Am Anfang war er an der Uni ganz allein. "Die deutschen Studenten waren alle schon viel weiter entwickelt, haben sofort über alles diskutiert. Ich hatte Angst, etwas Falsches zu sagen und habe mich erst mal zurückgehalten", erzählt Tsolmon Boldbaatar. Der 28-jährige Student der Theater-, Film- und Medienwissenschaften kam vor gut sieben Jahren aus der Mongolei nach Deutschland, gemeinsam mit seiner Frau Odmandakh Ganzorig, die an der Goethe-Universität Sozialpädagogik studiert. Man müsse erst lernen, sich selbst zu behaupten, sagen sie. Denn als Ausländer an einer deutschen Uni gelte es neue Werte, neue Leute, neue Lernstile und natürlich eine neue Sprache zu lernen.
Das kostet seine Zeit. "Ich habe fast ein Jahr gebraucht, um in das deutsche System reinzukommen", sagt die 27-Jährige Odmandakh Ganzorig. Anders als in ihrer Heimat gebe es in Deutschland an der Uni keine festen Klassen, mit denen man alle Kurse gemeinsam belegt, keine vorgegebenen Stundenpläne. Außerdem haben die beiden mittlerweile einen zweijährigen Sohn, dessen Betreuung sie neben dem Studienalltag meistern müssen.
Möglichkeit zum Austausch
Heute findet sich das mongolische Studentenpaar an der Uni gut zurecht. Dabei geholfen hat ihnen Stube Hessen, das Studienbegleitprogramm des World University Service. Rund 400 Studierende aus Lateinamerika, Asien und Afrika kommen unter dem Dach der Initiative zusammen und diskutieren über Menschenrechte, nachhaltige Lebensstile oder Korruption. "Unser Ziel ist es, den Studierenden neben dem Studium in Deutschland eine Möglichkeit zu geben, sich über Themen in ihren Heimatländern auszutauschen", sagt Manuela Brune-Hernández, die das hessische Stube-Programm betreut. Ein Großteil der Studenten wolle nach dem Studium in die Heimat zurückkehren. "Wir wollen sie frühzeitig geistig auf die Rückkehr vorbereiten." Denn vielen Studenten fehle das Geld, um die Heimat zwischendurch zu besuchen. "Ich fühle mich schon einigermaßen entfremdet von der Mongolei", sagt Tsolmon Boldbaatar. "Ich muss mich erst wieder reintegrieren."
In den regelmäßigen Wochenendseminaren und zwei mehrtägigen Akademien im Jahr, finden im Schnitt 25 Studierende aus rund 13 Nationen zueinander. Finanziert vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche sind alle Veranstaltungen für die Studierenden kostenfrei. Zusätzlich können Zuschüsse für Praktika und Forschungsaufenthalte in den Heimatländern beantragt werden.
Ohne den Druck, sich einwandfrei im Deutschen ausdrücken zu müssen, können die Teilnehmer sich über ihre Lebens- und Studiensituation fernab der Heimat unterhalten und in selbst vorbereiteten Vorträgen das Selbstvertrauen erarbeiten, das Vielen im fremden deutschen Alltag anfangs fehlt."Man kann einfach man selbst sein", sagt die Kolumbianerin Inés Andrea Rodríguez. "Man muss keine Angst haben, Fehler zu machen, weil alle ähnliche Probleme haben", ergänzt César Armando Quinones aus Peru.
Selbstbestimmt planen
Wichtig an den Stube-Seminaren ist, dass sie selbstbestimmt sind. Zwar gibt es Vorträge von externen Referenten aus der Wissenschaft oder Wirtschaft.
Doch die Themen stellen die Studierenden in einem Planungsseminar selbst zusammen. So hat die 28-jährige Psychologiestudentin Inés Andrea Rodríguez etwa ein Seminar über "Ausländische Studierende als WeltbürgerInnen" vorbereitet. "Wie kann man es als Vorteil nutzen, sich in beiden Ländern zu bewegen?", lautet ihre Leitfrage.
Nach fünf Jahren in Deutschland und vielen Stube-Seminaren ist sie der Beantwortung dieser Frage ein gutes Stück näher gekommen. "Ich habe gelernt, was für mich möglich ist; dass ich in einem fremden Land etwas anfangen und zu Ende bringen kann." Darauf ist sie stolz.

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