Herr Buchholz, Sie sind seit Montag Präsident der Frankfurter Fachhochschule am Nibelungenplatz. Wie waren Ihre ersten Tage als Chef?
Angenehm. Es war wichtig, dass es einen nahtlosen Übergang von meinem Vorgänger Wolf Rieck auf mich gab. Und es war gut, dass ich vor dem Semesterbeginn angefangen habe. So konnte ich gleich ins das Tagesgeschäft einsteigen.
Detlev Buchholz (40) ist seit dem 1. September Präsident der Fachhochschule am Nibelungenplatz. Der 40-Jährige war zuvor als Dekan der Fernhochschule in Darmstadt tätig. Er folgt auf Wolf Rieck, der nach sechs Jahren an der Spitze der FH nach Hanoi gegangen ist, um dort die neue deutsch-vietnamesische Universität zu leiten. Der im Saarland geborene Professor kommt aus den Ingenieurswissenschaften.
Was waren denn Ihre ersten Amtshandlungen?
Das waren viele administrative Vorgänge. Vor allem aber Gespräche: mit der Vizepräsidentin, dem Kanzler und dem Personalrat. Demnächst werde ich einen Rundgang durch die Hochschule machen und mir jeden Winkel ansehen. Ich will alles von der FH sehen und alle Menschen, die hier arbeiten, kennen lernen.
In den Berichten über Ihre Wahl wurde stets betont, dass Sie erst 40 Jahre alt sind. Glauben Sie dieses für Hochschulpräsidenten vergleichsweise junge Alter ist für Ihr Ansehen ein Vor- oder ein Nachteil?
Viele meiner Vorgänger waren 40, als sie an der Fachhochschule angefangen haben, insofern hat mein Alter bei den Mitarbeitern nicht das ganz große Stirnrunzeln ausgelöst. Ich wurde ja auch von einem sehr heterogenem Gremium gewählt. Grundsätzlich glaube ich, dass mein Alter eher ein Vorteil ist. In den Berichten über mich habe ich auch häufig das Stichwort "frischer Wind" gelesen.
Sie kamen von der Wilhelm-Büchner-Schule, einer noch recht kleinen Fernhochschule. Nun übernehmen Sie eine FH mit knapp 9 000 Studierenden. Haben Sie Respekt vor dem Amt?
Sicherlich. Ich mache mir keine Sorgen, denn ich habe an der Wilhelm-Büchner-Schule viele Erfahrungen machen können. Ich war ja immerhin bei der Gründung dabei. Aber: Ich habe Respekt vor der Macht. Entscheidungen, die ich treffe, haben größere Auswirkungen als bisher und müssen daher noch sorgfältiger überlegt werden.
Welchen Führungsstil können die Beschäftigten der FH von ihrem neuen Chef erwarten?
Ich setze auf Kommunikation und Transparenz. Ich will, dass jeder zu mir kommen kann, um über Probleme zu reden. Und ich möchte, dass wir in gemeinsamen Brainstormings Lösungen für anstehende Aufgaben entwickeln.
Ihr Vorgänger Rieck hatte vor allem mit dem Asta Schwierigkeiten. Welches Verhältnis zu den Studierenden streben sie an?
Klar ist: Diskrepanzen mit dem Asta sind nie auszuschließen. Das liegt in der Natur der Sache. Aber auch hier gilt, dass ich uneingeschränkt dialogfähig bin. Auf alle Fälle möchte ich zu einer der ersten offenen Asta-Sitzungen gehen und mich vorstellen und Gespräche führen.
Die Konflikte mit dem Asta entzündeten sich vor allem an der Frage der Studiengebühren...
Diesen Streit wird es mit mir nicht geben. Ich bin ganz klar gegen Gebühren im Erststudium.
Bleiben Sie bei Ihrer Meinung, wenn die Zahl der Studierenden steigt und sie auf zusätzliches Geld angewiesen sind?
Ja. Studiengebühren sind für mich noch nicht einmal das letzte Mittel. Sie kommen ganz einfach nicht in Betracht. Ich vertraue darauf, dass das Land den Ausfall der Gebühren kompensiert. Dass die Zahl der Studierenden steigt, ist richtig. Wir werden zum kommenden Wintersemester vermutlich wieder 1500 Neulinge habe. Damit kommen wir auf 8500 Studierende insgesamt. Das kann die FH verkraften.
Viele Hochschulpräsidenten blicken voller Sorge oderVorfreude auf die regelmäßig erscheinenden Rankings. Sind auch sie gespannt auf das Abschneiden der FH?
Natürlich. Rankings und auch Wettbewerbe haben in der Hochschullandschaft eine immens hohe Bedeutung. Aber wir sollten nicht vollkommen verkrampft nach guten Platzierungen streben, das wäre falsch. Eine Hochschule muss ihren Weg aus sich selbst heraus finden.
Welches Verhältnis haben Sie zur Johann Wolfgang Goethe-Universität?
Präsident Rudolf Steinberg hat mir direkt nach meiner Wahl in einem sehr herzlichen und persönlichen Schreiben gratuliert. Das hat mich gefreut. Ich habe ihm am Tag meiner Amtsübernahme auch geantwortet. Steinberg hat mich auch zu einem Gespräch eingeladen. Das werden wir natürlich machen. Es gibt bereits Kooperationen, die können wir vielleicht auch noch ausbauen.
Gerade bei technisch geprägten Studiengängen sucht die Goethe-Uni aber vor allem die Zusammenarbeit zur TU Darmstadt. Stört sie das?
Nein, jeder kann sich seine Partner aussuchen. Wir wollen ja auch weder mit Darmstadt noch mit der Goethe-Uni konkurrieren. Die Fachhochschule hat einen regionalen Auftrag, die Universität wirkt überregional...
...und bekommt für eine Milliarde Euro neue Gebäude vom Land. Sind sie neidisch?
Nein. Neid ist ohnehin ein Gefühl, das mir eher fremd ist. Ich freue mich für die Universität. Diese Entwicklung stärkt den Hochschulstandort Frankfurt.
Welche Projekte haben Sie sich für die nächste Zeit vorgenommen?
Zum einen möchte ich bei der Personalentwicklung etwas tun. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen stärker als bisher die Möglichkeit zur Weiterbildung erhalten. Und die Fachhochschule wird ihr Hochschulentwicklungskonzept aktualisieren. Es wird ein neues, umfangreiches Forschungskonzept beinhalten.
Wie wichtig ist Ihnen die Forschung an der Fachhochschule?
Sehr wichtig. Sie gehört zu einer guten Lehre dazu. Nur mit einer starken Forschung ist man ein glaubwürdiger Bildungsstandort.
Was soll man an der FH nach dem Ende Ihrer Amtszeit über Sie sagen?
Ich hoffe, man wird sagen, dass ich authentisch geblieben bin. Und dass ich für den notwendigen Dialog gesorgt habe.
Interview: Anne Lemhöfer und Georg Leppert

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