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Climbing in Rhein-Main: In der Wand

Ob Fels oder Halle - Klettern liegt im Trend. Im Rhein-Main-Gebiet bieten sich zahlreiche Möglichkieten. Von Boris Schlepper

An der Lorsbacher Wand bei Hofheim geht es bis zu 25  Meter in die Höhe.
An der Lorsbacher Wand bei Hofheim geht es bis zu 25 Meter in die Höhe.
Foto: Ilona Surrey

Wer erinnert sich noch? Geheimagent Ethan Hunt klettert wie eine Spinne an senkrechten Felswänden in den Rocky Montains empor, hängt zum Ausruhen mit einer Hand lässig über dem scheinbar bodenlosen Abgrund und springt wie andere über Pfützen über Schluchten - und das alles ohne Absicherung.

Während die Eingangsszene aus dem Agententhriller Mission Impossible II mit Tom Cruise vor allem die Herzen von Freunden von Action-Filmen schneller schlagen lässt, können Kenner der Materie nur den Kopf schütteln. "Was da im Film passiert ist Quatsch", sagt Johannes Altner vom Deutschen Alpenverein (DAV). "Das ist unrealistisch und an den Haaren herbeigezogen - das schaut sich kein Kletterer im Kino an."

Climbing in Rhein-Main

Unter freiem Himmel können Sportler in der Rhein-Main-Region in etwa zehn Gebieten klettern gehen. Die Felsen sind aber nicht ganzjährig zugänglich und können zum Teil nur mit Einschränkungen erklommen werden - um etwa Vögel während ihrer Brutzeit zu schützen. Auf der Internetseite des Deutschen Alpenvereins sind alle Felsen detailliert aufgelistet. Die Adresse lautet www.dav-felsinfo.de.

Im Rhein-Main-Gebiet gibt es im Gegensatz zu vielen anderen Regionen kein zusammenhängendes Klettergebiet. Die populärsten Kletterspots in der Region liegen im Taunus, dem Rhein-Main-Tiefland und in Teilen des Osthessischen Berglandes.

Wer Kunstfelsen bevorzugt oder gerne abends trainiert, findet eine Liste aller Kletterhallen auf der Homepage www.dav-kletteranlagensuche.de. Dort ist auch die 17 Meter hohe Kletterhalle des Darmstädter Alpenvereins sowie die ungewöhnliche Kletterwand am Biomassekraftwerk in Flörsheim-Wicker verzeichnet.

Kletterkurse haben zahlreiche Sportvereine sowie die Sektionen des Alpenvereins im Angebot. Auch die kommerziellen Hallen bieten Angebote für Einsteiger und Fortgeschrittene. Unterricht in kleinen Gruppen oder für Einzelpersonen erteilt Johannes Altner, der per E-Mail unter hannes@climbing.de zu erreichen ist.

Ausgewählte Kletterziele in Taunus und Hunsrück zeigt der Kletterführer Rhein-Main-Gebiet von Christoph Deinet. Das im Panico Verlag erschiene Buch beschreibt die wichtigsten Felswände und stellt Kletterrouten mit Schwierigkeitsgrad topografisch dar.

Altner muss es wissen. In der DAV-Sektion Darmstadt-Starkenburg ist er als Referent für Sport- und Wettkampfklettern zuständig. Seit Jahren zeigt Altner Neulingen, Fortgeschrittenen und Profis, wie man sich "in der Wand" bewegt.

Die Nachfrage nach Sportklettern ist ungebrochen groß - nicht zuletzt wohl auch durch Szenen wie die eingangs beschriebene Filmsequenz. Inzwischen entwickle sich der Zweig sogar zum Breitensport, hat Altner beobachtet. Einerseits sei die Nachfrage "eine tolle Sache". Andererseits entstehe das Problem, "dass es in der Natur nur begrenzt Möglichkeiten gibt, klettern zu gehen". Denn die Felsen, an denen im Rhein-Main-Gebiet steil gegangen werden kann, sind eher rar.

Nicht zuletzt deshalb weichen viele Freizeitkletterer auf die verschiedenen Hallen aus. Eine große Zahl an Sportlern kraxelt auch ausschließlich in den künstlichen Felsen, sagt Altner: "Es gibt mehr und mehr reine Hallenkletterer." Ursprünglich nutzten die Sportkletterer die bis zu 17 Meter hohen Hallen meist, um trainieren zu können oder auch im Winter ihrer Leidenschaft zu frönen. Heute seien zunehmend Sportler anzutreffen, die sich nur abends nach der Arbeit noch einmal betätigen möchten.

Als Einstieg eigne sich Kunstfels besser als etwa ein alter Steinbruch. Dort könnten auch Neulinge alles ausprobieren und bei jedem Schwierigkeitsgrad ihr Glück versuchen "In der Halle ist alles genormt", sagt Altner. "Wenn man sich an die Grundregeln hält und der Partner vernünftig sichert, kann nichts passieren."

In der Natur dagegen seien die Ansprüche viel komplexer. "Draußen muss man genau überlegen, wo die eigenen Grenzen liegen." So oder so sei das Sportklettern, bei dem stets Haken und Seile zur Sicherung verwendet werden, aber keine Risikosportart. Mit der richtigen Ausbildung sei das Sportklettern sicherer als Handball oder Fußball - wo Blutergüsse und Prellungen an der Tagesordnung sind. Zwar gehörten Stürze dazu. "Aber die enden in der Luft am Seil, und nicht mit einer Verletzung."

Johannes Altner rät dennoch jedem Anfänger dazu, sich zuerst in einem Kletterkurs mit dem Sport auseinanderzusetzen. "Das ist besser, als sich nur zwei Knoten von einem Freund zeigen zu lassen." Voraussetzungen fürs Klettern gebe es kaum: "Man muss nur Freude an der Bewegung mitbringen." Auch Übergewicht oder Höhenangst seien kein Ausschlusskriterium: Ein Versuch sei immer möglich. Eine häufige Erfahrung von Anfängern sei, "dass sie mehr können als sie vorher dachten".

Autor:  Boris Schlepper
Datum:  21 | 8 | 2009
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