Es ist ein blassgelber und lindgrüner Ausflug in die Wunschwelt. Ein modernes Arkadien, das Menschen in antiken Gewändern zeigt, die Getreide bringen oder Laute spielen. Überlebensgroß prangt das Wandgemälde von Georg Heck an der Stirnseite des Seminarraumes im Casino auf dem Campus Westend. Dort, wo Studenten im Bildungsstreik Wände und Bilder - auch sieben abstrakte Grafiken von Georg Heck - mit Farbe bekritzelten und in der Folge das Präsidium der Goethe-Universität wegen Sachbeschädigung das Haus räumen ließ.
Die bemalten Arbeiten des Beckmann-Schülers Heck sind seither Streitthema zwischen Asta, Protestplenum und Präsidium. Asta-Sprecherin Nadia Sergan wies den Vorwurf zurück. Nicht das Wandbild, sondern nebenan ausgestellte Grafiken seien betroffen. Nicht die Werke, sondern "bedauerlicherweise Glas und Rahmen bekamen Farbe ab". Das Präsidium verbreite bewusst die Version der Zerstörung, um Studenten als "rechtslastig und vandalistisch darzustellen".
Olaf Kaltenborn, Pressesprecher der Goethe-Uni, widerspricht. Er erklärt, dass Heck die Rahmen ausgewählt habe und sie Bestandteil der Kunstwerke seien. Ein offizieller Gutachter, ein Architekt, habe die Schäden im Casino auf 200.000 Euro beziffert - auch wegen der Kunstzerstörungen. Die Uni müsse die Kosten aus eigenem Etat bezahlen.
Klaus-Ludwig Schulz, Vorsitzender des "Kulturkreises Georg Heck", der die Restaurierung der Werke maßgeblich finanziert hat, verneint, dass es sich bei den Rahmen um Originale handelt. "Die habe ich ausgesucht", sagt er, betont aber den hohen Kostenaufwand, den die Freunde der Goethe-Uni getragen hätten. Schulz äußert Unverständnis über die Vorfälle im Casino. Er betont, dass die Orginalfarbholzschnitte Eigentum des Kulturkreises sind. Die Grafiken seien wertvolle Unikate. Er und der Verein überlegen, die Dauerleihgaben abzuziehen.
Die Bilder im Casino haben eine wechselvolle Geschichte. Das Wandgemälde war 2005 nach mehr als 70 Jahren freigelegt worden. Das Kunstwerk entstand 1929 und war von den Nazis als entartete Kunst übertüncht worden. Die Freilegung war einer Spende der Stiftung Denkmalschutz zu verdanken, vor allem aber der Unterstützung des Kulturkreises Georg Heck und privaten Kunstliebhabern. Schulz erinnert daran, dass die Uni unter Ex-Präsidenten Steinberg zunächst wenig Engagment gezeigt habe.
Schulz ist sauer: "Wenn Studenten Werke eines Künstlers beschädigen, der Meisterschüler von Max Beckmann war, dessen Werke von den Nationalsozialisten auf dem Römerberg verbrannt wurden und der Ausstellungsverbot hatte, dann fragt man sich, was die Studenten damit erreichen wollen? Sicher ist, dass sie damit ihren niedrigen Bildungs- und Kulturstand dokumentiert haben", findet er.
Schulz, selbst Student in den 60ern, bekundet aber Sympathie für den Bildungsstreik. Dass Studenten auf die Straße gingen, sei gut. Für ihn gilt jedoch: "Protest ja, Gewalt nein. Georg Heck hätte das sicher ähnlich gesehen".

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