Das große Finale in der Oper fängt schon mit ungewöhnlichem Schauspiel auf der Straße an. 1600 Kinder mit weißen Baseballmützen pilgern in zwei Schichten zum Opernhaus, füllen lachend, lärmend, aufgekratzt und wuselig den Zuschauerraum bis in den zweiten Rang. Großes Finale für die Kinder des zweijährigen Primacanta-Musikunterrichts, der beim Singen lernen ansetzt, und den die Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, unterstützt von der Crespo Foundation, mit Schülern und Lehrern an inzwischen 55 Grundschulen der Stadt eingeführt hat.
Heute gibt es Musiktheater für sie, die mit stimmgewaltigen Konzerten auf dem Römerberg oder in der Alten Oper die Stadt zum Singen gebracht haben. Heute geben sich alle die Ehre, richtige Opernsänger, Papageno und Tamino aus der Zauberflöte, das Opern- und Museumsorchester mit Michael Clark, Dirigent und Leiter des Kinderchors der Oper. Der ist natürlich auch dabei, und die Primacanta-Leute rund um Projektleiter Felix Koch und - frenetisches Kreischen und Füßetrampeln - sogar die Wise Guys spielen mit. In echt. Deutschlands a capella-Popband Nummer eins.
"Halt, halt, wir haben jemand vergessen", schreit Felix Koch auf der Bühne mitten in die Orchesterprobe zur Zauberflöte: die Gäste natürlich. "Kinder, die zwei Jahre lang ganz toll Singen gelernt haben." Stichwort genügt, fast 1000 Kinder singen den Primacanta-Kanon, dass das Opernhaus bebt.
Und so machen schließlich alle mit bei der Geschichte um das verlorene Maskottchen von Opernheld Papageno. Am lautesten natürlich das Publikum. "Die haben uns ja glatt von der Bühne gefegt", sagen Dän Dickopf und Ferenc Husta von den Wise Guys nach der Vorstellung. Dass ihr Publikum so laut, so textsicher und tonal perfekt ihren Hit "Jetzt ist Sommer" mitsingt, haben die Guys jedenfalls noch nie erlebt.
"Absolut toll", sagt Dän, "ein fantastisches Projekt". Die Kölner Stimmen-Stars haben 2009 denn auch nicht lange überlegt, ob sie Paten für das Primacanta-Konzept werden wollten. "In unserer Generation hat man in der Schule ja kaum noch gesungen, unsere Kinder noch weniger", sagt Dän. Umso genialer sei es, dass in Frankfurt mit Beginn der dritten Primacanta-Staffel nach den Ferien fast alle Grundschulen mitmachen und Lehrer geschult werden, den Kindern Musik erst mal durch Singen, Stimmbildung, Rhythmik und Metrik nahe zu bringen. Und vielleicht, sagt Dän, funktioniert die Idee ja, dass sich ausgehend von den Kindern irgendwann etwas in der Stadt verändert, ein neues Bewusstsein für Musik und Kultur entsteht. "Die Idee finde ich jedenfalls super." Primacanta-Projektleiter Felix Koch und die Geschäftsführerin der Crespo Foundation finden es noch viel toller, dass Primacanta gewissermaßen aus dem Stand zum Erfolgsmodell geworden ist.
"Die Kinder haben hörbar ihren Tonraum erweitert, können mühelos von Brust- in die Kopfstimme wechseln und singen richtig schön", schwärmt Koch. Das hat selbst Kultusministerin Dorothea Henzler bei einem Konzert in der Alten Oper überzeugt. Sie will Primacanta jetzt hessenweit einführen. Die Gespräche laufen. R4

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