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Der Fall Emig: Neue Fragen zur Rolle des Hessischen Rundfunks

Laut Ironman-Veranstalter Kurt Denk soll die hessische Landesregierung über die Höhe der Produktionskostenzuschüsse gewusst haben.

Frankfurt a.M. (epd) - Der Strafprozess gegen den früheren Sportchef des Hessischen Rundfunks (HR), Jürgen Emig, hat neue Fragen zur Rolle des Senders in der Korruptionsaffäre aufgeworfen.

Kurt Denk, Veranstalter des Triathlon-Rennens Ironman Frankfurt, sagte am Mittwoch als Zeuge vor dem Landgericht Frankfurt, dass er sich im Jahr 2003 bei der hessischen Landesregierung über die Höhe der von Emig geforderten Produktionskostenzuschüsse beschwert habe. Die Regierung habe das Schreiben an HR-Intendant Helmut Reitze weitergeleitet, der ihm dann geantwortet habe, sagte Denk.

Im Jahr 2003 hatte Denk als Veranstalter des Ironman einen Kostenzuschuss in Höhe von 95.000 Euro an die zwischengeschaltete Agentur SMP geleistet, bei der Emigs Ehefrau stille Teilhaberin war. SMP soll laut Anklage jedoch nur 30.000 Euro an den HR weitergeleitet haben. Denk sagte vor dem Landgericht, er habe sich an die Landesregierung als Aufsichtsinstanz gewandt, nachdem er erfahren habe, dass der Veranstalter des Triathlons in Hamburg wesentlich weniger Geld an den NDR gezahlt hatte.

HR-Intendant Reitze führte in seinem Antwortschreiben aus, der HR verfüge nicht über die finanziellen Möglichkeiten des NDR. Eine umfangreiche Live-Berichterstattung über den Ironman gehe weit über den journalistischen Grundversorgungsauftrag hinaus und könne nur durch Beistellungen des Veranstalters gesichert werden, erklärte Reitze in dem Schreiben, das der Vorsitzende Richter Christopher Erhard verlas.

Denk bestätigte, dass er in seinem Beschwerdeschreiben den geforderten Betrag mit "fast 100.000 Euro" angegeben hatte. Weil Reitze in seiner Antwort diese Summe nicht in Zweifel gezogen habe, sei er davon ausgegangen, "dass die Oberen beim HR Bescheid wussten".

Der HR hatte bisher stets erklärt, erst durch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen im Jahr 2005 von der großen Differenz erfahren zu haben, die bei SMP verblieb. Unter Verweis auf das laufende Verfahren wollte der Sender die Zeugenaussagen nicht kommentieren. Die hessische Landesregierung, die der Zeuge als Rechtsaufsicht über den HR kontaktiert hatte, erklärte, der Vorgang aus dem Jahr 2003 sei nicht auffindbar.

Nach dem Ausscheiden Emigs als HR-Sportchef sei im Jahr 2004 eine Beistellung in Höhe von 78.000 Euro direkt an den HR gezahlt worden, sagte Denk. Im Herbst 2004 habe die Revision des HR um Akteneinsicht bei seiner Veranstaltungsfirma Xdream im Zusammenhang mit den Ironman-Verträgen gebeten. Diese sei den persönlich erschienenen Mitarbeitern des HR auch gewährt worden. Seit 2006 zahle man für Ironman-Übertragungen des HR gar keine Beistellungen mehr.

Die Anklage gegen Emig lautet unter anderem auf Bestechlichkeit, Betrug und Untreue. Laut Staatsanwaltschaft soll der Journalist vornehmlich über Gewinnausschüttungen der SMP Schmiergelder in Höhe von mehr als 600.000 Euro für die bevorzugte Fernseh-Übertragung von Sportereignissen erhalten haben. Mitangeklagt ist der frühere SMP-Geschäftsführer Harald Frahm.

Datum:  20 | 8 | 2008
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