Es liegen nur knapp 50 Meter zwischen ihnen - und eine massive Polizeikette. Auf der einen Seite, im Südosten des Opernplatzes, stehen rund 150 Menschen. Sie rufen: "Terrorstaat Israel" und "Ist die Welt denn taub und stumm - Israel bringt Kinder um". Jenseits des Großaufgebots von Polizisten in Kampfanzügen - in der Mitte des Opernplatzes - bekunden rund 1500 Menschen ihre Solidarität mit Israel. Auf ihren Plakaten steht "Israel - We stand with You". Immer wieder rufen sie "Israel, Israel".
Es ist ein hektischer Sonntagmittag in der Innenstadt. Seitdem mehrere jüdische Organisationen, darunter der Zentralrat der Juden in Deutschland, die Solidaritätskundgebung angekündigt hatten, war die Frankfurter Polizei in Alarmbereitschaft. Denn Aufrufe zu Gegendemonstrationen ließen nicht lange auf sich warten. Auf Internetseiten von arabischen Organisationen in Deutschland sei auch Gewalt propagiert worden. "Bringt Schlagstöcke mit", habe es im Netz geheißen, berichtet ein Ordner bei der pro-israelischen Kundgebung.
Entsprechend groß ist die Präsenz der Polizei. Auf der Bockenheimer Landstraße und der Taunusanlage stehen Dutzende von Mannschaftswagen Stoßstange an Stoßstange, mehrere Eingänge zur U-Bahnstation sind gesperrt, der gesamte Opernplatz ist von einer Polizeikette umgeben. Wer zur Demonstration will, muss sich abtasten lassen, Rucksäcke und Handtaschen werden durchsucht. Am frühen Nachmittag gibt Polizeisprecher Manfred Vonhausen schließlich Entwarnung: Beide Versammlungen lösen sich auf, abgesehen von heftigen verbalen Scharmützeln ist nichts passiert.
Prominentester Redner auf dem Opernplatz ist Michel Friedman, der von 2000 bis 2003 stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden war. Auch Israel habe das Recht, sich zu wehren, ruft er: "Das wird es nie mehr geben, dass das jüdische Volk sich nicht selbst verteidigt." Die Hamas verstecke sich hinter Frauen und Kindern, sagt Friedman und schimpft über die "geheuchelte Solidarität der arabischen Welt". Nicht Israel sei der Feind Palästinas. Vielmehr sei das Land zu einem "Spielball des arabischen Machtkampfes" zwischen Iran, Ägypten und Syrien geworden. Die westlichen Staaten, so fordert Friedman, sollten in dieser Situation nicht vergessen, dass auch sie unter "radikalislamischen Terror"zu leiden hätten.
An die Adresse der Gegendemonstranten gerichtet, ruft Friedman: "Die Fahne der Hamas und der Hisbollah steht für Hass, Mord und Gewalt. Schämen Sie sich!" Israel sei das einzige Land im Nahen Osten, auf das sich Deutschland verlassen könne. Er habe die Hoffnung, dass sich Israel auch auf Deutschland verlassen könne.
Heiko Beerbaum ist begeistert von Friedmans Auftritt. Der 18 Jahre alte Gymnasiast gibt zu, dass er den früheren TV-Moderator nie habe leiden können. "Der kam immer so arrogant rüber." Auf dem Opernplatz habe Friedman aber gesagt, "was Sache ist". Israel könne sich nicht länger von der Hamas beschießen lassen.
Ganz anders sieht das Denis Organ, in Frankfurt geborener Türke, der auf der anderen Seite des Opernplatzes steht. "Israel bringt Kinder um", sagt der Student. Er wolle nicht falsch verstanden werden, er sei kein Freund von Terroristen, betont er. Aber: Das Vorgehen von Israel sei schlicht "völkerrechtswidrig".
Rund anderthalb Stunden dauert die Kundgebung auf dem Opernplatz, bei der den Opfern des Krieges gedacht und - unter lauten Protesten der Palästinenser und ihrer Freunde - die israelische Nationalhymne gespielt wird. Auf dem Weg zur U-Bahn schreien sich pro-israelische und pro-palästinensische Demonstranten noch einmal an. "Haut ab" und "Mörder, Mörder" ist zu hören, dann leert sich die Innenstadt - und Hundertschaften von durchgefrorenen Polizisten steigen in ihre Autos und fahren davon.

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