kalaydo.de Anzeigen

Der Dalai Lama in Frankfurt: Das Lächeln soll bleiben

In der Pagode "Phat Hue" im Frankfurter Ostend fiebern die Mönche der Ankunft des geistigen Führers der Tibeter entgegen. Den prominenten Besuch empfinden sie als wichtig für die Stadt: Frankfurt sei ein Energiepunkt in Europa. Von Astrid Ludwig

Abt Thich Thien Son in seiner Pagode im Frankfurter Ostend.
Abt Thich Thien Son in seiner Pagode im Frankfurter Ostend.
Foto: FR/Arnold

Leise Musik erfüllt die große Halle. Perlende, beruhigende Töne dringen ans Ohr und ein Duftgemisch aus Räucherstäbchen und asiatischem Curry umschmeichelt die Nase. Die nackten Füße versinken im dicken Flor des Teppichs, das Auge blickt auf ein Meer aus orangefarbenen Kerzen und gelben Blumen. Der Meditationssaal der Frankfurter Pagode "Phat Hue" an der Hanauer Landstraße ist ein Ort für alle Sinne.

Buddha-Halle nennt die vietnamesische Zen-Gemeinde den größten Raum des Zentrums. Hunderte kleine Figuren des "Erleuchteten" säumen auf einem Sockel an der Wand den Weg zum Heiligsten. Sechs mannshohe, goldglänzende Buddhas füllen die Stirnwand. Sie symbolisieren buddhistische Tugenden wie Weisheit und Mitgefühl. Hierher zieht sich Thich Thien Son, Abt des Klosters, zur Meditation zurück. Doch schon seit Tagen erfüllt zunehmend Nervosität die Mönche und Mitglieder der Pagode. Der Dalai Lama kommt. Das Oberhaupt der Tibeter besucht Frankfurt vom 30. Juli bis 2. August.

Das Programm

Der Dalai Lama besucht vom 30. Juli bis 2. August Frankfurt. Das Oberhaupt der Tibeter ist auf Europareise. In keiner anderen europäischen Stadt hält er sich so lange auf wie in Frankfurt. Ursprünglich sollte der Dalai Lama statt der nun vier sogar sieben Tage bleiben.

Veranstalter sind die Frankfurter Pagode Phat Hue, das Tibet-Haus und die Deutsche Buddhistische Union.

Das Programm ist weit gefächert. An den vier Tagen wird der Tibeter in der WM-Arena ab 9.30 Uhr Vorträge über die Kunst des Lebens halten. Er gibt Unterweisungen in der buddhistischen Lehre, segnet seine Anhänger und debattiert mit Wissenschaftlern über aktuelle Themen wie Wirtschaft und Ethik und Hirnforschung. Ein Konzert mit Künstlern, die für den Dalai Lama singen, ist für Samstag, 1. August, geplant

Die Veranstalter rechnen mit 10.000 Gästen am Tag. Bisher sind rund 30.000 Karten für alle vier Tage verkauft. Karten gibt es ab 29 Euro und bis 240 Euro noch an der Tages- und Abendkasse am Stadion, Eingang E 1, E 2, E 5, geöffnet von 8 bis 19 Uhr.

Die Kosten übernehmen die Veranstalter und Sponsoren, sie liegen bei rund 1,6 Millionen Euro. Es gibt umfangreiche Sicherheitsvorkehrungen.

Weitere Informationen und Tickets unter www.dalailama-frankfurt.de oder Tel: 0180-54470111.

