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Carsharing im Rhein-Main-Gebiet: Weg vom Statussymbol

In Ballungsräumen werde ein Fahrzeug heute eher als Last empfunden. Der Chef von Book-n-Drive Carsharing sagt im FR-Interview, dass ein Trend zur jüngeren Kundschaft zu erkennen sei.

Udo Mielke, Chef von Book-n-Drive Carsharing .
Udo Mielke, Chef von Book-n-Drive Carsharing .
Foto: privat

Herr Milde, Book-n-Drive bietet zwei Varianten des Carsharing in der Region Frankfurt/Rhein-Main an. Wie hat sich das Mietsystem entwickelt?

Wir sind vor zehn Jahren angetreten mit damals 50 Autos und hatten einen relativ schwierigen Stand im Rhein-Main-Gebiet. Die Nachfrage war sehr sporadisch und die Fahrzeugwartung musste noch etabliert werden. Damals war das ein Nischenprodukt. Wir haben heute insgesamt 204 Fahrzeuge an 121 Stationen in der Region. In den vergangenen zwei, drei Jahren haben wir einen starken Zuwachs verspürt, pro Jahr etwa 20 Prozent. Das ist für diese Sparte wie überhaupt für die Mobilitätsbranche außergewöhnlich. Inzwischen haben wir haben 7200 Kunden.

Zur Person

Udo Mielke ist gelernter Bankkaufmann, Gründer und hundertprozentiger Gesellschafter von Book-n-Drive Carsharing mit Standorten in Frankfurt und Wiesbaden.

In Frankfurt bietet das Unternehmen an 63 Stationen insgesamt 96 Autos an.

Wer Book-n-Drive nutzen will, meldet sich unter www.book-n-drive.de online an und erhält einen elektronischen Karte (Schlüssel) samt PIN. Der Kunde hat zwei Möglichkeiten: Entweder er bucht ein Auto für einen bestimmten Zeitrraum oder er geht mit seinem Schlüssel zu einer der Stationen und schaut, ob ein Auto frei ist (Hin und Weg-Variante).

Mit seiner elektronischen Karte öffnet er einen Schlüsseltresor und erhält nach Eingabe seiner PIN den Autoschlüssel. Bei der Spontan-Miete kann das Auto maximal zwei Wochen ununterbrochen genutzt werden. Bei der Buchung muss das Auto zum angegebenen Zeitpunkt wieder abgegeben werden. (schu)

Welche Ursachen hat diese Entwicklung?

Das Verhältnis zum Fahrzeug hat sich gewandelt. Früher war es ein verlängertes Wohnzimmer. Man hat es gebraucht, um es vor der Tür jeder Zeit zur Verfügung zu haben. Der Trend geht dahin, den Nutzen des Fahrzeuges zu erkennen. Außerdem wird das Fahrzeug in Ballungsräumen heute eher als Last empfunden. Der hohe Parkdruck, der herrscht, veranlasst die Leute, über Alternativen zum eigenen Auto nachzudenken. Das ist auch bei Bus- und Bahnnutzern der Fall. Die wollen die Verlängerung des Busses oder der Bahn haben. Speziell junge Leute sagen, das zeigen die jüngsten Studien, dass es ist nicht mehr ausschließlich das Auto ist, was erstrebenswert ist, sondern eher iPod und iPad oder Mobilitätsangebote überhaupt.

Ist die Kundschaft so jung wie die iPod-Generation?

Der typische Carsharer ist überdurchschnittlich gebildet, verdient gut und kann sich gut organisieren. In den vergangenen zwei, drei Jahren sind vor allem junge Leute als Kunden zu uns gekommen. Früher waren es Menschen, die 30 Jahre und älter waren. Heute gibt es Nachfragen von Kunden, die 20 Jahre und ein bisschen älter sind. Der Trend zur jüngeren Kundschaft ist zu erkennen.

Erleben wir den Wandel des Autos vom Status-Symbol hin zu einem Fortbewegungsmittel?

Auf alle Fälle, das sieht man auch, wenn man nach Ulm schaut, wo Daimler das Mietwagen-Projekt Car2Go organisiert, das sie auch weltweit aufziehen wollen. Das Projekt zeigt, dass man mit einem guten Konzept die Jungen binden kann. Es hängt auch damit zusammen, dass Flexibilität mit dem System verbunden ist. Man will flexibel sein und Mobilität dann nutzen, wenn man sie braucht.

Die Menschen kombinieren auf ihren Wegen immer häufiger verschiedene Verkehrsmittel, sie bewegen sich multimodal. Wie gut lassen sich Verkehrsmitteln heute kombinieren?

Es gehört noch was dazu, nämlich das One-Billing. Es müssten verschiedene Mobilitätsangebote dem Kunden angeboten werden, und sie müssten eine einzige Abrechnung bekommen für die Nutzung verschiedener Verkehrsmittel. Es müsste auch eine Best-Price-Berechnung stattfinden: Wenn man eine Karte von einem ÖPNV-Anbieter hat, sollte die Karte möglichst auch die Nutzung andere Mobilitätsbausteine beinhalten. Angebote, die nur auf eine Form der Mobilität setzen und eien Rechnung schicken, und der nächste wird wieder was anderes anbieten, ein Fahrrad beispielseise, werden die Kunden nicht so annehmen wie ein Angebot eines einziges Mobilitätsanbieters.

Der RMV beispielsweise wäre demnach gut beraten, ein Ticket anzubieten, das nicht für S-Bahn und Regionalexpress gilt, sondern auch fürs Leihfahrrad und das Mietauto gilt?

So ist das, und das wird auch kommen. Das wird die künftige Form der Mobilität sein. Das könnte wie mit einer Prepaid-Karte funktionieren, mit der man im Voraus zahlt und einfach fahren kann.

Sie stellen den Boptown Cats, den Gewinnern des Hessen Rockt-Wettbewerbes 2010, einen Tourbus ein Jahr lang gratis zur Verfügung. Verdienen Sie mit Carsharing zuviel Geld?

Hessen Rockt ist ein Super-Konzept, und Book-n-Drive und Rock n´ Roll, das hört sich sehr ähnlich an und ist auch kein Zufall. Wir denken, dass Rock n´ Roll unterstützt werden sollte und Book-n- Drive ebenso.

Interview: Jürgen Schultheis

Datum:  8 | 5 | 2010
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