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Christopher Street Day: Buntes Treiben in Frankfurt

Der 17. Frankfurter CSD kehrt am Wochenende auf die Konstablerwache zurück. Und wird zur politischen Feier. Tausende werden ab Freitagabend tanzen und diskutieren. Von Jana Schulze

Mit dem Regenbogenbanner ging die Homosexuellenbewegung lange vor der modernen Friedensbewegung auf die Straße.
Mit dem Regenbogenbanner ging die Homosexuellenbewegung lange vor der modernen Friedensbewegung auf die Straße.
Foto: stock.xchng

Wer mit Anika Pilger am Donnerstagmittag telefonierte, bekam den Sound von klappernden Gerüsten gratis dazu geliefert. Denn jedes Jahr im Sommer, genauer am dritten Juli-Wochenende wird auf der Konstablerwache erst im Akkord geschraubt, gebaut, gehämmert, um dann fast 72 Stunden im Akkord zu feiern, zu demonstrieren, sich als Schwuler oder Lesbe frei zu zeigen. Kurzum der Christopher-Street-Day macht sich in der Bankenstadt breit.

Nach einem Ausflug im vergangenen Jahr auf den Rossmarkt, wo sich die feiernde Masse tanzend drängte und die Stände auf Roßmarkt, Goetheplatz, Steinweg und Rathenauplatz aneinander gereiht waren, ziehen die Veranstalter samt Cocktailzelten und Bühne nun wieder zurück an altbewährte Stelle, an die Konstablerwache. In der Großen Friedberger breitet sich dann wieder der Basar der Vielfalten aus - wo es Pornofilme ebenso zu kaufen gibt wie Tipps für Homosexuelle, die ihre kleine Familien gründen wollen. Und über all dem schwebt das Motto des 17. Frankfurter CSDs: "Sind wir schon angekommen?"

Parade & Party
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Die Demoparade am Samstag, 18. Juli, beginnt um 12 Uhr am Römerberg und endet um 14 Uhr an der Konstablerwache. Die Route führt über die Braubachstraße, Hasengasse und Töngesgasse, über die Berliner Straße zur Kaiserstraße, über die Hautpwache bis zum Eschenheimer Tor und schließlich via Konrad-Adenauer-Straße zur Konsti.

Partys am Freitag, 17. Juli

Night of Angels mit DJanes Kat, Orlando-Ricardo, Mary und der Kölner Jean Philips. Ab 22 Uhr, Südbahnhof, Diesterwegplatz, Eintritt 8 Euro.

Love Camp mit DJ Lutz Markwirth. Ab 22 Uhr im APT, Hanauer Landstraße 190, Eintritt 10 Euro.

Partys am Samstag, 18. Juli

We Love CSD mit DJ Jean Philips (House und Electro) und DJane Meggi (Black und Pop). Ab 22 Uhr, Pulse & Piper Lounge, Bleichstraße 38, Eintritt frei.

Club Friends mit DJs Andi und Timo. Ab 23 Uhr, Friends, Bleichstraße 46, Eintritt frei, 5 Euro Mindestverzehr.

Xtremeties für Gay Girls mit DJanes Thunderpussy, Meggi und Betty Ford. Ab 22 Uhr, Zeilgalerie, Dachcafé Ebene 7+8, Eintritt 9 Euro.

CSDUC mit DJs Mike Kelly und Mike J (Progressive-Tribal-House). Ab 22 Uhr, CK Club, Alte Gasse 5, Eintritt 10 Euro.

Bang! Bang! ab 22 Uhr im Walden, Kleiner Hirschgraben 7, Eintritt 10 Euro.

Atomic, Indie-Pop-Party mit Resident DJ Pol und DJ Gordon. Ab 23 Uhr, Silbergold, Heiligkreuzgasse 22, 5 Euro.

Heroes & Rebels mit DJs Karotte und Marco Sönke sowie DJane Crystel Cox. Ab 22 Uhr, Cocoon Club, Carl-Benz- Straße 21, Eintritt 15 Euro.

Die Eigenregie für das Regenbogenspektakel führt nun Anika Pilger, eine Entscheidung, die Rainer Gütlich bereits 2008, fast ein Jahr vor seinem Selbstmord, getroffen hatte. "Ich habe das Business von Rainer lieben gelernt", sagt Pilger, die vor zehn Jahren als Praktikantin bei Gütlich Event das Organisieren lernte. Die Entscheidung, wieder an die Konstablerwache zu ziehen, hat pragmatische Gründe: "Der Goetheplatz und der Rathenauplatz stehen von Seiten des Ordnungsamtes generell für Veranstaltungen nicht mehr zu Verfügung", sagt Pilger. Der CSD hätte auf dem Roßmarkt und der neuen, verkehrsberuhigten Hauptwache ausweichen müssen. Das aber hätte bedeutet, dass es zwei kleine Festplätze mit zwei Bühnen gegeben hätte. "Damit wäre der CSD auseinandergerissen worden."

Damit ab heute Abend bis Sonntag auf der Konstabler getanzt, getrunken und geklatscht werden kann, muss der Bauernmarkt umziehen. "In den vergangenen Jahren sind die Marktbestücker dann einfach auf die Zeil gegangen", sagt Michael Lorenz von den städtischen Marktbetrieben. "Doch da die Zeil nun eine Baustelle ist, war dies unmöglich." Deshalb ist der Roßmarkt in dieser Woche nun die Kompromisslösung. "Es kommen zwar 15 Marktbestücker weniger, aber einmal im Jahr müssen wir einfach flexibel sein", meint Lorenz.

Heute Nachmittag um 15 Uhr fällt der Startschuss, dann versuchen die Travestiten und Szenelieblinge The Big Things Babsi Heart und Crystel Cox das Publikum und seine Lachmuskeln aus der Reserve zu locken. Die Sängerin Rosenblond will sich daran versuchen, das Repertoire der Berliner Kultband Rosenstolz gebührend nachzuahmen. Wenn der Himmel über Frankfurt dunkel geworden ist, laden die Frankfurter DJs Dennis und Julian Smith ein.

Wenn sich am Samstag der CSD-Demo-Zug samt 30 Lastwagen und 20 kleiner Autos durch die Straßen schlängelt, sind Augen- und Ohrenweiden versprochen: Männer auf Highheels, die manche Frauen niemals tragen wollen, schrille Kostüme, die mehr Körper zeigen als verdecken und laute Bässe aus dicken Boxen.

Weil aber eben Christopher Street Day nicht nur Feiern bedeutet, sondern in diesem Jahr sein 40. Jubiläum im Kampf gegen Diskriminierung und um Gleichstellung feiert, gibt es am Samstag eine auf der großen Bühne eine politische Diskussionsrunde mit Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD), der hessische Familienminister Jürgen Banzer (CDU), die Grüne-Polikerin Renate Künast, Barbara Höll von den Linken und der Europaabgeordnete Alexander Alvaro (FDP.)

Autor:  Jana Schulze
Datum:  17 | 7 | 2009
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