Deborah Sonntag und die "Homoristen" Dominik Schwagereit und André Mato González haben die Schnauze voll: "Die CSD-Parade ist nur noch Kommerz für die Veranstalter und für die Gäste ein Fest, mehr nicht", empört sich die 26-jährige Sonntag.
Sie selbst liebt Frauen, lebt seit fast 20 Jahren im Rhein-Main-Gebiet und arbeitet im Frankfurter Szenelokal "Pulse". "Dabei sollte der Umzug doch die Demonstration für unsere Rechte sein und kein Karneval!", sagt Sonntag.
Und genau deshalb wollen sie und ihre Freunde nun dem gemeinen CSD-Volk einen Spiegel vorhalten: Mit roten Clownsnasen und mit einem Bollerwagen, "als gebührenfreiem Demo-Wagen", werden sie am Samstag beim CSD-Umzug gegen die Kommerzialisierung des Christopher-Street-Days in der Bankenmetropole antreten.
Auf ihre Transparente haben sie "Mitgehen statt am Rand stehen", "Aufklärung gefährdet Intoleranz" und "Mehr Party, weniger Hirn" gemalt. Ursprünglich wollten sie sich komplett in Clownskostüme stecken, doch das sei "organisatorisch zu aufwändig" geworden. Nun kommen sie stattdessen in schwarzen T-Shirts, roten Knollnasen und - ganz demo-klassisch - mit Megaphonen zum Demo-Zug.
Ein anderes Bild
Nicht, dass ein falscher Eindruck entstünde: Sonntag und ihre beiden schwulen Freunde sind "nicht gegen die Szene und das Spaß haben an sich", betonen sie. "Aber Themen wie Aids oder Diskriminierung werden immer laxer behandelt." Und weil die Parade das sei, was "die Heterowelt von Homosexuellen sieht, sollte sie doch ein anderes Bild als nur eine bunte Feier" vermitteln.
Deshalb beschlossen die drei Homosexuellen vor einem Jahr, ihre Gruppe "Mehr Demo-Wagen" zu gründen. Die vergangenen zwei Monate haben sie nun geplant und organisiert, über Web-Communitys wie Lesarion, Gayromeo und Wer-kennt-wen für ihre Idee geworben.
Vorgestern kam die Bestätigung für die Demo-Teilnahme als Fußgruppe, denn für die muss kein Startgeld gezahlt werden. Nun müssen nur noch die Aktivisten kommen. Sonntag und ihre Jungs hoffen, dass die knapp 30 Schwulen und Lesben, die ihnen bislang zusagten, auch wirklich gemeinsam gegen den Wandel des CSD-s demonstrieren.
Auch wenn die Reaktionen auf die Idee der Anti-Demo in der Demo "durchweg positiv" seien, bleibt eine skeptische Stimme: Die von CSD-Organisatorin Anika Pilger. "DenGrundgedanken -Werdet Euch des CSD-Urspungs wieder bewusst- finde ich gut", sagt Pilger. "Aber ob der Weg der richtige ist, ist fraglich." Schließlich müssten doch auch alle Demo-Wagen 80 Prozent ihrer Fläche dem diesjährigen CSD-Motto "Sind wir schon angekommen?" widmen. (nas)

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