In der Pagode Phat Hue
In der Pagode Phat Hue
Foto: FR/Arnold

"Ich bin aufgeregt", räumt Thich Thien Son trotz buddhistischer Gelassenheit ein. Der Vietnamese in der dunkelbraunen Ordenstracht hat den Dalai Lama in die Stadt geholt. Er ist der Initiator des Ereignisses, zu dem täglich 10.000 Besucher im Stadion erwartet werden. Vor fünf Jahren bereits hat Thich Thien Son "Seine Heiligkeit" im nordindischen Exil Dharamsala persönlich aufgesucht. Dort sprach er erstmals die Einladung nach Frankfurt aus, doch der Dalai Lama lehnte ab. Erst müssten sich die verschiedenen buddhistischen Organisationen im Rhein-Main-Gebiet für einen solchen Besuch zusammentun. Das ist nun geschehen. Die Pagode Phat Hue, das Tibethaus Deutschland und die Deutsche Buddhistische Union machen gemeinsame Sache. "Seine Heiligkeit hat die Einigkeit und das ernsthafte Bemühen gespürt und zugesagt", sagt Son.

"Impulse für den Frieden"

In der Pagode Phat Hue.
In der Pagode Phat Hue.
Foto: FR/Arnold

Für den Zen-Meister ist der Dalai Lama nicht nur Vorbild. Er erhofft sich von seinem Besuch "Impulse für den Frieden". "Frankfurt ist ein wichtiger Anziehungspunkt in Europa, ein Energiepunkt", sagt der Abt. Den Vietnamesen und sein tibetisches Vorbild verbindet jedoch noch mehr: Beide sind Flüchtlinge. Der 43-Jährige wurde in Saigon geboren. Mit acht Jahren trat er dem Lin-Chi-Orden in seinem Heimatland bei, mit zwölf Jahren musste er mit Mutter und drei Brüdern fliehen. Aus politischen und religiösen Gründen: "Mein Vater saß im Gefängnis." Sons Familie hatte mit den Amerikanern kooperiert. Sechs Fluchtversuche scheiterten, der siebte endete fast tödlich.

Der Abt gehört zu den Flüchtlingen, die in den 70er Jahren als "Boatpeople" bekannt wurden. Sieben Tage hatte die Familie in einem Boot auf dem Meer getrieben. "Wasser und Nahrung waren aufgebraucht", erinnert sich Son. Gerettet wurden sie vom legendären Frachter "Cap Anamur". Der Mann mit der ruhigen Stimme und den sanften Augen strandete in Singapur, dann in Düsseldorf und später in Hannover. Seiner Religion und dem Lin-Chi-Orden, einer vietnamesischen Zen-Richtung des Buddhismus, blieb er treu. 2002 kam er nach Frankfurt und gründete die Pagode Phat Hue.

Achtsamkeit und Bewusstsein

Ihr gehören rund 7000 Mitglieder an, heute die größte buddhistische Gemeinde in der Stadt. Das Haus in der Hanauer Landstraße ist Kloster, Begegnungsort, Gesundheits- und Sozialzentrum zugleich. Die meisten Besucher sind Vietnamesen, "aber es kommen auch immer mehr Deutsche", erzählt der Abt. "Viele wollen ihre Probleme verstehen und lernen, wie sie damit umgehen sollen. Sie suchen eine neue Perspektive." Achtsamkeit und ein bewusstes Leben, das ist es, was der Abt vermitteln will. "Man muss die Aufmerksamkeit nicht nach außen, sondern nach innen richten." Der Zen-Meister nennt es, die "kleinen Oasen im Alltag" zu finden, "sein inneres und geistiges Spa".

Ständig im Haus leben derzeit 25 Mönche und Nonnen. Auf den Fluren wird Englisch, Deutsch oder auch Vietnamesisch gesprochen. Seit drei Jahren gehört die 48-jährige Hue Nghiem dazu. Die Nonne mit kahlgeschorenem Kopf und braunem Gewand heißt mit bürgerlichem Namen Martina Glaubitz. Sie fand bei einer Dienstreise in Asien zum Buddhismus. "Ich habe Antworten auf meine Fragen gefunden", sagt sie. Den Dalai Lama wird sie das zweite Mal treffen. "Er ist sehr menschlich, sehr beeindruckend. Man kann ihm sehr nah sein." Sie freut sich auf ihn, sie hofft, dass etwas von seiner Kraft und seinem Lächeln in Frankfurt bleiben.

