Die dicke Rechnung kommt zum Schluss, davon ist Katinka Poensgen von der Frankfurter IG Metall überzeugt. Die Gewerkschafterin befürchtet, dass es bald nach der Bundestagswahl im September 2009 zu Massenentlassungen in zahlreichen Betrieben kommen wird. Spätestens dann schlage die Wirtschaftskrise voll auf die Arbeitnehmer durch, so Poensgen.
Unter dem Motto "Wir zahlen nicht für eure Krise" ruft jetzt ein breites Bündnis von gewerkschaftlichen, politischen und sozialen Bewegungen für Samstag, 28. März, zu Protesten in Berlin und in Frankfurt auf. Die Beteiligten wünschen sich ein anderes Wirtschafts- und Finanzsystem, wollen die Verluste einzelner Banken und Unternehmen nicht sozialisiert sehen und ihre Ablehnung der aktuellen Politik auf die Straße tragen.
Bisherige Lösungen führen nur in die Irre
Werner Rätz von der Organisation attac ist der Meinung, dass die bisherigen Lösungsvorschläge für die Krise allesamt in die Irre führen, er sieht in ihnen keinen Beitrag zur sozialen Gerechtigkeit. Jochen Nagel von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft pflichtet ihm bei, er verweist auf die vergleichsweise niedrigen Bildungsausgaben in Deutschland, auf diesem Gebiet sieht er massiven Nachholbedarf. Zwar sei er nicht grundsätzlich gegen die staatliche Rettung einzelner Unternehmen, betont der Pädagoge, es sei aber schon mehr als verwunderlich, warum Geld, welches an den Schulen und Universitäten seit Jahren fehle, ohne jede Diskussion in die maroden Banken fließe.
Die Veranstalter rechnen am kommenden Samstag allein in Frankfurt mit über 20.000 Teilnehmern. Gemeinsam will man von zwei Startpunkten aus zum Römerberg ziehen. Um 12 Uhr geht es am Hauptbahnhof und an der Bockenheimer Warte los, Redner der verschiedenen beteiligten Gruppen wenden sich dort in kurzen Beiträgen an die Teilnehmer. Um 15 Uhr beginnt dann die große Abschlusskundgebung auf dem Römerberg, dort sprechen dann unter anderem Jutta Sundermann von attac und Oskar Lafontaine, Vorsitzender der Partei Die Linke, zum Publikum.
Kirchengruppen und Grüne marschieren mit
Mitorganisator Willi van Ooyen (Die Linke) zeigte sich am Donnerstagmorgen sehr zufrieden mit dem bisherigen Stand der Rückmeldungen. Er freue sich, dass man zuletzt auch einige kirchliche Gruppen und Umweltorganisationen sowie die Grünen zur Unterstützung der Demo gewonnen habe. Sogar Banker sollen am Samstag mitdemonstrieren: Angestellte der großen Frankfurter Finanzhäuser haben sich über ihre gewerkschaftlichen Vertrauensleute angekündigt, sie sehen sich inzwischen auch von der Krise betroffen.
Die Demonstration "Wir zahlen nicht für eure Krise" soll nach dem Willen der Veranstalter erst der Auftakt zu einer ganzen Reihe von Veranstaltungen sein. Am 1. Mai möchte man durch das Frankfurter Bankenviertel ziehen, für den 17. Juni ist ein großer Bildungsstreik an Schulen und Hochschulen geplant. Vertreter der Schüler und Studenten werden bereits am Samstag erwartet, sie wollen ihre Ideen und Konzepte vor einem großen Publikum präsentieren. Auch sie möchten nicht diejenigen sein, die am Ende die Rechnung tragen müssen.

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