Von Donnerstag an wird Schwarz-Grün nur noch mit einer hauchdünnen Ein-Stimmen-Mehrheit den Römer regieren. Und dies in den beginnenden Vorbereitungen für die Kommunalwahl 2011. Am heutigen Mittwochnachmittag will der bisherige CDU-Stadtverordnete Wolff Holtz (34) Fraktionschef Horst Kraushaar sowie seinen versammelten Kollegen in der Fraktionssitzung schriftlich und mündlich seinen Austritt bekannt geben.
Kraushaar glaubt, dass die knappe Mehrheit (47 von 93 Stimmen) analog der "klassischen Adenauer-Mehrheit " in der BRD-Gründerzeit die eigenen Reihen "diszipliniert". Insofern macht er sich "gar keine Sorgen". Gleichwohl nagt an einigen in der CDU ein gewisses Unbehagen. Holtz wird, das bestätigte er am Dienstag, als fraktionsloser Stadtverordneter weiterhin "mit großem Engagement Politik machen". Nun fühle er sich nicht mehr eingesperrt "wie ein Tiger im Hamsterkäfig". Eine Annäherung zwischen Holtz und der restlichen CDU konnte es nicht mehr geben. Kollegen warfen Holtz unter anderem Selbstdarstellung, zu wenig Zuverlässigkeit und Fleiß sowie Alleingänge vor. Kraushaar nennt es "Eigenleben". Holtz findet dies "absurd". In einer wirklich modernen Partei müsse es auch offene Diskussionen geben.
Insbesondere den Verkehrspolitikern ist Holtz ein Dorn im Auge. In der Verkehrspolitik stehe Holtz dem 60er Jahre-Konzept der autogerechten Stadt näher als einer nachhaltigen Verkehrspolitik: Mit seinem Einsatz für parkende Autos in der Fressgass´, seinem Widerstand gegen die Schließung der Hauptwache für den Durchgangsverkehr und sein Eintreten für die Niederflurbahn in der Eckenheimer Landstraße habe Holtz die schwarz-grüne Linie in der Frankfurter Verkehrspolitik untergraben. Zuletzt hatte die Fraktion Holtz aus dem Planungsausschuss zurückgezogen. Der 34-Jährige zog daraufhin seine Konsequenzen.
Auch die Junge Union Frankfurt stützt ihn offenbar nicht mehr. Der Vorsitzende Ulf Homeyer sagt, er bedauere den Austritt Holtz´, sei mit seinem Verhalten aber "nicht einverstanden". Das könne ein schlechtes Licht auf die Verlässlichkeit von Jung-Unionisten werfen. Die haben Anspruch auf "drei bis vier Plätze" bei der Kommunalwahlliste angemeldet. Da Holtz im Juli die Altersgrenze von 35 Jahren für eine JU-Mitgliedschaft erreicht, erübrige sich die Frage nach einem Ausschluss. Die stellt sich für die Frankfurter CDU aber schon. Ein entsprechendes Verfahren müsste der Kreisvorstand anstrengen. Holtz selbst denkt noch darüber nach, ob er freiwillig austritt oder nicht. Ein Übertritt, etwa zur FDP, schließt er aber aus. (ox/schu )

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