Initiator Thich Thien Son hofft auf viele Besucher. Der Aufenthalt seiner Heiligkeit kostet die Veranstalter rund 1,6 Millionen Euro. Die Eintrittskarten sind für 29 bis zu saftigen 230 Euro zu haben. "Wir müssen viele Tickets verkaufen", sagt der Abt, dessen Name übersetzt "der gutmütige Berg" heißt. Und ein Berg ist schwer zu erschüttern.

Autor:  Astrid Ludwig
Datum:  24 | 7 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Regionale Startseite
Ressort

Von Wiesbaden über Frankfurt bis Hanau - Die Stadt und die Region auf einen Blick


Nachrichten aus der Region

Anzeige

 
Spezial

Die heiße Phase naht: Termine, Reportagen, Bilder - vom Kinderfasching bis zur Prunksitzung.

Fastnacht in Rhein-Main
        

In den Clubs könnte die Schwester  auffallen.
Fasching in Mainz 
Rednerschule: Karl Oertl bringt Fastnachtern bei, wie man eine Büttenrede hält. In der Bütt: Patrick Fiederer
Fassenacht in Frankfurt 

Anzeige

Spezial
Beschäftigte des Druckmaschinen-Herstellers Manroland demonstrieren vor der Allianz-Niederlassung in Frankfurt. Allianz und MAN haben dem angeschlagenen Konzern den Geldhahn zugedreht.

Offenbach bangt um einen großen Arbeitgeber: Die Krise beim insolventen Druckmaschinen-Hersteller Manroland.

Social Media
Unser Twitter-Ticker für Frankfurt und Rhein-Main.

 

Facebook | Twitter überregional | Google+
Was bedeutet das hier? FR@Social Media!

Anzeige

Spezial
Wer zieht im März in den Römer ein?

Wer folgt Petra Roth? Mitte März wählt Frankfurt einen neuen OB. Alles über die Kandidaten im Spezial.

OB-Wahl in Frankfurt
        

Rechnet mit einer Stichwahl: Ursula Fechter.
FAG-Kandidatin Fechter 
Das zentrale Themenplakat der Piraten (für ganzes Bild bitte klicken).
Piraten in Frankfurt 
OB-Bewerber Oliver Maria Schmitt setzt sich für ein nichtraucherfreies Frankfurt ein.
OB-Wahl Frankfurt 
        

Ganz großes grünes Kino: OB-Kandidatin  Heilig und der Berliner Fraktionsvorsitzende  Trittin in der Harmonie.
OB-Wahlkampf bei den Grünen 
Boris Rhein hat auf Facebook einen falschen Freund abgekriegt: einem stadtbekannten Rechtsextremen aus Maintal.
Frankfurter OB-Wahlkampf im Internet 
Altenhilfe der FR

Spendenkonten, Bankverbindung, Online-spenden und Informationen zu Spendenquittungen.

Top Stellenangebote
Spezial

Mit gutem Gewissen investieren und gleichzeitig Geld verdienen? Die FR schaut, wie erfolgreich Firmen und Fonds dabei sind.

Spezial

Der Ausbau des Flughafens ist in der Region heftig umstritten. Die FR-Serie informiert über die Landebahn.

Fotostrecke 1. Derpart Familien-Reise-Tag
Meistgeklickt
Dafür hat sie gelebt: Whitney Houston bei den American Musik Award 2009.
Pop-Ikone in Beverly Hills gestorben 
BKA-Gebäude (Archivbild),
Zwickauer Neonazi-Trio 
Die Internetgemeinde ist zornig - denn hinter dem Urheberrechtsabkommen ACTA - das offiziell gegen Piraterie helfen soll - vermuten sie einen Angriff auf die Meinungsfreiheit und Zensur.
Protest gegen Urheberrechtsabkommen ACTA 
        

Darf er mal ran? Friend im Zwiegespräch mit Trainer Veh.
Abschlusstraining der Eintracht 
Marktplatz

"Wir wünschen uns einen großen Garten um unser Frühlingsglück zu genießen." Über 25.000 Bauplatz- und 6.000 Baugebiet-Angeboten.