Zu Demografie fällt den Meisten gleich Schrumpfen ein. "Sobald in Deutschland die Rede auf die Entwicklung der Bevölkerung kommt", gibt Carsten Große Starmann zu bedenken, "entwirft man ein Horroszenario." Das führe dazu, dass jedes weitere Nachdenken im Entsetzen darüber stecken bleibe, dass der rapide Alterungsprozess allein als Katastrophe gedeutet werde.
"Wir brauchen aber ein konstruktives Nachdenken", fordert der Projektleiter von der Bertelsmann Stiftung am Dienstag in Frankfurt und empfiehlt: "Man muss in den Kommunen genau hinsehen, um zu verstehen, was demografisch wirklich passiert." Dann könne man nicht allein zu dem Ergebnis kommen, dass die großen Städte allenfalls wenig altern und sicherlich nicht schrumpfen, dann müsse man sich vielmehr konkret überlegen, was das für die Bildungspolitik wie für die örtliche Wirtschaftsförderung bedeute.
Während Hessen bis 2025 um 124000 Menschen schrumft und dann nur noch 5,95 Millionen Einwohner zählt, legt Frankfurt am Main zu: kontinuierlich um 1,5 Prozent.
Der Wegweiser Kommune, den die Bertelsmann Stiftung für Bürger und Kommunalpolitiker anbietet, weist diesen Trend für die kommenden zwei Jahrzehnte aus.
Insgesamt 5000 Kommunen finden sich auf dieser Internet-Plattform, mit der sich die demografische Entwicklung skizzieren lässt.
Große Starmann hat auch in Frankfurt genau hingeschaut. In dem von seiner Stiftung herausgegebenen "Wegweiser Kommune", einem demografischen Bericht für die Jahre bis 2025, stellt er fest, dass die Zahl jüngerer Arbeitnehmer in den kommenden zwei Jahrzehnten eher zurückgeht, während der Anteil älterer Arbeitnehmer wächst. Die Schlussfolgerung liegt für den Projektleiter auf der Hand: "Die Älteren werden immer wichtiger", allein Frankfurts Mittelstand habe dieses Potenzial bislang nicht in seinem Fokus.
Vom Schrumpfen kann in der Mainmetropole bis 2025 gar keine Rede sein. Das kontinuierliche Bevölkerungswachstum werde sich fortsetzen, mit einem jährlichen Plus von 1,5 Prozent lasse sich mindestens rechnen. Das lässt sich über andere Städte in dem insgesamt um zwei Prozent schrumpfenden Hessen nicht sagen. So muss Eschwege von einem Minus von gut zehn Prozent ausgehen.
In der Generation der 22- bis 35-Jährigen steckt Potential
Frankfurts Zuwächse lassen sich vor allem darauf zurückführen, was Große Starmann "Bildungswanderung" nennt: Gemeint sind 18- bis 24-Jährige, die in die Stadt kommen, um eine Ausbildung zu machen oder sich an der Universität einzuschreiben. Auch in der so genannten Elterngeneration, der 22- bis 35-Jährigen, muss die Stadt perspektivisch mit ganz erheblichen Zuwächsen rechnen, aus denen "sich ein ganz großes Potenzial" ergebe. Und Verpflichtung, wenn diese Eltern dafür sorgen, dass die Drei- bis Fünfjährigen um acht Prozent auf 18 700 anwachsen. Eine Entwicklung wider den Landestrend, der eine negative Entwicklung bei Kleinkindern markiert.
Für "die Bertelsmänner", die sich um eine angemessene Aufmerksamkeit für die demografische Entwicklung bemühen, liefert die wachsende Zahl der Kleinkinder in der Großstadt einen deutlichen Hinweis darauf, wie sich "politische Handlungsfelder verändern", wie Bildung "zunehmend ein kommunalpolitisches Thema" werde. Insofern sei auch ein Nachdenken über politische Kompetenzen geboten.
Zumal es wachsenden Städten auch an Selbstbewusstsein nicht mangeln dürfte, weil sie doch Orte der Jungen bleiben. Um das zu belegen, wählen die Gütersloher Forscher den Medianwert, das Alter also, von dem aus sich zwei gleich große Bevölkerungsgruppen bilden lassen. In Frankfurt liegt diese Größe 2025 bei 41,7 Jahren. Jünger ist nur die unmittelbare Nachbarstadt: In Offenbach liegt der Wert bei 39,9 Jahren.

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