Herr Kahl, Sie sind Wirtschaftinformatiker und Mitarbeiter des Projekts Picos, das sich mit Online-Communities beschäftigt. Worum geht es dabei?
Online-Communities sind soziale Netzwerke, die zunehmend beliebter werden. Dazu gehören Facebook, StudiVZ und andere Plattformen, aber auch Browserspiele wie "Travian" oder "World of Warcraft". Ihre Nutzer werden immer mobiler. Daher gibt es einen Trend zu Communities, die besonders für Geräte wie Handy oder kompakte Computer - so genannte Personal Digital Assistents - entwickelt wurden. Wir nennen sie Mobile Communities. Sie stehen im Mittelpunkt von Picos.
Christian Kahl, 26, ist seit September 2007 wissenschaftlicher Mitarbeiter des T-Mobile Stiftungslehrstuhls für "Mobile Business & Multilateral Security" an der Goethe- Universität. Er ist Mitglied eines dreiköpfigen Teams von Wissenschaftlern, das unter Leitung des Professors Kai Rannenberg das Projekt "Picos" betreut.
An "Picos" beteiligt sind zehn weitere Partner aus Forschung und Industrie, darunter T-Mobile. Das Projekt läuft drei Jahre, die EU finanziert es mit.
Wer nutzt diese Communities?
Sie werden vorrangig von Leuten genutzt, während sie unterwegs sind. Mit Hilfe der mobilen Geräte können Interessierte heute ganz unabhängig von Ort und Zeit teilhaben. In einem ersten Schritt haben wir zunächst ermittelt, was es für verschiedene Communities gibt und wie diese sich kategorisieren lassen. Im nächsten Schritt sind wir dabei zu untersuchen, welche Anforderungen die Mitglieder an eine Mobile Community stellen. Wie die Anbieter diesen Anforderungen gerecht werden können, ist unsere nächste Aufgabe.
Wie untersuchen Sie diese Plattformen im Netz?
Online Communities wie StudiVZ oder Xing lassen sich nicht ohne weiteres auf mobile Geräte übertragen. Daher untersuchen wir spezielle Mobile-Communities anhand von beispielhaften Nutzergruppen. Beispielsweise nehmen wir besonders das Strategie-Browserspiel "Travian" unter die Lupe.
Welche Herausforderungen ergeben sich für die Wissenschaftler dieses neuen Forschungsgebiets?
Wir verfolgen mit Interesse die neuen Nutzungsmöglichkeiten, die diese Communities bieten. Genauso wollen wir aber auch die Gefahren und Probleme erforschen, die sich dadurch ergeben. Etwa im Hinblick auf den Schutz der Nutzerdaten und die Privatsphäre der Nutzer.
Wo sehen Sie eine Gefahr?
Die Privatsphäre soll durch erweiterten Datenschutz besser geschützt werden. Wer sich in Communities wie Myspace bewegt, gibt gezielt Informationen von sich preis, wie Fotos oder den Musikgeschmack. Bisher gibt es kaum Möglichkeiten zu kontrollieren, welcher Nutzer zu diesen Informationen Zugang hat. Bei StudiVZ beispielsweise kann man einstellen, wer zu seinen Freunden zählt und wer nicht. Nur Freunde dürfen dann bestimmte Informationen sehen. Solche Einstellungen sollen ausgebaut werden, so dass der Nutzer eine bessere Kontrolle über seine Informationen hat und noch genauer differenzieren kann wer Zugang dazu hat. Daher binden wir neben Community-Nutzern und Betreibern auch Mobilfunkanbieter und Technikanbieter mit ein, um die Communities weiterzuentwickeln.
Welche Vorteile soll ein Nutzer in Zukunft haben?
Es gibt Mobile Communities, wie etwa die amerikanische Community Loopt, die speziell für mobile Geräte entwickelt wurden und es möglich machen, Ortsinformationen anzugeben. Dort kann man beispielsweise auf einer Karte sehen, wer von seinen Freunden sich gerade wo aufhält. Die Gefahr dabei ist, dass auch andere Zugang zu derartigen Informationen haben könnten. Eine Möglichkeit dazu wäre die Einführung eines Systems, mit dem Nutzer sich gegenseitig bewerten können, wie dies zum Beispiel bei Ebay möglich ist. Gerade für Mobile-Onlinespieler ist es wichtig, sich auf andere Mitglieder verlassen zu können, denn viele Online-Spiele setzen Teamarbeit voraus.
Interview: Kathrin Ahäuser

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