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27. August 2013

Bischof Tebartz-van Elst: Ein Bischof fällt in Ungnade

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Reizfigur: Bischof Tebartz-van Elst (rechts).  Foto: Imago

Die Frankfurter Katholiken begehren erstmals gegen ihren Bischof auf. Tebartz-van Elst hat mit seiner Amtsführung das Vertrauen vieler Gläubiger verspielt.

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Der Konflikt um den Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst nimmt Formen an, wie es sie in der deutschen katholischen Kirche bisher noch nicht gegeben hat. Hunderte von Gläubigen haben seit Sonntag einen offenen Brief unterschrieben, der dem Bischof vorwirft, Vertrauen verspielt zu haben und die Zukunft des ganzen Bistums „in hohem Maße“ zu gefährden. „Die Bistumsleitung muss umgehend einen anderen Weg einschlagen, will sie die katholische Kirche in unserem Bistum und darüber hinaus glaubhaft und glaubwürdig vertreten.“

Nach dem Sonntagsgottesdienst im Frankfurter Dom wurde der Wortlaut des Briefs lautstark beklatscht, die Teilnehmer standen zum Unterschreiben in Dreierreihen Schlange. Nach Auskunft der katholischen Stadtkirche gibt es schon an die 1000 Unterstützer. Bei den Initiatoren gehen Anfragen von Gemeinden aus dem ganzen Bistum ein, die sich der Aktion anschließen möchten.

Solidarität mit Stadtdekan Johannes zu Eltz

Das Schreiben gilt als ein Zeichen der Solidarität mit dem Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz, dem Wortführer der Kritik am Führungs- und Lebensstil des Bischofs. Diesem werden seit langem zum einen Selbstherrlichkeit und autoritäres Auftreten, zum anderen ein verschwenderischer Umgang mit Geld vorgeworfen, was sich besonders an der extravaganten Ausstattung des aufwendig sanierten Bischofshauses und an einem Erste-Klasse-Flug nach Indien vor einem Jahr festmacht.

In dieser Angelegenheit prüft die Hamburger Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage gegen Tebartz. Dieser hatte sich juristisch gegen einen Bericht im „Spiegel“ gewehrt und Aussagen bestritten, die allerdings in Bild und Ton hieb- und stichfest dokumentiert sind. Ein Bischof, gegen den womöglich ein Strafbefehl ergeht – das wäre in Deutschland ein Präzedenzfall. Rufe nach einem Rücktritt könnte der wahlweise unbeholfen bis weltfremd agierende Bischof dann nicht mehr ganz so leicht vom Tisch wischen. Bisher stellt er sich intern auf den Standpunkt, er sei vom Papst eingesetzt, darum könne ihn auch nur der Papst aus dem Amt entfernen.

Rom zögert

Traditionell zögert Rom, Streitigkeiten in einem Bistum durch Abberufung des Bischofs zu beenden. Allerdings hat Papst Franziskus erst vor wenigen Wochen in Slowenien zwei Oberhirten mit harter Hand abgesetzt. Dort ging es um Unregelmäßigkeiten im Finanzgebaren. Möglicherweise ist es darum kein Zufall, dass die Eskalation des Limburger Konflikts mit ausführlichen Beiträgen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ einhergeht, in denen die Herkunft hoher Millionenbeträge für die Renovierung des Bischofshauses in Zweifel gezogen wird.

Das Bistum weigert sich notorisch, Fragen zur Finanzierung der Baumaßnahmen zu beantworten. Aktenkundig ist die Anweisung von Tebartz’ Generalvikar Franz Kaspar, der selbst Gegenstand kritischer Berichte ist, die Recherchen „ins Leere laufen“ zu lassen. Wegen der missliebigen Presse hatte das Bistum unlängst übrigens alle FAZ-Abonnements gekündigt. Selbst kirchliche Mitarbeiter werteten dies als weiteren Beleg für Selbstisolation, Wagenburg-Mentalität und Realitätsverlust an der Spitze des Bistums.

