Herr Kuhlmann, monatelange Vorbereitungen für den Dalai-Lama-Besuch, vier Tage Dauerstress in der WM-Arena. Sind Sie froh, dass es vorbei ist?
Die vier Tage mit dem Dalai Lama in Frankfurt waren ein unglaubliches Erlebnis. Alle haben ehrenamtlich gearbeitet und das teilweise noch neben ihren normalen Jobs. Das sind tolle Menschen. Frankfurt kann echt stolz sein.
Sie sind Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft "Buddhismus in Frankfurt", die für den Besuch des Dalai Lama gegründet wurde. Finanziell war das Festival eher ein Flopp?
Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen. Jetzt versuchen wir das Ergebnis zu optimieren. Wir haben Kosten von 1,9 und Einnahmen von 1,75 Millionen Euro. Das Defizit liegt bei 150000 Euro, Stand vom Sonntag. Die genaue Endabrechnung werde ich in vier Wochen haben. Mit allen Einzelpositionen stellen wir die dann für alle sichtbar ins Internet. Das ist bei Veranstaltungen mit dem Dalai Lama so üblich. Transparenz ist uns wichtig. Jeder hat sich mit dem Kauf eines Tickets an dem Projekt beteiligt und soll daher genau wissen, wie sich die Kosten zusammensetzen.
Im Stadion standen Spendenboxen. Wie viel Geld ist noch zusammengekomen?Bis Sonntagmittag waren es zwischen 30000 und 40000 Barspenden. Das verstehen wir - auch trotz anfänglicher Kritik etwa an der Essensversorgung - als Kompliment an die Veranstalter. Ich bin optimistisch, dass wir das Defizit minimieren können. Es werden sicherlich weitere Spenden kommen. Ich war vier Tage lang mitten drin im Stadion und habe sehr viel Resonanz und Hilfsangebote bekommen. Oft habe ich gehört: "Ich schicke dir Geld" oder "Wie kann ich helfen". Diese Unterstützung ist toll.
Haben Sie sich verkalkuliert?
Die Planungen für den Besuch haben vor gut zwei Jahren begonnen. Er war als sechstätiges, europäisches Dalai-Lama-Festival geplant. Deshalb der Termin in den Sommerferien, deshalb die WM-Arena. Dann wurden aus sechs nur noch vier Tage und fünf weitere, vorher nicht bekannte Termine in Europa kamen dazu. Kopenhagen, Amsterdam, Paris - alles Länder um uns herum. Ab da wurde es schwierig für uns. Ursprünglich hatten wir mit 45000 Tickets allein bei den Dauerkarten gerechnet. Die Wirtschaftskrise und der wachsende Druck Chinas auf Sponsoren bei Dalai-Lama-Auftritten haben die Lage zugespitzt. Wir haben versucht, mit kleinteiligen Angeboten und preiswerten Einzeltickets zu reagieren.
Sind Sie dennoch glücklich?
Als Geschäftsführer ist es okay, als Mensch bin ich sehr zufrieden. Der Besuch war als Botschaft für Frieden, Menschlichkeit und Achtsamkeit gedacht. Ich glaube, das haben wir geschafft. Wenn jeder ein bisschen von dem Mitgefühl, das er hier erfahren hat, auch draußen praktiziert, dann haben wir ein tolles Ziel erreicht.
Interview: Astrid Ludwig

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