Erika Mohs sieht es entspannt, dass es ihrem Verein „Frauen nach Tschernobyl“ an Nachwuchs mangelt. „Das ist doch normal, die Jüngeren sind in Organisationen wie ,ausgestrahlt’ aktiv“, sagt die Vorsitzende. „Vor 25 Jahren, als unsere Arbeit begann, waren wir alle junge Mütter, jetzt sind wir im Schnitt 55 bis 65 Jahre alt.“ Auch Mohs kann nicht leugnen, dass sie nicht mehr die Allerjüngste ist. „Ich werde 70, ich merke das, ich habe nicht mehr dieselbe Spannkraft.“
Die Aufregung damals nach der Reaktorkatastrophe sei sehr frauenlastig gewesen. Der Kasseler Verein ist immer noch eine reine Frauengruppe, sein Name versteht sich zeitlich und örtlich.
Zwölfmal, bis 2004, wurden Kinder aus dem weißrussischen Gomel und Umgebung für jeweils vier Wochen eingeladen. „Um einen Kulturschock zu vermeiden, haben wir die Kinder immer im Klassenverband gelassen und zusammen in der Jugendherberge untergebracht“, sagt Mohs.
Der Etat beträgt rund 40.000 Euro im Jahr, unter anderem wird damit der Frankfurter Verein „Leben nach Tschernobyl“ unterstützt.
Finanziert wird etwa das Kinderheim Nadeshda im Norden des Landes.
Eingerichtet wurde zudem das Frauenberatungsbüro „Perspektiva“. Dort arbeiten zwei Halbtagskräfte. Damit soll verhindert werden, dass junge Frauen, die ins Ausland wollen, Menschenhändlern in die Arme fallen und zur Prostitution gezwungen werden. Mitfinanziert hat der Verein Windkrafträder und den Bau von Häusern für die Umsiedler.
Erika Mohs war inzwischen 25 Mal in Gomel. Sie hat Russisch gelernt, „damit ich mich vor Ort auch alleine umgucken kann“. jd

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