Mit 30 war Mike Kuhlmann da, wo andere "mit 60 sind", wie er sagt. Wobei auch diese Einschätzung wohl nur auf einen eher geringen Prozentsatz der 60-Jährigen zutrifft. Denn der heute 43-Jährige hätte sich damals bei konservativer Anlage seines Vermögens zur Ruhe setzen können. Nicht schlecht für einen Jungspund, der außer Tennislehrer nichts gelernt hat. Dass es nicht zum vorzeitigen Ruhestand kam, hat mit einem heute 13 Jahre alten Jungen zu tun.
Kuhlmann wurde Vater. "Das hat mir die Unendlichkeit gezeigt", erzählt er. Mike Kuhlmann war nie religiös und ist es auch heute nicht. Dennoch hat er damals seine Lebenseinstellung geändert. "Ich habe gemerkt, dass ich viel Glück gehabt habe in meinem Leben und dass es Zeit ist, etwas zurückzugeben. Ich bin ja auch nicht toller als andere." Kuhlmann machte eine Weltreise, fotografierte Kinder und gründete die Initiative "Propheten", die Bildungsprojekte in Entwicklungsländern betreibt.
Mit seinem Talent - Zeichnen und Malen - hat Kuhlmann schon in jungen Jahren Karriere gemacht. Eigentlich wollte er Kunst studieren, war aber "an der einen Hochschule zu schlecht und an der anderen zu gut". So tingelte er nach dem Abi durch Ferien-Clubs, bevor er als Illustrator in der Düsseldorfer Werbeagentur BMZ anfing. Mit 21 Jahren gründete er seine erste eigene Agentur, machte Auftragszeichnungen, Modeprospekte und gestaltete Anzeigen. Später gründete er mit Partnern in Frankfurt die Agentur DSB+K. 80 Leute arbeiteten in der Villa an der Zeppelinallee, und Kuhlmann stieg zum Finanzchef auf. Der Verkauf an den Branchenriesen WPP brachte einen schönen Gewinn.
Mike Kuhlmann hat dann, statt nur seinen Wohlstand zu genießen, über corporate social responsibility nachgedacht. "Wir müssen teilen, sonst können wir nicht überleben", sagt er. Der Mann hat Mitgefühl, würden die Buddhisten sagen. Mitgefühl, nicht zu verwechseln mit Mitleid, ist die wichtigste Tugend in dieser Religion. Dass der nichtgläubige Kuhlmann schließlich doch mit den Buddhisten in Kontakt kam und jetzt den Dalai Lama-Besuch managt, hat mit seiner Frau Andrea zu tun. Zu Weihnachten hat sie ihm ein Gespräch mit Abt Thich Thien Son von der buddhistischen Pagode an der Hanauer Landstraße geschenkt. "Der hat mich dann gefragt, ob ich bei der Vorbereitung des Dalai-Lama-Besuchs helfen kann."
Ja hat er ohne zu Zögern gesagt und Plakate und Logos entworfen. "Der Dalai Lama ist ein sensationelles Vorbild für Frieden und Achtsamkeit, den sollte jeder mal gesehen haben", findet Kuhlmann. Ihm sei wichtig, dass Frankfurt diese Persönlichkeit gebührend empfange.
Nun ist Mike Kuhlmann nicht zum selbstlosen Gönner geworden, der sein Vermögen an die Armen verteilt. 1999 gründete er die Agentur Hab und Gut, er berät die Lufthansa und andere namhafte Firmen. Einige seiner Bilder hat Steffi Graf gekauft, die er "über eine Bekannte kennengelernt" hat. Das Loft in der Hanauer Landstraße lässt vermuten, dass auch dieses Kuhlmann-Projekt Geld abwirft. Das Tagesgeschäft aber spielt anscheinend nur noch eine Nebenrolle. Der Werber wirkt wohltätig. "Good Economy" nennt er das. Mit dem Eintracht-Präsidenten Peter Fischer ("Ein guter Freund") hat er nach dem Tsunami Schulen in Thailand gebaut und "Mofas gekauft, damit die Lehrer zur Schule fahren können". Mit der Wiesbadener Helene-Lange-Schule hat er 38 Schulen in Nepal eingerichtet.
Und nun der Dalai Lama. Kuhlmann ist inzwischen voll in die Vorbereitung eingestiegen, er hat die Leitung der eigens gegründeten Dalai Lama in Frankfurt GmbH übernommen. Während des Besuchs des Oberhaupts der Tibeter wird er sich im selben Hotel ein Zimmer nehmen auf eigene Kosten.
An seinem Schreibtisch sieht man ihn dagegen eher selten. Das antike Stück aus Eichenholz hat er bei einem Händler in der Braubachstraße erstanden. Wichtig war ihm dabei nur, "dass er alt ist. Ich wollte einen, der schon benutzt ist."

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