Turbulent geht es an diesem Vormittag im Café Fix zu. Kameraleute haben sich im Wintergarten aufgebaut, die Junkies sind in den vorderen Raum des Krisenzentrums ausgewichen. Vor der Tür der Moselstraße 47 geht der Spritzentausch weiter.
"Die Fernsehjungs bringen alles durcheinander", sagt Thomas Vogel, der hier als Arzt arbeitet, und zuckt mit den Schultern. Corinna, Markus und Elias heißen die Stars. Die Story des Alltags ist simpel: Drogenabhängige nehmen Hilfe an, können zurückkehren aus der Einsamkeit der Sucht, Freundschaften schließen und Spaß an einer Arbeit finden.
Wo in dem ehemaligen Bordell des Bahnhofsviertels die Puffmutter saß, hockt jetzt ein (drogenabhängiger) Schneider vor seiner Nähmaschine und repariert Jeans. Von da hat er den Überblick, kann beobachten, wie sich die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (33), vor die Mauer aus Kameras und Mikrofonen stellt.
Im Café Fix gibt es fast alles, was Drogenabhängige brauchen: medizinische Versorgung und die Ersatzdroge Methadon, zum Beispiel. Kein Heroin. Dennoch wird Bätzing bei ihrem Besuch zuerst nach der ärztlich kontrollierten Heroinvergabe gefragt. Die Ankündigung aus Karlsruhe, dass es dort im nächsten Jahr aus Kostengründen kein Heroin mehr geben wird, beschäftigt die Journalisten.
Bätzing gibt sich kämpferisch: Es müsse nun schnell gehandelt werden. "Es darf keinen Domino-Effekt geben." Da hat sie die Frankfurter an ihrer Seite. Alle Parteien fordern hier, dass Heroin als Arzneimittel zugelassen wird. Das würde bedeuten, dass nicht mehr die Städte, sondern die Krankenkassen für die Kosten aufkommen. Die Behandlung mit Heroin ist 2000 Euro teurer als die mit Methadon, rechnet die Drogenbeauftragte vor. "Das können wir uns erlauben, für eine so gute Therapie."
Neu ist das Senioren-Projekt
Noch ein O-Ton für RTL und zwei andere Sender. Ein Erinnerungsfoto mit der Leiterin des Café Fix, Birgit Wichelmann-Werth. Was Sabine Bätzing am besten gefallen hat? "Die Vielfalt der Angebote und dass man hier den Puls der Zeit spürt." Seit 1. August gibt es ein Senioren-Projekt. Auch Drogenabhängige kommen in die Jahre, der älteste Teilnehmer ist 58. Wichelmann-Werth drückt den Gästen aus Berlin noch ein Lunch-Paket in die Hand. Dann geht es weiter in die Grüne Straße im Ostend, zur Heroin-Ambulanz.
Im Café Fix erobern sich die Junkies ihren Wintergarten zurück. Tische und Stühle werden zurechtgerückt, der Fernseher eingeschaltet. Gleich kommt die Tagesschau. Gleich kommen Corinna, Markus und Elias. Sie sind Stammgäste im Café Fix. Die 22-jährige Corinna und der 40-jährige Markus bekommen ihr Methadon. Elias wird von den Ärzten des Café Fix noch nicht behandelt. Dann sehen die Drogenabhängigen sich und ihre kleine Welt tatsächlich im Fernsehen. "Die haben schon am Montag gedreht", erklärt Corinna.
Bis zum Jahresende, hofft Thomas Vogel, wird Elias seine Hemmnisse überwunden haben und sich ihm anvertrauen. Das könnte dann Moselstraße, 2. Folge, werden. Aber dann ist bestimmt kein Kameramann da.

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