Frankfurt/Main. Es kann schon mal vorkommen, dass ein 130-Meter-Schiff bei Ramiz Merals "Döner-Swim-In" hält. Dann muss er den langen Stock holen und die Plastiktüte samt Börek und Lahmacun der hungrigen Mannschaft übers Wasser hochreichen. Der 45-jährige Türke betreibt am Sachsenhäuser Mainufer Frankfurts erstes Döner- Boot.
In der Kombüse seines selbst restaurierten deutschen Marine-Kahns jongliert er gekonnt mit Saucen und Salat, brät Döner und frittiert Sardellen. Seit fünf Jahren liegt Meral jeden Sommer mit seinem Imbissboot zwischen Untermainbrücke und Eisernem Steg vor Anker und bringt ein bisschen Istanbul nach Deutschland. Das Flair seiner Geburtsstadt hat Meral, der seit 30 Jahren in Frankfurt lebt, auch auf die Geschäftsidee gebracht: "Im Hafen liegen Boote, die verkaufen Fisch im Brot und da dachte ich: Das machen wir hier in Frankfurt."
Der Erfolg gibt ihm Recht: Inzwischen drängen von mittags bis nach Mitternacht Spaziergänger, Jogger, Radfahrer oder Geschäftsleute in Anzug und Krawatte vor dem geraniengeschmückten Mini-Boot. Dass seine weiß-rote "Istanbul" Jahrgang 1942 wie wild schaukelt, wenn eines der großen Schiffe vorbeifährt, stört Meral nicht - im Gegenteil: "Das ist doch der ganze Spaß daran. Die Leute sollen sehen, dass das schaukelt. Es ist so wie in Istanbul."
Die besondere Atmosphäre wissen auch Darica Kovacevic und Marina Savic zu schätzen. Die beiden Frankfurterinnen haben ihre Picknickdecke auf der Uferwiese vor "Meral's Imbiss" ausgebreitet. Sie genießen die Sonne, die orientalische Musik und den Blick auf die Frankfurter Skyline. "Hier stimmt einfach alles", schwärmt die 22- jährige Studentin Kovacevic, die besonders das herzliche Ambiente an der ungewöhnlichen Imbissbude schätzt: "Die Merals gehen auf einen zu, man kann sich Decken und kleine Tischchen ausleihen, und wenn Sohn Ivo da ist, gibt es auch mal einen Tee gratis."
Stammkundin Marina Savic (21) trinkt am liebsten Merals berühmte "Ominade". Die eisgekühlte Zitronenlimo macht er jeden Tag frisch - nach einem Geheimrezept seiner Oma.
Meral und sein schwimmender Dönerladen sind inzwischen eine Attraktion Frankfurts, wie die Eintragungen im Gästebuch beweisen. Auf Französisch lobt darin beispielsweise eine Kundin Merals Boot und seine Limo, Alexia bedankt sich für den "Bosporus am Main" und Alex schreibt: "Für hungrige Wassersportler am Main bist du mehr wert als die DLRG." Man sieht Meral an, wie stolz ihn das macht.
In solchen Momenten lohnt sich die harte Arbeit: Von April bis Oktober steht der Vater eines 21-jährigen Sohnes und einer 15- jährigen Tochter täglich 13 Stunden hinter dem Dönergrill. Nur wenn es regnet hat er mal Pause. Oder wenn seine Familie und seine Freunde vom Türkischen Sportverein in Frankfurt für ihn einspringen.
Dort sitzt Meral im Vorstand und unterstützt in seiner Freizeit die Jugendarbeit des Fußballclubs: "Man muss auch mal was für die Jugend tun, schließlich kann man nicht immer nur arbeiten", sagt er und hüpft zurück auf seine mit einer türkischen und einer deutschen Fahne geschmückte "Istanbul" - ein Radler hat "Döner mit allem" bestellt.

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