Kritisierte den Bischof: Stadtdekan Johannes zu Eltz hier beim Stadtkirchenfest in Frankfurt am Main zu Ehren des Heiligen Bartholomäus.  Foto: peter-juelich.com

Während die Pressestelle gebetsmühlenartig die Gesprächsbereitschaft und Kritikfähigkeit des Bischofs behauptet, hält ein hochrangiger Kirchenvertreter „längst alles Porzellan für zerdeppert“. Der Bischof fordere Solidarität und lege einem Kritiker wie dem Frankfurter Stadtdekan wegen eines angeblichen Mangels an Loyalität den Rücktritt nahe. Dagegen erlebten leitende Mitarbeiter und auch Pfarrgemeinden Tebartz seinerseits als in hohem Maße unsolidarisch: „Der Bischof interessiert sich nur für sich selbst.“

Intern und öffentlich hat Stadtdekan zu Eltz, der als Domkapitular zur Bistumsleitung gehört, wiederholt seine Besorgnis über die Entwicklungen geäußert. Dafür erhält er in dem offenen Brief der Frankfurter Katholiken nun ostentativ Rückhalt: „Gerade die Sorge um unser Bistum gebietet zwangsläufig, Fehlentwicklungen zu benennen und auf Änderung hinzuwirken.“

Zu der Unterschriftenaktion wollte zu Eltz auf Anfrage ebenso wenig Stellung nehmen wie die Deutsche Bischofskonferenz. Doch Tebartz-van Elsts Mitbrüder beobachten die Entwicklung in Limburg inzwischen zunehmend betreten bis zornig. Von regelmäßigen Wutausbrüchen eines Kardinals über Tebartz ist die Rede. „Das nimmt kein gutes Ende“, sagte der Oberhirte eines westdeutschen Bistums dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.

Tebartz hat Rückhalt des Apostolischen Nuntius

Noch allerdings, so ist zu hören, hat Tebartz zumindest den Rückhalt des Apostolischen Nuntius, des diplomatischen Vertreters des Papstes in Deutschland, und auch den des Kölner Erzbischofs, Kardinal Joachim Meisner, als dessen Wunschkandidat für die eigene Nachfolge Tebartz zeitweise gehandelt wurde.

Nicht zuletzt deshalb zweifeln die Tebartz-Kritiker, dass der Bischof von sich aus Konsequenzen aus der verfahrenen Lage ziehen und abtreten könnte. „Er sieht sich von Feinden umstellt, und wenn es die eigenen Gläubigen sind“, sagt einer aus der Umgebung des Bischofs. Zudem gebe es Durchhalte-Appelle – von konservativen Katholiken, aber auch aus der Politik und der gesellschaftlichen Oberschicht Hessens.

Die Verfassung der katholischen Kirche kommt Tebartz’ Beharren entgegen, weil jeder Bischof in seinem Bistum weitgehend autonom ist. Ein reguläres Krisenmanagement etwa durch die Bischofskonferenz ist nicht vorgesehen, innerkirchliche Sanktionen gegen einen amtierenden Bischof sind praktisch allein dem Papst vorbehalten. Insofern könnte die weltliche Justiz ungewollt zum verlängerten Arm im Kirchenkampf werden, wenn sie tatsächlich ein Verfahren gegen Tebartz eröffnet.

Am Dienstagabend, 27. August, berät das Domkapitel in einer Sondersitzung, am Donnerstag ist ein Zusammentreffen von Bischof und Stadtdekan anlässlich der Einweihung eines Studentenwohnheims geplant. Was üblicherweise als harmloser Repräsentationstermin zu gelten hätte, wird in Kirchenkreisen mittlerweile als „High Noon“-Szenario kolportiert. Wildwest in der katholischen Kirche: Auch das gibt es nicht alle Tage.

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