Im Römer beschwören CDU und Grüne den Dialog. Wenn es aber um die Zukunft des Bockenheimer Universitätsgeländes geht, scheuen sie ihn. Weder die Stadt noch das Land Hessen schickten einen ihrer Entscheidungsträger zum Diskussionsabend der Bürgerinitiative Ratschlag Bockenheim.
Eine Kontroverse über die Beiträge der Referenten, die im Hörsaal H des alten Hauptgebäudes vor etwa 300 Zuhörern Aspekte des städtischen Rahmenplans erläuterten, entbrannte also nicht. "Es fehlte die kritische Würdigung der Beiträge", urteilte einer der Zuhörer an diesem Abend. Es herrschte weitgehend Einigkeit: Der Wohnanteil im Rahmenplan ist mit 30 Prozent zu gering bemessen. Die denkmalgeschützten Gebäude dürfen nicht abgerissen werden.
Für den Erhalt des denkmalgeschützten Philosophicums, "einem der bedeutendsten Nachkriegsbauten überhaupt", machte sich DW Dreysse stark. Der Architekt schlägt vor, das Philosophicum in ein Wohngebäude umzuwandeln. Dazu müsse man den Rahmenplan kaum verändern. Lediglich die als Riegel gedachte Wohnbebauung wäre an dieser Stelle zu unterbrechen. Dafür entstünde hinter dem Kramerbau aber der Platz, der zum Erhalt des Studierendenhauses nötig sei. Ferner müsse die im Rahmenplan angedachte Grünfläche nicht als Band realisiert werden. Sie könnte auch die Gestalt eines kleinen Parks, "etwa von der Größe des Holzhausenparks" annehmen.
Dreysse hatte 2003 als Mitglied der Jury den städtebaulichen Wettbewerb zur Neubebauung des Areals begleitet. Er war dabei, als der Entwurf gekürt wurde, aus dem der Rahmenplan entstand. Heute sieht er die Zeit gekommen, die Entscheidung zu überdenken. Die Jury sei damals auf die Inhalte des Kulturvertrages eingeschworen worden, sagte er. Der Kulturvertrag zwischen dem Land Hessen und der Stadt Frankfurt habe festgelegt, dass das Land Hessen den Umzug der Universität mit dem Erlös aus dem Verkauf des alten Uni-Areals finanziert. Deswegen habe der gekürte Entwurf "mehrheitlich, nicht einstimmig" Zustimmung erfahren. Der Kulturvertrag sei aber 1999 unter anderen wirtschaftlichen Voraussetzungen geschlossen worden.
Keine 1a-Lage
In den 90er Jahren hatte es einen Bauboom auf dem Büromarkt gegeben. Das Land ging davon aus, hohe Grundstückspreise zu erzielen, wenn Bürogebäude gebaut würden. Deswegen sollen laut Rahmenplan 70 Prozent der 350.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche mit Bürogebäuden bebaut werden. Wie Stadtforscherin Susanne Heeg ausführte, sei "die Nachfrage nach Büros stark rückläufig. Bockenheim ist außerdem keine 1a Lage."
Die Preise auf dem Wohnungsmarkt hingegen sind hoch. Die Lage ist angespannt, wie Willi Müller vom Amt für Wohnungswesen mit Zahlen belegte. Nur etwa 98 Prozent der Nachfrage ist abgedeckt. "Ein entspannter Wohnungsmarkt braucht drei Prozent Leerstand." Hohe Mietpreise sorgten dafür, dass mehrköpfige Haushalte mit mittlerem Einkommen ins Umland verdrängt würden.

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