört er zu den Siegern im Bundeswettbewerb der "Bioenergie-Regionen".

Die Versorgung mit Wärmeenergiein öffentlichen Gebäuden "systematisch von fossilen Energieträgern auf Holz umzustellen", ist laut hessischem Umweltministerium das Ziel der Bioregio-Modellregionen, in die für einen begrenzten Zeitraum Fördergelder des Landes fließen.

Vier weitere Gebiete sind inzwischen ausgewählt worden: Meißner-Kaufunger Wald, Odenwald-Bergstraße, Vogelsberg-Wetterau und Lahn.

Fast die Hälfte der Wärmeenergie für die kommunalen Gebäude der Kreise Hersfeld-Rotenburg und Schwalm-Eder wird aus Holz gewonnen. Das ist nur ein Grund, weshalb die Region vom Bundeslandwirtschaftsministerium zu einem der Sieger im Wettbewerb "Bioenergie-Regionen" gekürt wurde. In den nächsten drei Jahren fließen 400 000 Euro Bundesmittel dorthin.

Die beiden Landkreise arbeiten schon seit 40 Jahren im "Zweckverband Knüll" zusammen, um gemeinsam Regionalentwicklung zu betreiben. Industrie und Landwirtschaft sind traditionell unterentwickelt. Wald ist das, womit die Region reich gesegnet ist - fast die Hälfte des Gebietes ist von Bäumen bedeckt. Daraus versuchen die beiden Landkreise nun buchstäblich Kapital zu schlagen. "Ein mittleres Holzhackschnitzel-Heizwerk führt pro Jahr zu einer Wertschöpfung von etwa 150 000 Euro in der Region", sagt Ulf Hahne, Leiter des Fachgebiets Nachhaltige Regionalentwicklung an der Kasseler Uni. Er und seine Kollegen untersuchen die wirtschaftlichen Effekte des Holzgeschäftes im Knüll. Wird es in der Region verarbeitet und zum Heizen genutzt, ist nach den Erkenntnissen der Experten die Wertschöpfung 13 Mal höher, als wenn das Holz lediglich verkauft wird.

Die Recycling- und Umweltdienst GmbH in Borken verdient seit acht Jahren mit Brennholz Geld. "Im ersten Jahr hatten wir 400 Festmeter bestellt, um es zu verkaufen, inzwischen brauchen wir bis zu 10 000 Festmeter", sagt Geschäftsführer Manfred Müller-Sauter. Außer Scheitholz, das in Kaminöfen verbrannt wird, vertreibt sein Betrieb Pellets und produziert Hackschnitzel. Das Unternehmen mit 36 Beschäftigten übernahm in fünf Schulen des Schwalm-Eder-Kreises die Heizungsanlagen, rüstete sie auf Holzfeuerung um und liefert die Wärme an den Kreis. Daneben hat sich inzwischen auch ein Stamm privater und gewerblicher Kunden für Brennstoffe entwickelt: "Es sind etwa 3500, Tendenz steigend", freut sich Müller-Sauter. Das sichert auch Jobs in anderen Betrieben: Einheimische Transportunternehmen etwa liefern das Holz aus dem Wald an oder bringen die Hackschnitzel an ihren Bestimmungsort.

Nach Angaben des Zweckverbandes Knüll werden in der Region pro Tag 2200 Euro für einheimische Brennstoffe ausgegeben. Der Knüll hat hessenweit die Nase vorn, wenn es um die Zahl der neuinstallierten Anlagen bei privaten und gewerblichen Nutzern geht: Kommen im ganzen Bundesland durchschnittlich 18 Anlagen auf 100 000 Einwohner, sind es im Knüll 77. Etwa 90 private und gewerbliche Kunden schlossen sich zu Einkaufsgemeinschaften zusammen, die gemeinsam Brennmaterial bestellen, um so einen besseren Preis zu erzielen.

30 Prozent weniger Kosten

Laut Zweckverbands-Geschäftsführerin Brigitte Buhse gibt es inzwischen 63 kommunale Heizungsanlagen, in denen Wärme aus Holz erzeugt wird. "Das Spektrum reicht von einer Hausmeisterwohnung bis zum Schulzentrum Obersberg in Bad Hersfeld, wo mehrere Schulen mit einer 990 Kilowatt-Anlage versorgt werden." Das spart laut hessischem Umweltministerium 30 Prozent der Heizkosten.

Das Geld aus dem Sieg im Wettbewerb der Bioenergie-Regionen soll laut Buhse ausgegeben werden, um noch stärker für die umweltfreundliche und regionale Energie zu werben. So will der Verband "Energiefüchse" ausbilden - ehrenamtliche Berater, die in den Kommunen zur Verfügung stehen. "Wir wollen damit den Energieberatern aber keine Konkurrenz machen", versichert Buhse, "sondern die Hemmschwelle für die Bürger senken und ihnen eine weitere Anlaufstelle bieten".

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