Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Hessen sieht die Versorgung der Patienten in Gefahr: In knapp zwei Monaten werde das von den Krankenkassen bereitgestellte Geld für Arzneimittel für dieses Jahr aufgebraucht sein.
"Es kann sein, dass nach dem 11. November Kinder notwendige Fieberzäpfchen nicht mehr verschrieben bekommen", warnen die KV-Vorstandsvorsitzenden Margita Bert und Gerd Zimmermann in einem Schreiben. Die Alternative: Alle niedergelassenen Ärzte und Psychotherapeuten mit Kassensitz würden kollektiv in Regress genommen und bekämen jeweils 15 200 Euro weniger Honorar. "Das kann eigentlich weder das Interesse der Krankenkassen noch das der Landesregierung sein", meinen die KV-Chefs.
Nach Angaben des hessischen Sozialministeriums ist das Arzneimittelbudget Verhandlungssache zwischen der KV als Selbstverwaltung der Ärzte und den Krankenkassen. "Wenn die das nicht hinbekommen, dürfen sie am Ende nicht die Patienten darunter leiden lassen", sagt Sprecher Franz-Josef Gemein und erinnert an den gesetzlichen Auftrag der KV, die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Gelinge ihr das nicht, "dann sägt sie selbst an dem Ast, auf dem sie sitzt".
Die AOK verweist darauf, dass das Ausgabenlimit für Arzneimittel in Hessen schon seit Jahren überschritten werde. Doch habe das Landesschiedsamt bisher keinen Anlass gesehen, deshalb die Gesamtvergütung der Ärzte zu mindern. Die jetzige Reaktion der KV sei daher nicht nachvollziehbar. "Mit der Veröffentlichung werden unbegründet Regressängste bei der Ärzteschaft geschürt und Verunsicherung bei den Versicherten ausgelöst", sagt ein AOK-Sprecher. Seit Einführung des Arzneimittelbudgets sei es bislang in keinem Bundesland zu Kollektivregressen gegen Ärzte gekommen. Und wenn ein Patient die medizinisch notwendigen Medikamente nicht verordnet bekommt, könne er den Arzt sogar haftbar machen.

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