Nach Verlusten von 621 000 Euro mit einem Anlagepapier der isländischen Kaupthing-Bank will sich die Spitze der Kasseler Industrie- und Handelskammer (IHK) strengere Regeln für künftige Geldgeschäfte auferlegen. Eine Sondersitzung der IHK-Vollversammlung sollte am Donnerstagnachmittag über die geplante Anlagerichtlinie entscheiden. Bei Redaktionsschluss dauerten die Diskussionen noch an. Kammerpräsident Martin Viessmann betonte zu Beginn der Sitzung, bei den Anlagen habe man nach menschlichem Ermessen keine Risiken erkennen können.
Wie viele andere Anleger, hatte die IHK durch die Finanzmarktkrise Geld in Island verloren. Insgesamt seien im Jahr 2005 rund 780 000 Euro in die Anlage bei der Kaupthing-Bank investiert worden, sagte IHK-Sprecher Walter Ruß gestern vor der Sitzung. Rund 160 000 Euro habe man mit dieser Anlage an Zinsen eingenommen. Das Papier sei damals von einer maßgeblichen Ratingagentur als "problemfrei" eingestuft worden.
Wird die neue Richtlinie verabschiedet, kann die IHK nach Aussagen von Ruß künftig nur noch Geld in deutschen Papieren mit dem Rating AAA anlegen. Als Währung soll ausschließlich der Euro zugelassen sein, und das Geld dürfe nur für maximal fünf Jahre angelegt werden. Außerdem soll eine neu zu gründende Anlagekommission die hauptamtlichen IHK-Vertreter bei Geldanlagen beraten und darauf achten, dass die Richtlinie auch eingehalten wird.
Offenbar will die Kammer einen offenen und konsequenten Umgang mit dem Anlagedebakel demonstrieren. IHK-Kritiker Kai Boeddinghaus hatte Vorwürfe gegen die Führung erhoben. In der März-Ausgabe der Kammer-Zeitschrift "Wirtschaft Nordhessen" kommt der Reisebürounternehmer und Stadtverordnete der Linken zu Wort. Boeddinghaus wirft der Kammer vor, in ihrem Portfolio befinde sich noch immer ein Papier, das "im Rating noch schlechter als spekulativ' eingestuft war".

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