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20. August 2008

Bischof von Limburg: Dekan muss gehen wegen Schwulen-Trauung

Weil er einem homosexuellen Paar den kirchlichen Segen erteilt hat, will der Bischof den Bezirksdekan, Peter Kollas, abberufen.

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Limburg/Wetzlar (dpa) - Nach der Segnung eines homosexuellen Paares hat der katholische Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst dem Wetzlarer Bezirksdekan Peter Kollas sein Amt entzogen.

Alle Gläubigen seien nach der Lehre der katholischen Kirche verpflichtet, gegen die rechtliche Anerkennung homosexueller Lebensgemeinschaften Einspruch zu erheben, erklärte das Bistum Limburg. Eine Segnung eingetragener Lebenspartnerschaften durch katholische Seelsorger sei deshalb nicht möglich.

Kollas hatte am vergangenen Freitag ein schwules Paar im Wetzlarer Dom gesegnet, das zuvor seine Lebenspartnerschaft hatte eintragen lassen. Der katholische Pfarrer in Wetzlar war 1996 zum Bezirksdekan - zum Vertreter des Bischofs im Bezirk - ernannt worden.

Kollas wird nach Angaben des Bistums auch nach der Entziehung seines Dekanamtes weiter als Pfarrer in Wetzlar arbeiten; der Bischof wird in den kommenden Tagen einen kommissarischen Dekan für den Bezirk Wetzlar ernennen. Kollas war am Mittwoch für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Der Wetzlarer Pfarrer hatte sich Bistumsangaben zufolge nach einem Gespräch mit dem Bischof am Dienstag einsichtig gezeigt: Er habe solche Segenshandlungen für eingetragene Lebenspartnerschaften zuvor nie vorgenommen und werde dies auch in Zukunft nicht mehr tun. Um weiteren Schaden von der Kirche abzuwenden, berief der Bischof den Bezirksdekan von seinem Amt ab, berichtete das Bistum.

Das Amt des Bezirksdekans setze ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen dem Pfarrer und dem Bischof voraus, sagte Bistumssprecher Robert Eberle. Durch den Vorfall sei das Vertrauen erschüttert worden. Die "Wetzlarer Neue Zeitung" hatte am Mittwoch berichtet, dass Bischof Tebartz-van Elst die Abberufung des Wetzlarer Bezirkdekans vorbereitet.

Nach Angaben des Bistums Limburg gibt es "keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn".

Die katholische Kirche sehe sich verpflichtet, für Homosexuelle angemessene Formen der Seelsorge zu suchen, dies könne nach der Lehre der Kirche jedoch in keiner Weise zu einer rechtlichen Anerkennung oder Segnung von homosexuellen Lebensgemeinschaften führen. Sonst könne der falsche Eindruck entstehen, dass die katholische Kirche homosexuelle Lebensgemeinschaften der Ehe gleichstelle.

Das schwule Paar zeigte sich am Mittwoch sehr bestürzt über die Abberufung von Kollas. "Wir wollten der katholischen Kirche und Pfarrer Kollas keinen Schaden zufügen", sagte der Hochschullehrer für Immobilienprojektentwicklung im niedersächsischen Holzminden, Prof. Jürgen Erbach, der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Der 47-Jährige ist auch Vorsitzender des Fördervereins "Wetzlar - Stadt der Optik", der den Optikparcours in der mittelhessischen Stadt initiiert hat. Die beiden Männer sind laut Erbach seit 20 Jahren ein Paar. Die Segnung ihrer Lebenspartnerschaft sei beiden eine "Herzensangelegenheit" gewesen, weil Glaube eine Rolle in ihrem Leben spiele. Das Paar hat laut Erbach in einem Fax vom Mittwoch an das Bistum um eine Audienz beim Bischof gebeten. "Wir wünschen uns, dass er die Absetzung zurücknimmt", sagte Erbach. Die Feier im Wetzlarer Dom sei "keine Hochzeit, sondern eine Segnung" gewesen. "Homosexuelle haben denselben Anspruch auf seelsorgerische Begleitung wie andere Menschen auch und gehören zur Gesellschaft dazu."

Die Grünen-Bundestagsfraktion kritisierte die Abberufung von Kollas stark. "Die Abberufung des Bezirksdekans in Wetzlar durch den Limburger Bischof ist ein geistiges Armutszeugnis für die deutsche katholische Kirche", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion Fraktion, Volker Beck, einer Mitteilung zufolge. Die Entscheidung sei ein Dokument der Unbarmherzigkeit gegenüber homosexuellen Christen.

Internet: www.bistumlimburg.de

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