Die Teilnehmer der Betriebsversammlung berichten hinterher, dass es "so voll war wie nie". Was Wunder, geht es beim traditionsreichen Suhrkamp-Verlag am Mittwoch doch ums Ganze: Um die Zukunft des Unternehmens, um die Frage, ob es seinen Stammsitz in Frankfurt aufgibt und dem Lockruf der Bundeshauptstadt nach Berlin folgt.
Also sind fast sämtliche 160 Mitarbeiter zur Versammlung erschienen. Sie erfahren freilich nichts Definitives. Noch nicht: "Wir rechnen damit, dass die Entscheidung im Laufe der nächsten Woche fällt", erzählen Beschäftigte. Suhrkamp-Sprecherin Tanja Pospischiel bestätigt am Nachmittag : "Es gibt bald eine Entscheidung".
Die meisten Mitarbeiter lehnen einen Umzug nach Berlin ab
Der Suhrkamp-Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Schneider will "nicht an die Öffentlichkeit gehen, um dem Unternehmen nicht zu schaden". Bei den Mitarbeitern, die mit großer Mehrheit einen Umzug in die Bundeshauptstadt ablehnen, gibt es die Hoffnung, dass das Lockangebot des armen Berlins mit Hilfe von Steuergeld aus dem Länderfinanzausgleich doch als zu schamlos empfunden wird, um es anzunehmen.
Die Stadt Frankfurt versuchtmit Nachdruck, einen Abzug Suhrkamps zu verhindern, kann aber freilich kein finanzielles Angebot unterbreiten. Der Verlag sitzt im Westend auf eigenem Grundstück und hat an die die Kommune auch keine Forderungen gerichtet. Wie im Römer zu hören ist, hat es ein Treffen von Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) mit Verlegerin Ulla Berkewicz gegeben. Semmelroth wird dabei auf die große kulturelle Tradition in Frankfurt und die kulturpolitische Bedeutung verwiesen haben.

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