Vor fast 30 Jahren, im April 1981, spielten Bruce Springsteen und seine E Street Band zum ersten Mal in Frankfurt, sechs Jahre nachdem "Born To Run" ihn endgültig zu einem Star, ein Jahr bevor "Nebraska" ihn zu einem auch rundum anerkannten Künstler machte.
Das Konzert aus jener Zeit, das denen, die dort waren, noch am meisten in Erinnerung sein dürfte, fand natürlich 1985 im damaligen Waldstadion statt. "Born In The U.S.A." war ein Jahr zuvor erschienen. Gibt es irgendwen, dem angesichts dieser Worte nicht gleich der trotzig in die Welt gerufene Refrain einfiele? Nun, am Vorabend des 4. Juli, des US-amerikanischen Unabhängigkeitstags, kehren Bruce Springsteen und die E Street Band nach Frankfurt zurück. Vielleicht verlängert der Meister, der für seine langen Konzerte bekannt ist, die Show bis nach Mitternacht. Ziemlich sicher wird er sie mit einem deutschen Volkslied eröffnen, wie er es in Bern mit einer Schweizer und in Stockholm mit einer schwedischen Weise getan hat. Ganz sicher wird er "Working On A Dream" spielen, das Titellied seines aktuellen Albums, das die Kritiker begeisterte, weil es den jahrzehntelangen Chronisten von Amerikas Alltag mit dem politischen und Obama-begeisterten Springsteen verbindet.
Leicht und tröstlich
Die Berner Zeitung umriss die Pole des Rockers aus New Jersey so: "Hier der raunende Poet und Protestler, dort der rockende Prolet und Patriot." Die Frankfurter Allgemeine Zeitung mutmaßte: "Wie schwer muss es Bruce Springsteen fallen, nicht von der Last der eigenen Monumentalität erdrückt zu werden! Könnte man denken. Nur fällt es ihm offenbar überhaupt nicht schwer."
In einem Interview mit dem englischen Telegraph sagte Springsteen, die E Street Band, seiner Band seit beinahe 40 Jahren, spiele auf der Bühne besser als jemals zuvor und lasse ihn, den bald 60-Jährigen, sich fühlen wie mit 25 oder 35. Schon im Studio zeigten sich die Musiker in Spiellaune. Das wegen seiner Verwendung im gleichnamigen Kinofilm mit einem Golden Globe prämierte Schlussstück des aktuellen Albums, "The Wrestler", ist nicht gerade fröhlich. Und doch leicht, tröstlich.
Bester Zeitpunkt
Die Verspieltheit, in der Wild-West-Ode "Outlaw Pete" sowohl die Mundharmonika aus "Spiel mir das Lied vom Tod" als auch das Du-du-du-di-duh-di-du aus "I Was Made For Loving You" von Kiss zu zitieren, war einer Band alter Männer nicht unbedingt zuzutrauen. Das Titellied "Working On A Dream" ist in Metaphorik und Komposition eher lahm, aber wenigstens scheppert es nicht so ungelenk wie zum Beispiel "Hungry Heart".
Womöglich wird es keinen besseren Zeitpunkt mehr geben als eben diesen Vorabend des Unabhängigkeitstags, sich Bruce Springsteen live anzuhören und anzusehen. "Der empfindlichste Seismograf seines Landes" (taz) wird sich einen guten Teil seiner Euphorie über den Wahlsieg Barack Obamas bewahrt haben. Er sieht nach eigener Aussage entspannt seinem 60. Geburtstag im September entgegen. Er äußert aber auch, dass er die Situation in den USA zu seinen Lebzeiten niemals als derart kritisch erlebt hat wie in der derzeitigen Krise. In diesem Spannungsfeld kann Elektrisierendes entstehen.
Der HR teilt mit, es gebe noch kurzfristig frei gewordene Kartenkontingente. Sirius XM teilt mit, es werde auf seinem Kanal E Street Radio das Frankfurter Konzert am 4. Juli, 12 Uhr ET (18 Uhr MESZ) übertragen. Bruce Springsteen spielt am 3. Juli um 19.30 Uhr im Frankfurter Stadion, Mörfelder Landstraße 362.

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